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Rogenstein – Rogers (James Edwin Thorold)
300000, ein Stör, Kabeljau und andere Millionen von Eiern. Der R. hat eine große Lebens- und Widerstandskraft. Nach in Schottland angestellten Versuchen waren Eier gewisser Lachse, im Spätherbst aufbewahrt, nach 20 Wochen noch unverdorben und entwicklungsfähig. In den Festungsgräben Ostindiens erscheinen bald nach dem Eintritt des Regenwassers, was die vorher ganz ausgetrockneten Gräben wieder füllt, zahllose Brutfische, die in Eier eingeschlossen, fünf Monate und länger unter dem völlig erhärteten Schlamme zugebracht haben müssen. Ja es gehen Fischeier von Enten und andern Wasservögeln unverdaut und der Lebenskraft nicht beraubt wieder ab, wodurch die Verbreitung gewisser Fische sehr unterstützt wird. R. des Störs und des Hausens wird eingesalzen und unter dem Namen Kaviar (s. d.) in den Handel gebracht. Das Legen der Eier nennt man bei den Fischen Laichen (s. d.).
Rogenstein, s. Kalkstein.
Roger Ⅰ. (deutsch Ruotger, Rüdiger), Großgraf von Sicilien, der jüngste der Söhne Tancreds von Hauteville. Von seinem Bruder Robert Guiscard gerufen, kam er um 1058 nach Italien, wandte sich 1060 gegen Sicilien, wo nach der vorübergehenden Wiederherstellung der byzant. Oberhoheit wieder die Araber herrschten, und nahm 1061 Messina, 1072 Palermo, dann Syrakus, Girgenti (1087), Malta (1090), Enna (1091) und nannte sich als Lehnsmann seines Bruders Robert Guiscard «Graf von Sicilien und Calabrien», von welchen Staaten ihm dieser 1062 die Hälfte übertragen hatte. Nach Roberts Tod (1085) schlichtete er als Haupt der Familie den Streit seiner Söhne um Unteritalien, wobei er seine eigene Herrschaft in Calabrien erweiterte. Den Titel Großgraf von Sicilien legte er sich zum Unterschied von seinen Vasallen um 1096 bei. R. errichtete über die griech.-arab. Bevölkerung eine streng geordnete Feudalmonarchie; nur gewisse Gewerbe wurden den Arabern untersagt, dieselben aber im Heer verwendet und gegen eine kleine Abgabe bei ihrer Religion belassen. Arab. Gelehrte wurden von R. begünstigt und geehrt und die niedere arab. Gerichtsverfassung und ihre Staatswirtschaft beibehalten. Auf kirchlichem Gebiet vermehrte zwar R. die Macht Roms, erbaute Kirchen und Klöster und verdrängte allmählich die griech. Geistlichkeit zu Gunsten der römischen; aber dafür mußte ihn Urban Ⅱ. zum Legaten in Sicilien ernennen, wodurch die Besetzung der Bistümer und die oberste kirchliche Gerichtsbarkeit an ihn kam. R. starb Juli 1101 zu Mileto in Calabrien. – Vgl. Schack, Geschichte der Normannen in Sicilien (2 Bde., Stuttg. 1889).
