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Matrikularbeiträge – Matrosenartillerieabteilungen
zu den Reichsbedürfnissen. Die Wormser M. von 1521 bestimmte die zu stellenden Kontingente und die Kriegssteuern (Römermonate), eine andere die Beiträge für die Unterhaltung des Kammergerichts (Kammerziele). Im Laufe der Zeit hatten aber hierin das Herkommen und eigene Reichsschlüsse Veränderungen herbeigeführt, so daß die Reichsstände nur nach einer Usualmatrikel zu jenen Leistungen herangezogen wurden. Auch im Deutschen Bunde bestimmte eine Bundesmatrikel die Stärke der Truppen, welche jedes Bundesmitglied zum Bundesheere stellen sollte. Aus dem alten Deutschen Bunde sind auch in das neue Deutsche Reich übergegangen die Matrikularbeiträge der Einzelstaaten, d. h. die Zuschüsse zu den gemeinsamen Reichsausgaben, soweit letztere nicht durch eigene Einnahmen des Reichs, wie Zölle, Verbrauchssteuern, Postüberschüsse u. s. w., gedeckt werden. Diese Beiträge werden nach der Bevölkerungszahl der einzelnen Staaten berechnet und durch das Etatsgesetz für jedes Jahr festgesetzt. Die Matrikularbeiträge waren bei Aufrichtung des deutschen Gesamtstaates nur als eine vorläufige Aushilfe betrachtet worden, indem die Absicht bestand, das Reich finanziell ganz auf seine eigenen Finanzquellen zu gründen. Durch das Zolltarifgesetz vom 15. Juli 1879, §. 6, sind die Matrikularbeiträge eine dauernde Einrichtung geworden.
Die rechnungsmäßige Höse ^[richtig: Höhe] der Matrikularbeiträge der deutschen Bundesstaaten betrugen nach dem Reichshaushaltsetat in Tausend Mark:
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Staaten 1885/86 1887/88 1883/89 1889/90 1890/91 1891/92 1892/93 1893/94 1894/95 1896/97
Preußen 62633 100882 127163 134260 182993 190803 192043 225631 234159 244470
Bayern 23284 31471 29578 29295 40501 42780 41860 46063 50333 51929
Sachsen 6820 11297 14518 15081 20557 21434 22495 27258 27373 29042
Württemberg 8678 11488 10857 10709 14964 15841 15169 16502 18217 18452
Baden 6053 8318 7999 7717 11369 11983 11803 13381 14081 14356
Hessen 2150 3413 4258 4536 6182 6446 6359 7355 7761 7976
Mecklenburg-Schwerin 1325 2057 2524 2727 3717 3875 3697 4161 4520 4579
Sachsen-Weimar 711 1121 1392 1488 2029 2115 2088 2417 2548 2600
Mecklenburg-Strelitz 230 352 428 466 636 663 626 699 766 779
Oldenburg 775 1220 1512 1619 2207 2301 2273 2633 2775 2868
Braunschweig 802 1324 1696 1766 2407 2510 2592 3104 3156 3331
Sachsen-Meiningen 475 766 965 1019 1389 1448 1434 1663 1750 1795
Sachsen-Altenburg 356 575 726 766 1043 1088 1095 1287 1336 1382
Sachsen-Coburg-Gotha 447 709 885 943 1285 1340 1323 1531 1614 1662
Anhalt 534 882 1131 1177 1604 1672 1747 2109 2126 2251
Schwarzburg-Sondershausen 163 262 330 349 476 496 483 553 590 600
Schwarzburg-Rudolstadt 184 299 378 397 542 565 550 628 671 680
Waldeck 130 202 249 268 365 381 366 415 448 443
Reuß älterer Linie 117 198 259 265 361 377 404 496 491 518
Reuß jüngerer Linie 233 392 510 524 715 745 769 921 936 1010
Schaumburg-Lippe 81 132 168 176 240 251 251 294 306 316
Lippe 276 440 549 584 796 830 823 956 1004 1033
Lübeck 146 241 308 321 437 456 492 608 598 640
Bremen 360 589 751 785 1070 1116 1159 1393 1410 1507
Hamburg 1042 1831 2445 2459 3351 3494 4016 5166 4866 5235
Elsaß-Lothringen 4432 6476 7797 8436 11179 11724 11443 12840 13661 13695
Summe 122437 186937 219376 228133 312415 326734 327360 380614* 397496 413149
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* Nach dem dritten Nachtrag zum Reichshaushaltsetat 1893/94 sind 550000 M., soweit dieselben nicht durch regelmäßige Einnahmen Deckung finden, durch Matrikularbeiträge aufzubringen. Dieser Betrag ist vorläufig nur der Endsumme zugesetzt.
