Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Nikomēdes; Nikomedīa; Nikon; Nikopól; Nikopŏli; Nikopŏlis; Nikotianīn; Nikotīn

373

Nikomedes – Nikotin

Nikomēdes, mehrere Könige von Bithynien:

N. Ⅰ. rief 277 v. Chr. die Kelten aus Thrazien nach Asien und gründete Nikomedia (s. d.).

N. Ⅱ. Epiphanes gelangte durch Aufruhr und Ermordung seines vom Volke gehaßten Vaters Prusias’ Ⅱ. 149 v. Chr. zur Regierung und starb 91.

Des vorigen Sohn N. Ⅲ. Philopator wurde gegen seinen Stiefbruder Sokrates und Mithridates d. Gr. von den Römern unterstützt, im ersten Mithridatischen Kriege durch Mithridates zweimal vertrieben, aber von den Römern beidemal 90 und das zweitemal durch Sulla 84 wieder eingesetzt. Bei seinem Tode 74 v. Chr. vermachte er sein Reich den Römern und veranlaßte dadurch den dritten Mithridatischen Krieg.

Nikomedīa, die Hauptstadt von Bithynien (s. d.), wurde 264 v. Chr. vom König Nikomedes Ⅰ. an Stelle der durch Lysimachus zerstörten alten megarischen Kolonie Astakos, im innersten Winkel des Astakener Golfes (jetzt Busen von Ismid), erbaut. Sie erwuchs zu einer der blühendsten und prächtigsten Städte der Alten Welt, und mehrere der spätern röm. Kaiser, wie Diocletian und Konstantin d. Gr., der daselbst starb, residierten dort. N. wurde durch häufige Erdbeben, 259 n. Chr. auch durch die Goten schwer mitgenommen. N. ist die Vaterstadt des Schriftstellers Arrianus und die Todesstätte Hannibals. Ruinen der alten Stadt finden sich noch in und bei der heutigen Stadt Ismid (s. d.).

Nikon, russ. Patriarch, geb. 1605 in Weljaminow bei Nishnij Nowgorod, wurde weltlicher Priester und trat dann in das auf einer Insel im Weißen Meere gelegene Ansersche Kloster. Als Abt eines Klosters bei Moskau zog er die Aufmerksamkeit des Zaren Alexej Michailowitsch auf sich, wurde 1646 zum Archimandriten des Klosters Nowospask in Moskau und 1649 zum Erzbischof von Nowgorod erhoben, wo er durch seine Entschlossenheit zur Unterdrückung eines Aufruhrs wesentlich beitrug. Am 26. Juli 1652 wurde er Patriarch von Rußland. Alexej schenkte ihm anfangs ein unbegrenztes Vertrauen; als aber N., der wegen seiner Strenge, mit der er gegen die Gegner seiner Reformen einschritt, verleumdet wurde, den Zaren gegen sich eingenommen sah, legte er gegen den Willen desselben seine Patriarchenwürde nieder, begab sich 1658 in das Woskressenskijkloster und trat in offene Opposition gegen den Zaren. Alexej berief die Patriarchen von Alexandria und Antiochia zu einem Konzil, das 12. Dez. 1666 N. seiner Würde entsetzte und als Mönch in das Kloster Therapont bei Bjelosersk verbannte, während es seine Herstellung der Texte der alten Kirchenbücher wie überhaupt seine Reformen billigte und seine Gegner verfluchte. Zar Feodor Alexejewitsch erlaubte ihm, nach dem Woskressenskijkloster zurückzukehren, aber N. starb auf der Reise dahin zu Jaroslaw 17. Aug. 1681. Die von ihm durchgeführte Verbesserung des verderbten Textes der slaw. Kirchenbücher und damit zusammenhängende Veränderungen riefen den Abfall der sog. Altgläubigen (s. Raskolniken) hervor. – Vgl. Schuscherin, Leben N.s (im 17. Jahrh. verfaßt, hg. von Kosadawlew, Petersb. 1784; neue Aufl. 1817; deutsch von Bacmeister, Riga 1788); Solowjew, Russ. Geschichte, Bd. 11 (russisch, Mosk. 1861); Subbotin, Der Prozeß N.s (russisch, ebd. 1862). Die ausführlichste Biographie N.s giebt Makarius, Russ. Kirchengeschichte, Bd. 13 (1882); ders., Der Patriarch N. und die Verbesserung der Kirchenschriften und Ritualien (Mosk. 1881); neue Materialien zu seinem Prozeß gab Hübbenet aus den Akten des Staatsarchivs in Petersburg (Petersb. 1884). ^[Spaltenwechsel]

