156
Pinzgauer Pferd – Pipa
Taxenbach an, ist enge und felsig. Unterhalb Lend ändert der Fluß seine östl. Richtung in eine nördliche und tritt hier in das untere Querthal ein, dessen oberer, beckenartiger und bis 1 km breiter Teil mitsamt den in denselben einmündenden Seitenthälern Pongau genannt wird; er reicht bis Werfen, unterhalb welchen Ortes der Fluß durch den Engpaß Lueg (s. d.) in den weiten Kessel von Salzburg einströmt. In der Nähe von Golling (s. d.) ist der malerische Gollinger Wasserfall, welcher lange für einen Ausfluß des Königssees (s. d.) gehalten wurde; bei Schwarzach befindet sich die vielbewunderte Liechtensteinklamm und bei Taxenbach die nicht minder herrliche Kitzlochklamm. Die neue Pinzgauer Straße führt von Lend über Mittersill nach Tirol und die Salzburg-Tiroler Linie (Giselabahn) der Kaiserin-Elisabeth-Bahn durch das Salzachthal bis Bruck und von da über Zell und Kitzbühel nach Wörgl. Der P. entspricht der heutigen Bezirkshauptmannschaft Zell (s. d.) am See.
Pinzgauer Pferd, schwerer Schlag der norischen Rasse, der im Pinzgau, Steiermark, Tirol und Kärnten gezüchtet wird. Die P. P. finden hauptsächlich im Lastfuhrwerk Verwendung, wozu sie ihrem ganzen Körper nach vorzüglich geeignet sind. Der Farbe nach sind sie meist Schecken.
Piombi (ital., «Bleidächer», «Bleikammern»), die über der Sala dei Dieci im Dogenpalast zu Venedig liegenden Räume, die seit 1591 als Untersuchungsgefängnis benutzt wurden; als solche waren die P. berüchtigt namentlich wegen ihrer unerträglichen Hitze. Casanova (s. d.) hat eine Beschreibung seiner Gefangenschaft in den P. (1755) in seinen Memoiren gegeben.
Piombīno. 1) Früher selbständiges Fürstentum (360 qkm), jetzt ein Teil der ital. Provinz Pisa, gehörte ehedem mit Elba zu Pisa, dessen Stadtherren, die Appiani, bei dem Verkauf von Pisa (1399) an die Visconti sich P. und Elba als eigene Herrschaft vorbehielten. Ende des 16. Jahrh. wurde P. infolge von häuslichen Wirren der Appiani und im Gegensatz zu Florenz von den Spaniern besetzt, dann wiederhergestellt, um nach dem kinderlosen Absterben des Jacopo Ⅶ. d’Appiani (1603) nochmals von Spanien sequestriert zu werden. Durch einen Wiener Hofgerichtsspruch wurde nun P. zuerst einem Appiano gegen 800000 Fl. und, als dieser nicht zahlen konnte, 1634 den Ludovisi für 1 Mill. Fl. zugesprochen, von welchen es durch Verschwägerung 1700 die Buoncompagni (s. d.) erbten. Diese, im Spanischen Erbfolgekriege auf franz. Seite getreten, verloren es zuerst ganz 1708, bekamen es indessen wieder. 1801 wurde P. dem franz. Staat einverleibt, 1805‒14 war es im Besitz von Napoleons Schwester Elisa Bacciocchi, 1815 kam es an das Großherzogtum Toscana, das den Buoncompagni ein Jahrgehalt aussetzte. – 2) Hafenstadt im Kreis Volterra der Provinz Pisa, die alte Hauptstadt des Fürstentums P., an dem bewaldeten Vorgebirge gegenüber Elba und der Nebenlinie Campiglia Marittima-P. (14 km) der Mittelmeerbahn Pisa-Rom, hat (1881) 2763, als Gemeinde 4595 E. und Dampferverbindung mit Elba.
