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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kraft; Kraftcentralen; Krafteinschalter; Kräftepaar; Kräfteplan; Kraftfutter; Kraftleitung; Kraftlinien

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Kraft (elektromotorische) - Kraftlinien

Wassers ebenfalls direkt dem Motor übermittelt. Auf Umwegen hingegen und zwar in sehr verschiedener Weise wird die der Kohle innewohnende K. nutzbar gemacht; für Dampfmaschinen zur Erzeugung des Dampfes durch Erhitzen des Wassers in besondern Dampfkesseln, für Heißluftmotoren durch Erhitzen von Luft; um aus Kohle ein explosives Leuchtgasgemisch für Gasmotoren herzustellen, bedarf es erst der Herstellung des Gases durch Destillation der Kohle, wozu wieder Kohle als Brennmaterial nötig ist, und dann der Mischung des Gases mit Luft. Noch indirekter kann die Erzeugung des elektrischen Stroms für die Elektromotoren genannt werden, insofern erst ein anderer Motor (z. B. Wasser- oder Dampfmotor) die stromerzeugende Dynamomaschine antreibt. Aus diesem und andern Gründen hat die von den Kraftmaschinen gelieferte Arbeit verschiedene Preise (Vergleichszahlen derselben s. Motoren und Kleinmotoren). Allen Motoren gemeinsam aber ist, daß ihre Arbeit pro Pferdestärke und Stunde um so billiger wird, je stärker der Motor, je größer also die ganze Kraftanlage ist. Dies ist der Grund einerseits für die Macht des Kapitals im industriellen Großbetrieb, andererseits aber auch für den Nutzen, den die modernen Kraftcentralen dem Kleingewerbe bringen. In Bezug auf das Gewicht bez. Volumen eines Kraftmittels im Vergleich zu der von ihm gelieferten Arbeit oder, was dasselbe sagt, in Bezug auf die Transportfähigkeit eines Kraftmittels ist es wissenswert, daß die Kohle bei weitem am meisten K. in sich birgt. Denn während die Kohlenmenge, die mittels einer guten Dampfmaschine eine Pferdestärke eine Stunde lang produziert, 0,7 kg wiegt, sind zur gleichen Kraftleistung 6 hl Leuchtgas oder 1200 hl Wasser von 3 m Gefälle nötig. Über Kraftverteilung und Kraftcentralen s. Kraftübertragung.

Kraft, elektromotorische, s. Elektromotorische Kraft.

Kraft, magnetomotorische, s. Feld, magnetisches.

Kraft oder Krafft, Adam, Bildhauer, geb. um 1440, wahrscheinlich zu Nürnberg, gest. 1507, angeblich im Spital zu Schwabach, in der Nähe Nürnbergs. Er gehört der auf entschiedene Charakteristik und Lebenswahrheit gerichteten Schule Nürnbergs an und erreichte in seiner Kunst eine hohe Meisterschaft, vermöge deren er das Material zum vollkommenen Träger des Gedankens machte und dem Stein warme Empfindung einhauchte. Vor 1490 ist kein Werk mit Sicherheit ihm zuzuschreiben. Zu seinen frühesten und besten Arbeiten gehören die sog. Stationen, sieben Darstellungen aus dem Kreuzesgange Christi, welche vom Tiergärtnerthore Nürnbergs zum Johanniskirchhofe führen. Sein Hauptwerk ist das 19 m hohe Sakramentshaus in der St. Lorenzkirche zu Nürnberg (1493‒1500), ein mit figürlichen Scenen durchflochtener, übermäßig fein entwickelter got. Steinaufbau. Am Fußgestell desselben hat K. sich selbst nebst zwei Gesellen in ganzer Figur und Lebensgröße als Träger dargestellt. Andere vorzügliche Arbeiten von ihm sind das Grabdenkmal für Sebald Schreyer an der Sebalduskirche (1492), eine Krönung der Maria in der Ägidienkirche (1501), das Pergerstorffersche Grabdenkmal in der Frauenkirche, das Relief auf der Stadtwage (1497) u. s. w. Das Dekorative an seinen Arbeiten zeigt eine reiche, doch oft ins Spielende übergehende Entfaltung des spätgot. Stils. – Vgl. Wanderer, Adam K. und seine Schule (Nürnb. 1869); Bergau in Dohmes «Kunst und Künstler», Heft 28 (Lpz. 1877).

