34
Petscherskaja Lawra – Pettenkofer
Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Petschenēgen'
der Krim als Nachbarn des byzant. Cherson ansässig. Mit den Russen führten sie viele Kriege; Großfürst Svjatoslav fiel 971 auf dem Rückzug aus Bulgarien gegen die
P. an den Stromschnellen des Dnjepr. Nach einer großen Niederlage gegen die Russen bei Kiew 1036 bedrängten sie das Byzantinische Reich in dem neu eroberten
Bulgarien. Die Kriege des Chan Tyrach (1048–53) und des Chan Tzelgu (1086–91) gegen Byzanz führten jedoch zu einer völligen Auflösung dieses Volks. Nach dem großen
Siege des mit den Kumanen verbündeten Kaisers Alexios Komnenos an der Maritzamündung (1091) wurden die Reste der P. in den europ. Provinzen, besonders in Bulgarien
ansässig gemacht, wo bald die Kreuzfahrer mit ihnen in feindliche Berührung kamen. Ein anderer Teil der P. flüchtete sich nach Ungarn, wurde dort in allen
Komitaten angesiedelt und verschmolz mit der übrigen Bevölkerung. – Vgl. Neumann, Die Völker des südl. Rußlands in ihrer geschichtlichen Entwicklung (2. Aufl.,
Lpz. 1855).
Petschérskaja Láwra oder Kijewopetscherskaja Lawra, Kloster und Festung im
südl. Teil der Stadt Kiew (s. d.).
Petschieren, mit einem Petschaft (s. d.) versiegeln.
Pe-tschi-li, seit 1421 Name der chines. Provinz, in der die neue «nördl. Hauptstadt» Peking lag, im Gegensatz zu Nan-tschi-li. Unter der
jetzigen Mandschudynastie heißen die fraglichen Oberstatthalterschaften Tschi-li und Kiang-nan, aber auf europ. Karten hat man den Namen beibehalten. P. hat
innerhalb und außerhalb der Großen Mauer etwa 150000 qkm mit zusammen 19,3 Mill. E. Hauptfluß ist der Pei-ho. Zahlreich sind die
kath. Missionen. Nach P. heißt die wichtige Bucht des Gelben Meers, in die der Hoang-ho mündet, mit dem Hafen Tien-tsin
Golf von P.
Petschóra, Fluß im NO. des europ. Rußlands, entspringt an der Westseite des Urals auf der Sopka Bolwan, fließt im
allgemeinen nordwestlich durch die Gouvernements Perm, Wjatka und Archangelsk, teilt sich im Unterlauf in viele Arme, zwischen denen viele wüste, nur von Seehunden
bewohnte Inseln liegen, und mündet nach einem Gesamtlauf von 1582 km in die Petschorabucht des Nördlichen Eismeers. Nebenflüsse
sind rechts die Ussa (718), links die Ischma (626), Zylma (322 km) u.a. Das Flußgebiet umfaßt 329503 qkm. Die P. ist sehr wasserreich und fast in ganzer Länge
schiffbar, doch besteht noch keine regelmäßige Schiffahrt. – Vgl. Latkin, Tagebuch einer Reise an die P. (russisch, 2 Bde., Petersb. 1857); Seebohm,
Siberia in Europe (Lond. 1880).
Petsopula, Eiland bei Spezzia (s. d.).
Pettau. 1) Bezirkshauptmannschaft in Steiermark, hat 984,77 qkm und
(1890) 79150 (37811 männl., 41339 weibl.) E. in 131 Gemeinden und 345 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Friedau, P. und Rohitsch. –
2) P., slowen. Ptuj, Stadt mit eigenem Statut, Sitz der Bezirkshauptmannschaft P.,
eines Bezirksgerichts (610,84 qkm, 47193 E.), Hauptsteuer-, Hauptpost- und Telegraphenamtes, an der Drau, an deren rechtem Ufer
die größte Ebene Steiermarks, das Obere und Untere Pettauer Feld, sich hinzieht, an
der Linie Budapest-Pragerhof der Österr. Südbahn, hat (1890) 3924 E., in Garnison 1 Eskadron des 5. Dragonerregiments «Nikolaus I., Kaiser von Rußland» und
das 4. Pionierbataillon, eine große Dekanatskirche zum heil. Georg, ↔ Minoritenklosterkirche St. Peter und Paul, gräfl. Attemsschen Freihof,
einst Schloß der Herren von P., Denkmäler aus der Römerzeit, darunter ein riesiges Marmordenkmal (194 n.Chr.) zur Erinnerung an den Sieg des Kaisers Septimius
Severus über seine Nebenbuhler, ein Landesgymnasium, Musikschule, Theater, Bürgerspital, Sparkasse, 2 Vorschußvereine; Feldwirtschaft und Weinbau. Auf einem
Berge das große Schloß Ober-Pettau. P., als Petovia,
Petovium, Paetovion seit den ältesten Zeiten bekannt, war eine bedeutende kelto-german.
