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Plagale Töne – Planarien
Plagāle Töne, s. Authentisch und Kirchentöne.
Plaggen, Bülten, im nordwestl. Deutschland die mittels der Plaggen- oder Bültenhacke (Haue) in viereckigen Stücken von 5 bis 10 cm Mächtigkeit abgeschälte, mit Heidekraut, Moor- und Rasenpflanzen bewachsene Oberfläche des Sand-, Moor- und Heidebodens. Die P., die zur Vermehrung des Düngers dienen, werden als Streumaterial in den Ställen, namentlich der Schafe, verwandt oder mit Dünger, Jauche u. s. w. kompostiert. – Vgl. Salfeld, Die Kultur der Heideflächen Nordwestdeutschlands (2. Ausg., Hildesh. 1870).
Plagiāt, Plagĭum (lat.), schriftstellerischer oder künstlerischer Diebstahl; Plagiarĭus (eigentlich Menschenräuber, Seelenverkäufer), derjenige, der sich einen solchen Diebstahl zu Schulden kommen läßt, indem er die einem andern entlehnten Gedanken als die seinigen veröffentlicht. Strafrechtlich und civilrechtlich wird das P. nur verfolgt, soweit es der Sache nach Nachdruck (s. d.) ist.
Plagioklās (vom grch. plágios, schief, und kláein, spalten), der allgemeine, sich auf die schiefe Neigung der Hauptspaltungsflächen beziehende Name für die im triklinen System krystallisierenden Feldspate, die insbesondere als Gemengteile sehr vieler Gesteine eine hervorragende Rolle spielen. Es gehören dazu zunächst der kieselsäurereiche Albit (s. d.) oder Natronfeldspat sowie der kieselsäurearme Anorthit (s. d.) oder Kalkfeldspat. Zwischen dem Albit und dem Anorthit aber, die selbst untereinander isomorph sind, steht eine ganze Reihe von Natron und Kalk zusammen führenden triklinen P. (Oligoklas, Andesin, Labradorit u. s. w., s. die Einzelartikel), die man früher für feste Species hielt, bis spätere sorgfältige Untersuchungen, namentlich von Tschermak, dargethan haben, daß sie eine Mischung von Albit- und Anorthitsubstanz in ganz wechselnden Verhältnissen darstellen; je großer der Kalkgehalt, desto geringer ist die Kieselsäuremenge, je größer der Natrongehalt, desto größer die Kieselsäuremenge eines solchen Mischlingsfeldspats. So unterscheidet man als Zwischenstufen Kalknatronfeldspate, in denen der Albit, und Natronkalkfeldspate, in denen der Anorthit überwiegt. Da der reine Natronfeldspat das spec. Gewicht 2,624, der reine Kalkfeldspat dasjenige von 2,758 besitzt, so liegt das Gewicht sämtlicher zusammen krystallisierter Mischungen der beiden Substanzen zwischen jenen beiden Zahlen. Man kann also aus dem specifischen Gewicht irgend eines Zwischengliedes auf die relative Beteiligung von Albit- und von Anorthitsubstanz an demselben schließen. Je mehr der letztern, die ihrerseits durch Säuren zersetzt wird, vorhanden ist, desto leichter wird ein Mischlingsplagioklas von Säuren angegriffen. Auch hat Schuster 1879 dargethan, daß die P., wie nach allen andern Eigenschaften , so auch in optischer Hinsicht, eine analoge Reihe bilden, und daß jedem bestimmten Mischungsverhältnis der Grenzglieder ein bestimmtes optisches Verhalten (insbesondere eine genau geregelte Auslöschungsschiefe zwischen gekreuzten Nicols auf der Basis und der Längsfläche) entspricht, das demgemäß bald mehr an das des Albits, bald mehr an das des Anorthits erinnert. Chem. Zusammensetzung, optische Beschaffenheit und specifisches Gewicht der P. sind daher drei Verhältnisse, von denen jedes einzelne auf die beiden andern einen Schluß erlaubt.
