Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Krotalon - Kruciferen
Orakelspruch, angegriffen hatte, geschlagen und nach
der Eroberung von Sardes 546 v. Chr. gefangen
genommen. Er soll hierauf zum Scheiterhaufen ver-
urteilt worden sein und eingedenk der Solonischen
Mahnung angesichts des Todes dreimal den Namen
des Solon ausgerufen haben. Cyrus, von der Be-
deutung des Ausrufs unterrichtet, soll hieraus dem
K. Leben und Freiheit geschenkt und ihn zum steten
Begleiter und Ratgeber auf seinen Feldzügen gewählt
haben. Das Todesjahr des K. ist nicht bekannt, doch
lebte er noch unter Kambyses. - Vgl. Schubert,
Geschichte der Könige von Lydien (Bresl. 1884).
Krotalon (grch., "Klapper"), antikes Klapper-
instrument, ähnlich den Castagnetten, zur Mar-
kierung des Rhythmus.
Kröten (LukonsL, s. Tafel: Frösche und
Kröten I und II, Bd. 7, S. 380 u. 382), eine Fa-
milie der Froschlurche, die sich von den Fröschen
unterscheidet durch gänzlichen Mangel von Zähnen
in beiden Kiefern und meist auch im Gaumen, durch
einen plumpern, mit warzenreicher, drüsiger Haut
bekleideten Körper, an dem nur kurze, mit halben
Schwimmhäuten ausgestattete und zum Springen
untaugliche Beine ansitzen. Hinter den Ohren bilden
die Hautdrüsen größere, buckelartig nach außen her-
vortretende Komplexe, die sog. Ohrdrüsen. Das
Sekret derselben ist gewöhnlich milchweiß, riecht oft
widerwärtig und erregt auf zarten Hautstellen Bren-
nen und Entzündung, obgleich es nicht eigentlich
giftig ist. Diesen Saft sondern die K. stets ab, wenn
sie erfaßt werden (weshalb z. V. Hunde eine gepackte
Kröte sofort wieder fallen lassen und längere Zeit
schäumen); die beim Verfolgen der K. öfters von ihnen
ausgespritzte Flüssigkeit ist Harn und vollkommen un-
schädlich. Die K.nützen durch Vertilgung von Garten-
schnecken, Insekten, Raupen, Würmern u. dgl. Sie
sind ausschließlich Nachttiere, die sich tags in Erd-
löckern, in alten Mauerlücken, Kellerwinkeln u. s. w.
aufhalten und das Wasser nur zum Zwecke der Ei-
ablage aufsuchen. Sie können lange Zeit fast ohne
Nahrung auskommen; daß sie freilich jahrhunderte-
lang in Felsenhöhlen eingeschlossen leben sollen, ist
Fabel; hingegen ist erwiesen, daß sie ein sehr hohes
Alter (bis über 40 Jahre) erreichen können. Die
Stimmen der K., bei den Männchen durch eine Schall-
blase verstärkt, sind nicht unangenehm; sie ertönen
vor allem abends und nachts zur Zeit der Paarung.
Die Eier werden in regelmäßigen Schnüren zwischen
den Zweigen von Wasserpflanzen aufgehängt und
entwickeln sich in 8-10 Wochen zu jungen K., die
auch, ans Land gegangen, noch längere Zeit scharen-
weise beisammen bleiben und wahrscheinlich die Sage
vom Krötenregen veranlaßt haben. In Deutschland
kommen drei Arten vor. Die gemeine Erd- oder
Feldkrüte, auch Lork genannt (Vnko vuIZ^ris
^om,'., cinsi-EUZ >3c/m6ick., s. Taf. II, Fig. 3), von
schmutzig graubrauner oder grüner Farbe mit ein-
farbig hellgrauem, beim Weibchen schwarzgeflecktem
Bauche und 7-22 cm Länge. Die Nohrkröte
oder Kreuzkröt.e (Vulo c^Hinita ^cnl?-.), die sich
besonders durch den unangenehmen Geruch ihrer
Absonderung auszeichnet (daher auch stinkende
Kröte genannt), erreicht nur 6-8 cm Länge und
besitzt in der Mitte des grünen oder braunen Rückens
einen gelben oder weißlichen Längsstrich; die Schall-
blase des Männchens ist stark entwickelt. DieWech -
selkröte oder veränderliche Kröte (Vulo varia-
di1i8 ^a??., s. Taf. I, Fig. 8) ist seltener und besitzt
zahlreiche grasgrüne, scharf abgegrenzte Flecken au'
ihrem weißlichen Rücken. In der Größe steht sie.
zwischen den beiden genannten Arten. Die in Süd-
amerika heimische Vuko a^ua. erreicht 23 cm Länge
und ist der größte jetzt lebende Froschlurch.
