Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

276

Porphyrio – Porson

ein Cement verbunden sind, das bald selbst aus krystallinischer Porphyrmasse, bald aus feingeriebenem Porphyrschutt besteht. (S. Breccien.) Im erstern Fall ist die P. auf dem Wege der Eruption gebildet, im letztern hat die dann auch meist wohl geschichtete Felsart sedimentären Ursprung.

Porphyrĭo, s. Sultanshühner.

Porphy̆ris, Porphyrūsa, alter Name von Kythera (s. d.).

Porphyrīt, s. Porphyr.

Porphyrogennĕtos (grch., «der im Purpur Geborene»), Beiname besonders des byzant. Kaisers Konstantin Ⅶ. (s. d.).

Porphyroīde, Gesteine, die zwar insofern den massigen eruptiven Porphyren (s. d.) gleichen, als auch bei ihnen in einer dem bloßen Auge homogen erscheinenden felsitähnlichen Masse Krystalle von Feldspat (Orthoklas oder Albit) und Quarz ausgeschieden liegen, die sich aber durch ihr Auftreten in Schichten und durch ihre schieferige Struktur von den echten Porphyren unterscheiden. Sie bilden Glieder der ältesten sedimentären Schichten, z. B. des Harzes, Thüringens, und sind mineralogisch und chemisch der Hälleflinta (s. d.) sehr nahe verwandt.

Porphyrophŏra, Schildlaus, s. Johannisblut.

Porphyrschiefer, s. Phonolith.

Porpīta, s. Schwimmpolypen.

Porpŏra, Niccolò, ital. Komponist und Singmeister, geb. 19. Aug. 1686 zu Neapel, studierte auf dem Konservatorium Sta. Maria di Loreto und begann seine Laufbahn als Komponist mit der Oper «Basilio». 1712 gründete er in Neapel jene berühmte Gesangschule, aus der viele der größten Sänger und Sängerinnen des 18. Jahrh. hervorgingen. 1719, als seine Oper «Faramondo» in Neapel glänzenden Erfolg hatte, wurde er als Maëstro (Direktor) am dortigen Konservatorium degli Poveri di Gesù Cristo angestellt. 1726 kam P. als Maëstro an das Konservatorium degli Incurabili nach Venedig, ging aber schon 1728 als Gesangs- und Kompositionslehrer der Kurfürstin und als Hofkapellmeister nach Dresden. Von da reiste er 1729 das erste Mal und 1733, nachdem er seine Stelle in Dresden aufgegeben hatte, ein zweites Mal nach London, wo er den durch Händels Widersacher ins Leben gerufenen Opernunternehmungen vorstand. Später hielt er sich bis 1746 zumeist in Venedig auf und begleitete hierauf den Gesandten dieser Republik nach Wien, wo er unter andern auch Haydn zum Schüler hatte. Gegen 1760 übernahm P. in Neapel die Stelle als Maëstro am Konservatorium Sant’ Onofrio und als Kapellmeister an der Kathedrale. Er starb im Febr. 1766 (nach andern 1767). P. schrieb über 50 Opern, mehrere Oratorien und zahlreiche andere größere und kleinere Kirchensachen, eine große Zahl von Kammerkantaten, von denen er 12 wertvolle Stücke in London drucken ließ, ferner verschiedene Sonaten für Violine und Baß, Streichtrios und Klavierstücke.

Porporīno, Glasmasse, s. Hämatinon.

Porquerolles (spr. pork’róll), eine der Hyèrischen Inseln (s. d.).

Porre, Krebsart, s. Garneelen.