Die P. sind äußerlich dem Orthoklas gegenüber durch die auf der besten (d. i. basischen) Spaltungsfläche in der Regel wahrnehmbare feinere oder gröbere Streifung oder Riefung gekennzeichnet, die die Folge einer vielfachen, nach dem Brachypinakoid erfolgenden Zwillingsverwachsung dünner Lamellen ist und die bei dem monoklinen Feldspat auf der betreffenden Spaltungsfläche gar nicht auftreten kann, weil er dieser Art von Zwillingsverwachsung überhaupt nicht fähig ist. ^[Spaltenwechsel]
Plagionīt, ein schwärzlich bleigraues Erz, das in dick tafelartigen, monoklinen Krystallen krystallisiert, aus Blei, Antimon und Schwefel besteht und zu Wolfsberg am Harz, zu Arnsberg in Westfalen und an wenigen andern Orten vorkommt.
Plagiostōmen, Quermäuler, die Unterordnungen der Rochen und Haie (s. Knorpelfische).
Plagĭum (lat.), s. Menschenraub und Plagiat.
Plagoskōp (grch.), Windfahne.
Plagwitz, Stadtteil von Leipzig (s. d.).
Plaid (engl., spr. plehd) oder Tartan, eigentlich eine Art Mantel der Bergschotten aus grobem, buntkarriertem oder gestreiftem Wollzeug; auch ein derartiges Wollzeug, das als Umschlagetuch von Herren und Damen getragen wird.
Plaidieren (frz., spr. pläd-), eine Sache vor Gericht mündlich vertreten, verteidigen; Plaideur (spr. plädöhr), Sachwalter, Verteidiger; Plaidoyer (spr. plädŏajeh), Verteidigungsrede, auch die Rede des öffentlichen Anklägers (Staatsanwalts).
Plain chant (frz., spr. pläng schang), in der Musik Bezeichnung für cantus planus, den plan (gleichmäßig) und rhythmisch frei gewordenen Gregorianischen Gesang des 12. Jahrh. und der folgenden Zeit.
Plainfield (spr. plehnfihld), Stadt im County Union im nordamerik. Staate Neujersey, südwestlich von Newark, an der Philadelphia-Readingbahn, hat (1890) 11267 E., Fabriken von Druckerpressen, Öltuch, Teppichen und Werkzeugen.
Plainpalais (frz., spr. plängpaläh), Vorstadt von Genf (s. d., Bd. 7, S. 779 b).
Plaisant (frz., spr. pläsáng), drollig, spaßhaft, lächerlich; Plaisantĕrie, Scherz, Spaß; Spott; Plaisīr, Vergnügen, Freude; Lustbarkeit.
Plaka, Hauptstadt der Insel Melos (s. d.).
Plakāt (mittellat.), s. Anschlag.
Plakātschriften, große, auffallende Typen, die man besonders für öffentliche Anschläge verwendet.
Plakieren, s. Plaquieren.
Plakoīden, s. Fische (Bd. 6, S. 828 a).
Plan (lat.), flach, eben, verständlich. P. heißen auch kartogr. Darstellungen kleiner Gebiete (Städte, Schlachtplätze u. s. w.) in größerm Maßstabe; man unterscheidet Stadtpläne, Schlachtpläne, Situationspläne u. s. w.
Plan. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 494,04 qkm und (1890) 35697 (16831 männl., 18866 weibl.) E. in 67 Gemeinden mit 95 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Königswart und P. – 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (298,22 qkm, 19424 E.), an der Schlada und der Linie Pilsen-Eger (Station P.-Tachau) der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 3311 deutsche E., Pfarrkirche mit Grabdenkmälern derer von Seeberg und Schlik, Wallfahrtskirche St. Anna, alte Burg (14. Jahrh.), ein Schloß (1737), Bürgerspital, zwei Brauereien.
Planarĭen (Dendrocoelidae), eine Unterordnung der Strudelwürmer (s. d.), von flacher, länglich ovaler bis fast runder, blattförmiger Gestalt, mit