Nikopól, Flecken im russ. Gouvernement und Kreis Jekaterinoslaw, rechts an dem Dnjepr, hat (1892) 10100 E., darunter viele Israeliten und Mennoniten, Post, Telegraph, 2 russ. Kirchen, 2 Synagogen, Flußhafen, Werft für Kabotageschiffe; Handel mit Weizen, Hanf, Flachs u. a.

Nikopŏli, türk. Nighebolü, auch Nebul, Stadt im Fürstentum Bulgarien, Distrikt Šistov, ehemals Festung, an der Donau, Sitz eines griech. Bischofs, zählt (1888) 5156 E., darunter 3745 Türken und 168 span. Juden. Auf der westl. Höhe liegt die vernachlässigte Citadelle. N. ist Dampfschiffahrtsstation und trieb früher bedeutenden Handel mit der Walachei. Die Umgegend erzeugt geschätzten Wein. – Die Festung wurde berühmt durch die Niederlage, die König Sigismund von Ungarn hier mit dem franz.-ungar. Kreuzheere 28. Sept. 1396 durch die Türken unter Bajazet Ⅰ. erlitt. 1444 bestürmte Wladislaw von Ungarn die Stadt vergeblich. Am 27. Sept. 1810 wurde sie von den Russen erobert, welche 18. Febr. 1829 hier auch die Flotte der Türken zerstörten. 1877 wurden die Werke verstärkt und mit gezogenen Geschützen armiert. Das 9. russ. Armeekorps umzingelte 15. Juli 1877 die türk. Division Hassan Pascha in N. und erstürmte die stark befestigten Stellungen vor N., worauf Hassan Pascha 16. Juli kapitulierte.

Das vom Kaiser Trajan zum Andenken an seine Siege über die Dacier gegründete Nicopolis ad Istrum in Moesia inferior lag auf dem Ruinenfeld von Stari-Nikup (Alt-Nikopoli), unweit von der Mündung der Rušica in die Jantra, nördlich von der Stadt Tirnova.

Nikopŏlis, Stadt in Epirus, s. Actium. – N., Stadt in Ägypten, s. Alexandria (Bd. 1, S. 374 b). – N., Stadt in Palästina, s. Emmaus.

Nikotianīn, s. Nikotin.

Nikotīn, C₁₀H₁₄N₂, eine flüchtige organische Base, die sich in den Blättern und im Samen des Tabaks (s. d.) findet. Man erhält es, wenn man den eingedickten wässerigen Auszug der Blätter mit Alkohol auszieht, dann die gewonnene weingeistige Lösung unter Zusatz von Wasser destilliert bis zur Verdampfung des Alkohols, mit Kali versetzt und mit Äther schüttelt. Aus der ätherischen Lösung wird das N. durch Verdunsten des Äthers und dann durch vorsichtige Destillation in einem Strome von Wasserstoffgas über gebranntem Kalk gewonnen. Das reine N. ist eine farblose ölige Flüssigkeit, von 1,03 spec. Gewicht, scharfem Geruch und brennendem Geschmack. Es siedet bei 247° C., löst sich in Wasser, Weingeist und Äther und ist ein tödliches Gift. In den Tabaksblättern findet sich das N. in Gestalt eines Salzes. Trockner Schnupftabak enthält ungefähr 2 Proz. N.; trockne entrippte Tabaksblätter 2,0 bis 7,9 Proz. Die Menge des N. in den Tabaksblättern scheint zu der Güte der Blätter in keinerlei Beziehung zu stehen. Der specifische Geruch des Tabaksdampfes wird besonders durch einen andern in den trocknen Tabaksblättern enthaltenen Stoff, das Nikotianin (Tabakskampfer), hervorgebracht. Das über den trocknen Blättern destillierte Wasser scheidet beim Stehen weiße, blätterige Krystalle des Nikotianins ab, die wie Tabaksdampf riechen, ähnlich schmecken und in geringer Menge nicht giftig wirken.