Kraft, Eduard Friedrich Gustav, Forstmann, geb. 16. Aug. 1823 zu Clausthal am Harz, besuchte die Forstschule zu Münden und die Universität Göttingen. Nach langjähriger Verwendung bei der Centralbehörde der hannov. Forstverwaltung, wo er 1861 zum Oberförster, 1865 zum Forstmeister ernannt wurde, erfolgte 1885 seine Ernennung zum Oberforstmeister bei der preuß. Regierung zu Hannover. 1892 trat er in den Ruhestand. K. hat durch seine litterar. Thätigkeit, namentlich auf dem Gebiete der Forstmathematik, wesentlich zur Förderung der Wissenschaft beigetragen. Er schrieb: «Beiträge zur forstlichen Wasserbaukunde» (Hannov. 1863), «Die Anfangsgründe der Theodolithmessung und der ebenen Polygonometrie» (ebd. 1865), «Zur Praxis der Waldwertrechnung und forstlichen Statik» (ebd. 1882), «Beiträge zur Lehre von den Durchforstungen, Schlagstellungen und Lichtungshieben» (ebd. 1884), «Beiträge zur forstlichen Zuwachsrechnung und zur Lehre vom Weiserprozent» (ebd. 1885), «Beiträge zur forstlichen Statik und Waldwertrechnung» (ebd. 1887), «Beiträge zur Durchforstungs- und Lichtungsfrage» (ebd. 1889), «Über die Beziehungen des Bodenerwartungswertes und der Forsteinrichtungsarbeiten zur Reinertragslehre» (ebd. 1890).

Kraftcentralen, s. Kraftübertragung.

Krafteinschalter oder Kraftvermittler, Vorrichtungen, welche dazu dienen, die Bewegung schwergehender Maschinenteile vermittelst kleiner Kräfte zu ermöglichen, indem sie die von Hand oder durch zarte, wenig Kraft hergebende Mechanismen eingeleitete Bewegung durch Darleihung der erforderlichen Kraft unterstützen. Derartige Apparate, die also ganz ähnlichen Zwecken zu dienen haben wie in der Telegraphentechnik das sog. Relais (s. Elektrische Telegraphen, Bd. 5, S. 1012 b), werden vielfach benutzt, so unter anderm zur Bewegung der Schützen von Wasserrädern und Turbinen vom Regulator aus ohne diesen durch die erforderliche schwere Arbeit unempfindlich zu machen, zum Steuern schwerer Maschinen und Dampfhämmer u. a. Besonders wichtig ist ihre Anwendung geworden für die Bewegung der Steuerruder großer Schiffe, deren rasche und auch leichte Bewegung in Fällen der Gefahr dringend erforderlich werden kann. – Eine Zusammenstellung der vorhandenen Einrichtungen mit geschichtlicher Übersicht giebt Rittershaus im «Civilingenieur» (Lpz. 1874). – Vgl. auch Farcot, Le Servo-moteur (Par. 1873), und Lincke, Das mechan. Relais (Berl. 1880).

Kräftepaar, Kräfteparallelogramm, s. Kraft.

Kräfteplan, Kräftepolygon (Kraftpolygon), s. Graphostatik.

Kraftfutter, s. Futter.

Kraftleitung, s. Kraftübertragung.

Kraftlinien, Kurven, die an jeder Stelle des Raums die Richtung der daselbst wirksamen, z. B. Gravitations- oder elektrischen Kräfte haben. Die K. der Schwere auf der Erde sind alle im Erdmittelpunkt sich schneidenden Geraden. Die K. stehen in jedem Punkte aus den Elementen der Niveauflächen (s. Elektrisches Potential) senkrecht. Am leichtesten sind die K. für magnetische Kräfte darzustellen. Da Eisenfeilspäne unter dem Einfluß magnetischer Kräfte magnetisch werden (s. Magnetismus) und deren Pole von zwei gleichen entgegengesetzten parallelen

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]