Porree, Porro, Porrey, Porré, Borré, Lauch, spanischer Lauch, Eschlauch, Allium Porrum L., eine zweijährige Pflanze aus dem südl. Europa, mit mehr oder weniger derbem, cylindrischem, bis zur Mitte beblättertem Stengel und flachen gekielten Blättern. Der P. giebt im ersten Jahre ein sehr angenehmes Gemüse, vorzüglich die Zwiebel und der (soweit er in der Erde steht) weißgebleichte Stamm, im übrigen ein vortreffliches Suppengemüse. Man unterscheidet den langblätterigen oder Sommerporree (der erfriert, wenn er im Herbst nicht aus dem Boden genommen wird) und den breitblätterigen oder Winterporree, der unsere Winter gut aushält. Gute Sorten sind: franz. Sommerporree, Sommerpoitou, dicker Erfurter Winterporree, großer dicker Brabanter, monströser von Carentan und von Rouen (s. Tafel: Gemüse Ⅱ, Fig. 9). Der Same bleibt drei Jahre keimfähig. ^[Spaltenwechsel]

Porrentruy (spr. -angtrüíh), Stadt, s. Pruntrut.

Porretta, Badeort im Kreis Vergato im SW. der ital. Provinz Bologna, im Apennin, links am Reno, am Nordeingang zu dessen engem Hochthal und an der Linie Bologna-Pistoja des Adriatischen Netzes, hat (1881) 1245, als Gemeinde 3311 E. und kochsalzreiche Schwefelquellen (Bagni della P., 36° C.).

Porrey, s. Porree.

Porrīgo (lat.), älterer Name für verschiedene Hautkrankheiten, besonders der behaarten Kopfhaut; P. decalvans, der umschriebene Haarschwund (s. d.); P. favōsa, der Erbgrind (s. Favus); P. larvālis, der Milchschorf (s. d.), P. scutulāta s. tonsorĭa, die scherende Flechte oder der Ringworm. (S. Herpes.)

Porrissäure, s. Euxanthinsäure.

Porro, s. Porree.

Porron, catalonisches Hohlmaß, s. Citra.

Porrosche Operation, der Kaiserschnitt mit nachfolgender Entfernung der ganzen Gebärmutter, s. Kaiserschnitt.

Porsanger Fjord, Meerbusen des nördl. Eismeers, an der norweg. Nordküste, östlich vom Nordkap, ist 135 km lang, 11‒12 km breit.

Porsberg, s. Pillnitz.

Porsch, soviel wie Porst, s. Ledum.

Porsenna, König von Etrurien (s. d., Bd. 6, S. 394 a).

Porsgrund, Seestadt im norweg. Amt Bratsberg, zu beiden Seiten des aus dem Nordsjö kommenden Skienselv, der hier in eine Bucht des Friersfjords mündet, an der Linie Drammen-Skien der Staatsbahnen, mit (1891) 3819 E., hat bedeutenden Holz- und Eishandel, Werfte, mechan. Werkstätte, Porzellan- und Schleifsteinindustrie.

Porson (spr. pors’n), Richard, engl. Kritiker, geb. 25. Dez. 1759 zu East-Ruston in Norfolk, erhielt seine Schulbildung in Eton und ging dann nach Cambridge, wo er Professor der griech. Sprache wurde, seine Professur jedoch wieder aufgab, da er die 39 Artikel, das Symbolum der engl. Kirche, nicht unterschreiben wollte. Er wurde nachmals Bibliothekar der Royal Institution in London und starb daselbst 25. Sept. 1808. P. lieferte eine Textrecension des Äschylus (Glasg. 1794; 2 Bde., Lond. 1806) und eine treffliche Bearbeitung von vier Tragödien des Euripides, nämlich der «Hecuba» (1797), des «Orestes» (1798), der «Phönissen» (1799) und der «Medea» (1801), wovon Schäfer einen vermehrten Abdruck besorgte (3. Aufl., 4 Bde., Lpz. 1824). Auch hatte er Anteil an der auf Kosten der Brüder Grenville gedruckten Prachtausgabe des Homer (4 Bde., Oxf. 1800). Nach seinem Tode wurden aus seinen Papieren von Monk und Blomfield «Adversaria» (Cambr. 1812; wiederholt Lpz. 1814), von Dobree «Notae in Aristophanem» (Cambr. 1820), «Photii Lexicon» (2 Bde., Lond. 1822) und von Gaisford in den «Lectiones Platonicae» (Oxf. 1820) seine