Stadt. Im J. 35 v.Chr. wurde sie von Oktavian zerstört, aber wieder aufgebaut. Romulus Augustus war hier geboren.
Pettenkofen, August, Ritter von, Genremaler, geb. 10. Mai 1822 zu Wien, studierte an der dortigen Akademie und beschäftigte sich besonders
mit lithogr. Arbeiten, in welchen er meist gleichzeitige Kriegsscenen meisterhaft wiedergab. Zu nennen sind außer den Albums von A. Leykum und L. T. Neumann: Der
brave Tambour, Die brave Marketenderin, Reitertod, Der Reiter und sein Roß, Ungarischer Landsturm bei Preßburg, Der Sturm auf Ofen 21. Mai 1849, Die überfallene
Feldpost, Der ungar. Reichstag, Kaiser Franz Joseph mit Gefolge, Radetzky bei Novara, Haynau mit seinem Stabe, und die beiden auch als Ölbilder ausgeführten Stücke:
Der mitleidige Soldat und Der Transport von Verwundeten. Weiterhin malte P.: Die ungar. Rekruten, Flußübergang von Infanterie (1851) und Das russ. Biwak (1852).
Mit dem J. 1853 beginnen seine ungar. Marktscenen. Bilder wie Der ungar. Markt (1854), Rumänische Post (1855), Das ungar. Dorf mit Ochsenwagen und Die Pferde vor
einer Czarda (1856), Jägerhütte mit Strohdach im Walde (1857), Ungarische Freiwillige (1860), Das Mädchen unter einem Thor (1864) und Das Rendezvous (1867;
Hofmuseum in Wien) zeigen den Künstler vielleicht auf seinem Höhepunkt. Von 1870 an begann P. Italien zu bereisen, und geraume Zeit stehen seine Bilder
gegenständlich unter ital. Einfluß; in den achtziger Jahren aber verwertete er neben den ital. Studien auch wieder frühere, so in den Ungarischen Marktweibern
(1886) und in der Schusterwerkstätte aus Südtirol (1888). Er starb 21. März 1889 in Wien.
Pettenkofer, Max von, Begründer der experimentellen Hygieine, geb. 3. Dez. 1818 auf der Einöde Lichtenheim bei Neuburg an der Donau,
studierte in München Medizin und Naturwissenschaften, arbeitete dann in chem. Laboratorien zu München, Würzburg und Gießen, trat hierauf als chem. Assistent in die
königl. Münze in München und wurde 1847 außerord., 1853 ord. Professor der mediz. Chemie daselbst. P. begann seine wissenschaftliche Laufbahn mit physiol.-chem.
Arbeiten: Gallenprobe, die seinen Namen führt, über einen neuen Körper (Kreatin und Kreatinin) im Harn u.s.w. Infolge seiner Thätigkeit an der Münze nahmen seine
Arbeiten auch eine technische Richtung, z.B. über Affinierung des Goldes, Verbreitung des Platins (Platin in Kronenthalern). Dieser Richtung entstammen nach seinem
Übertritt an die Universität auch noch andere Arbeiten, z.B. Unterschied zwischen Portlandcement und deutschen hydraulischen Kalken, Erfindung eines Leuchtgases
aus Holz und Regenerationsverfahren der Ölgemälde (s. Ölmalerei, Bd. 12, S. 579a), das in den bayr., später auch in andern Staatssammlungen
offiziell eingeführt und in der Schrift «Über Ölfarbe und Konservierung der
Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 35.