Über die öfters als K. bezeichneten, der Familie
der Krötenfrösche zugehörigen und mit den Frö-
schen näher verwandten Formen, Geburtshelferkröte,
Knoblauchskröte und Unke s. diese Artikel.
Krötenechse, s. Tapayarin.
Kröteneier, im Volk Bezeichnung für die fast
ganz aus den Schalen der kleinen lersdrawig.
c^cloiäLL bestehenden Kalksteine der Triasformation.
Krötenfröfche, s. Frösche.
Krötenkopf, Mißbildung, s. Hemicephalus.
Krötenkopfhelm, s. Helm (Bd. 9, S. 17d).
Krötenmaul, eine besondere Färbung des Mauls
bei Schimmeln, entsteht durch steckenweise auftreten-
den Mangel von Pigment in der Haut der Ober-
und Unterlippe; dadurch erscheinen diese Teile grau-
rot und durch die eingesprengten dunkeln Punkte
der Haut der Kröte entfernt ähnlich.
Krötensteine, s. Bufoniten.
Kroton, altgriech. Stadt in Unteritalien, wurde
im 8. Jahrh. v. Chr. gegründet, zählte viele Olympia-
sieger und wurde von Pythagoras zum Sitz seiner
Schule auserkoren. Die reiche und schöne Handels-
stadt lag mehrfach im Streit mit Sybaris und Lokri.
Sybaris wurde von K. zerstört. K. selbst wurde erst
von Dionys von Syrakus, dann von Agathokles
genommen, später von Pyrrhus zerstört und siel
endlich in die Hand der Römer, welche 205 und
195 v. Chr. eine Kolonie nach K. entsandten. Auf
seiner Stelle liegt Cotrone (s. d.). - Vgl. Grosser,
Geschichte und Altertümer der Stadt K. (2 Tle.,
Mind. 1866-67).
Krotoschin. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Po-
sen (s. d.), hat 501,40 hkm, (1890) 42971 (20764
männl., 22207 weibl.) E., 4 Städte, 53 Landge-
meinden und 12 Gutsbezirke. - 2) K., poln. Trow-
827N, Kreisstadt im Kreis K., 7 kni von der schles.
Grenze, an der Linie Ols-Gnesen und der Neben-
linie Lissa-Ostrowo der Preuß. Staatsbahnen, Sitz
des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht
Ostrowo), Steuer- und Katasteramtes und einer
Neichsbanknebenstelle, hat (1890) 10646 E.,
darunter 4635 Evangelische und 927 Israeliten, in
Garnison das 1., 2. und 4. Bataillon des westfäl.
Füsilierregiments von Steinmetz Nr. 37, eine evang.
und zwei kath. Kirchen, Synagoge, königl. Wilhelms-
gymnasium, 1854 gegründet, höhere Mädchenschule:
Hauptsitz des Mediatfürstentums K., das dem
Fürsten Thurn und Taxis 1819 von Preußen für
das Neichspostmonopol in den am rechten Rheinufer
neuerworbenen Landen überlassen wurde.
Krottendorf, früherer Name für Frohsdorf ss.d.).
Krottensee, Tropfsteinhöhle, s. Königstein 3.
Kroup, Krankheit, s. Krupp.
XrskyH, ind. Gottheit, s. Krischna.
Kru, Negerstamm in Liberia (s. d.), westlich und
östlich von Kap Palmas, mit den umwohnenden
Bassa und Gleboe verwandt. Ihre Anzahl wird auf
40000 geschätzt. Die Kruneger leisten auf den
europ. Schiffen und Faktoreien als Matrosen und
Arbeiter gute Dienste und sind weithin unter dem
Namen der O00-1Q6N oder Ooo-doxä bekannt.
Kruciferen, artenreiche Pflanzenfamilie aus
der Ordnung der Rhöadinen (s. d.) mit gegen 1200
über die ganze Erde zerstreuten Arten; die meisten
wachsen in Südeuropa und Kleinasien. Es sind
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.