Roger Ⅱ., Großgraf von Sicilien (seit 1101) und König von Sicilien und Neapel (1130‒54), Vereiniger aller normann. Reiche in Unteritalien und Sicilien, geb. 1097, folgte, zunächst unter Vormundschaft, seinem Vater Roger Ⅰ. in der Regierung. Er zwang seinen Vetter Wilhelm von Apulien zur Abtretung der von Robert Guiscard ererbten Hälfte von Palermo und Calabrien, und als dieser 1127 ohne Erben starb, unterwarf er dessen Gebiete und die noch unabhängigen langobard. Striche und freien normann. Grafschaften Capua und Neapel sowie die Freistädte Gaeta und Amalfi. Den Gegenpapst Anakletus Ⅱ. (s. d.), dessen Nichte Pierleoni er heiratete, brachte er dazu, ihn in Palermo 27. Dez. 1130 zum König von Sicilien und Neapel zu krönen, wurde aber dann von Innocenz Ⅱ. im Bund mit Kaiser Lothar vom Festlande verdrängt; beide belehnten 1137 Rainulf von Alifa, einen der unterital. Barone, die sich gegen R. erhoben hatten, gemeinsam mit dem Herzogtum Apulien. Kaum war Lothar zum zweitenmal abgezogen, so drang R. wieder vor, rottete das ganze Haus Rainulfs aus, besiegte Innocenz Ⅱ. und zwang ihn zur Bestätigung seines Königtums (25. Juli 1139). Robert Guiscards Pläne aufnehmend, wandte er 1147 seine Waffen gegen Byzanz, ließ Dalmatien, Epirus und ganz Griechenland verwüsten und Korfu besetzen; ebenso dehnte er die Normannenherrschaft über Nordafrika, Tunis, Tripolis und die Küste von Mogreb bis Kairvan aus (1147‒54). Im Innern blühten R.s Reiche unter einer strengen, aber einsichtigen und geordneten Regierung auf; Palermo und Amalfi wetteiferten an Handelsthätigkeit mit Venedig, Pisa und Genua, Ackerbau und Gewerbe gediehen, die Lehranstalten für Medizin in Salerno und für Rechtskunde in Amalfi und Neapel waren die berühmtesten in Europa. R. starb 26. Febr. 1154 zu Palermo. Durch Vermählung seiner Tochter Konstanze mit Heinrich Ⅵ. kamen 1189 die Hohenstaufen zur Regierung in Sicilien. – Vgl. L. Praviti, Commemorazione di Ruggero Ⅱ, fondatore della monarchia Sicula (Palermo 1877); Schack, Geschichte der Normannen in Sicilien (2 Bde., Stuttg. 1889).
Roger Ⅲ. von Sicilien, Sohn und seit 1191 Mitregent Tancreds von Lecce und erster Gemahl der Irene (s. d.) von Byzanz, starb kurz vor seinem Vater (Febr. 1194).
Roger (spr. -scheh), Gustave Hippolyte, franz. Tenorist, geb. 17. Dez. 1815 zu St. Denis bei Paris, war 1838‒48 Mitglied der Opéra Comique in Paris, dann der Großen Oper. Seit 1850 besuchte er mehrmals Deutschland und erregte auch hier, ebenso wie in Brüssel und Wien, großes Aufsehen. Seit 1868 wirkte R. als Professor der Gesangskunst am Konservatorium in Paris und starb daselbst 12. Sept. 1879. R. war in der komischen Oper unübertrefflich, besonders als George Brown. – Vgl. die selbstbiogr. Aufzeichnungen «Le carnet d’un ténor» (Par. 1880).
Rogers (spr. roddschĕrs), James Edwin Thorold, engl. Nationalökonom, geb. 1823, vollendete seine Studien in King’s College, London, und Magdalen Hall, Oxford, wurde als Geistlicher ordiniert, nahm aber nie als solcher ein Amt an und wurde 1862 auf fünf Jahre zum Professor der Nationalökonomie in Oxford erwählt. Bei der nächsten Wahl (1868) unterlag er infolge seiner ausgesprochen radikalen Anschauungen seinem Gegenkandidaten Bonamy Price, wurde aber nach dessen Tode (1888) wieder an seine Stelle berufen, nachdem er von 1880 bis 1886 zuerst Southwark, später Bermondsey im Parlament vertreten hatte. Er starb 13. Okt. 1890.
R. gehörte zu der in England jetzt fast ausgestorbenen Gruppe von Politikern, bei welchen sich extremer Radikalismus mit den Grundsätzen der Manchester-Partei vereinigte. Seine Hauptthätigkeit auf dem Gebiete der Volkswirtschaftslehre bestand indessen in geschichtlichen Forschungen, und R. und Cliffe Leslie gelten als die Begründer der engl. histor. Schule. Unter seinen Werken ist das bedeutendste: «A history of agriculture and prices from 1250 to 1793», das indessen unvollendet blieb und nur bis 1701 geht (Bd. 1 u. 2, Oxf. 1866; Bd. 3 u. 4, ebd. 1882; Bd. 5 u. 6, ebd. 1888). Populärer