Piombo, Fra Sebastiano del, ital. Maler, mit seinem Familiennamen Luciani, geb. 1485 zu Venedig. Der Musik, welcher er sich anfangs widmete, entsagte er, um sich der Malerei unter Giovanni Bellini und dann unter Giorgione zu widmen. Die Sage, daß Michelangelo, der auf den wachsenden Ruhm Raffaels aufmerksam zu werden schien, sich P.s bei der Ausführung mehrerer seiner Kompositionen zu bedienen gesucht hätte, um so mit seiner großartigen Erfindung die venet. Farbenschönheit verbunden zu sehen, beweist, welche hohe Meinung die Zeitgenossen von dem künstlerischen Vermögen P.s hatten. Als Raffael seine berühmte Transfiguration gemalt hatte, wurde P. von Michelangelo bewogen, durch eine Auferstehung des Lazarus jenen womöglich zu überbieten, und dieses Werk, welches ganze Gruppen von Michelangelos Erfindung enthält, wird für sein ausgezeichnetstes angesehen (1519; jetzt in der Nationalgalerie zu London). Ebenso steht seine Kreuzabnahme (1516; Petersburg, Eremitage), sein Märtyrertod der heil. Agathe (1520; Florenz, Palast Pitti), Heimsuchung Mariä (1521; Paris, Louvre) den Werken der ersten Meister zur Seite. Die Kreuztragung Christi hat er mehrfach gemalt (Madrid, Wien, Dresden). Indessen bestand P.s eigenes Verdienst doch vorzugsweise in einzelnen Figuren und Bildnissen. Sein Pietro Aretino und Papst Clemens Ⅶ. waren von großer Ähnlichkeit und vollendetem Kolorit. Im Berliner Museum befindet sich seine sog. Fornarina, wahrscheinlich das Vorbild für Raffaels Werk in den Uffizien. Von Clemens Ⅶ. ward er zum päpstl. Siegelbewahrer ernannt, worauf auch sein Beiname, del P., anspielt, indem das an die päpstl. Bullen gehängte Siegel in Blei (piombo) abgedruckt zu werden pflegte. Seitdem beschäftigte er sich mit der Dichtung und malte nur noch zuweilen auf besondere Veranlassung ein Porträt, z. B. Giulia Gonzaga für den Kardinal Hippolyt de’ Medici sowie den sterbenden Papst Paul Ⅲ. Er starb 1547 in Rom. In der von ihm gepflegten Art, in Öl auf Stein zu malen, ist in der Kirche San Pietro in Montorio zu Rom noch eine Geißelung Christi vorhanden. – Vgl. Fr. Propping, Die künstlerische Laufbahn des Seb. del P. bis zum Tode Raffaels (Dissertation, Lpz. 1892).
Pion (frz., spr. pióng), Bauer (im Schach), Stein (des Damenspiels).
Pioniere, technische Truppen, zur Ausführung der in der Feldbefestigung (s. d.) vorkommenden Arbeiten bestimmt. In Deutschland werden alle Technischen Truppen (s. d.) P. genannt; in Österreich versehen die P. den Dienst der Pontoniere. Zeitweise gab es reitende P., namentlich in Rußland.
Piophĭla, s. Käsefliege.
Piotrków, s. Petrikau.
Pioverna, kleiner Fluß in der ital. Provinz Como, entspringt in den Bergamasker Alpen auf dem Monte-Grigna und Monte-Aralalta in zwei Armen, durchströmt das Val Sassina, das Eisenwerke enthält und in dem außerdem Honigproduktion betrieben wird, und mündet bei Bellano in den Comersee, einen über 60 m hohen Wasserfall (Orrido di Bellano) bildend.
Pipa oder surinamische Wabenkröte (Pipa americana Laur., dorsigera Schneid., s. umstehende Abbildung), der einzige Vertreter der zungenlosen Froschlurche (s. Zungenlose), ist von abschreckender Häßlichkeit, gegen 20 cm lang, mit unförmlichem, plattgedrücktem Leibe von fast viereckiger Gestalt und schmutzig-graubrauner Farbe. Die vier Zehen der dünnen Vorderbeine enden mit kleinen Hautfransen, die fünf der kräftigen Hinterbeine sind durch Schwimmhaut verbunden. Die P. lebt im tropischen Südamerika und ist bemerkenswert durch ihre