Matrikulārbeiträge, S. Matrikel.
Matrimonĭum (lat.), Ehe; M. putatīvum, Putativehe (s. d.), Glaubensehe; matrimoniāl, die Ehe betreffend, ehelich.
Matrīze (vom lat. mater), im allgemeinen Bezeichnung für eine vertiefte Form, in die ein erhabener Körper paßt, oder in der ein solcher angefertigt werden soll; bei der Lochmaschine (s. d.) soviel wie Lochring oder Lochscheibe; bei der Blechbearbeitung (s. d.) soviel wie Stanze; in der Stereotypie (s. d.) der vom stehenden Satz gefertigte Abdruck, der die Lettern vertieft zeigt und auch Mater genannt wird. Der Ausdruck M. kommt auch in der Schriftgießerei (s. d.), Stempelschneidekunst (s. d.) und Galvanoplastik (s. d.) vor. ^[Spaltenwechsel]
Matrizenprägmaschine, s. Setzmaschine.
Matrōna (lat.), bei den Römern jede ehrbare verheiratete Frau. Die Tracht der M. war die lange weiße Stola, der Palla (s. d.) genannte Überwurf und das in sechs schlichte Flechten geteilte, von wollenen Bändern (vittae) durchwundene Haar.
Matrŏna, der lat. Name des Flusses Marne.
Matronāle, Pflanze, s. Hesperis.
Matronalĭa, ein im alten Rom 1. März von den Matronen zu Ehren der Juno (s. d.) gefeiertes Fest, wobei in den Häusern für das Glück der Ehe geopfert, die Sklaven von den Hausfrauen bewirtet und diese von den Angehörigen beschenkt wurden.
Matronymĭkon, soviel wie Metronymikon (s. d.).
Matrosen, Seeleute, die unter dem Befehl von Schiffsoffizieren ein Schiff auftakeln, beladen oder stauen, über See führen und entlöschen und auf der Reise alle Reparaturen an Tauwerk und Segeln besorgen. Ein befahrener Matrose (s. Jungmann, Schiffsjunge, Vollmatrose) muß steuern und rudern können. An Bord von Kriegsschiffen werden die M. militärisch mit dem Geschütz, Gewehr und Torpedo ausgebildet. Die Uniform der Kriegsschiffsmatrosen ist international fast gleichmäßig, im kalten Klima blau, im heißen weiß, Beinkleid und Hemd mit großem Kragen. An den Mützen wird stets neben der Kokarde ein schwarzseidenes langes Band mit dem Namen des Schiffs oder des Marineteils am Lande, dem der Matrose angehört, in Gold gestickt getragen. Die Einstellung der M. erfolgt in der deutschen Marine bei den Matrosendivisionen (s. d.). – Matrosenpressen hieß das früher besonders in Hafenstädten betriebene gewaltsame Aufgreifen von Menschen zum Matrosendienst, das in einigen Seestaaten beim Kriegszustande ein zwar grausames, aber gesetzlich anerkanntes Mittel bot, das Seevolk, wenn die freiwillige Dienstleistung nicht ausreichte, zu ergänzen und zu vermehren.
Matrosenartillerieabteilungen, eine Truppe der deutschen Marine, mit dem Zweck, die Artillerie