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Roebuck – Rogen
Mais, Weizen und tropische Früchte erzeugenden Boden. Das Klima ist mild und gesund, nur wehen während der Regenzeit häufig heftige Stürme. Unter 470 Arten von Gefäßpflanzen der Maskarenen gehören 35 dieser Insel allein an; 173 sind Farnarten. Auf der Nordseite befindet sich ein geräumiger und sicherer Hafen, wo Ostindienfahrer Lebensmittel und Erfrischungen einnehmen.
Roebuck (spr. rohböck), John Arthur, engl. Politiker, geb. 1802 in Madras, trat 1832 ins Parlament, schloß sich den äußersten Radikalen an und war Mitbegründer von deren Organ, der «Westminster Review». 1837 erlag er bei den Wahlen einer Vereinigung von Whigs und Tories, die ihn gleichmäßig anfeindeten, konnte aber 1838 in seiner Stellung als Agent von Canada vor dem Parlament zu Wort kommen und erhielt 1841 seinen Sitz für Bath wieder. In seiner «History of the Whigministry of 1830» (2 Bde., Lond. 1852) kritisierte er die seit 20 Jahren mit geringen Unterbrechungen am Ruder stehende Whigverwaltung auf das schärfste. Während des Orientkrieges führte sein Antrag (Jan. 1855) auf Untersuchung der Mißbräuche in der Armeeverwaltung den Sturz Aberdeens und den Eintritt Palmerstons ins Amt herbei. In der Folgezeit näherte er sich in wichtigen Reformfragen den Tories und sprach sich im Italienischen Krieg von 1859 für Österreich, im amerik. Secessionskrieg für den Süden aus. 1868 verlor er noch einmal seinen Parlamentssitz, erhielt ihn aber 1874 wieder und machte sich in der Folge bemerklich durch seine nachdrückliche Unterstützung des Ministeriums Beaconsfield und seine Parteinahme für die Türkei. Am 14. Aug. 1878 wurde er zum Mitglied des Geheimen Rates erhoben. Er starb 30. Nov. 1879.
Roer (spr. ruhr) oder Ruhr, rechter Nebenfluß der Maas im preuß. Reg.-Bez. Aachen, entsteht auf dem hohen Venn, 579 m ü. d. M., am Botrange, 9 km im NNO. von Malmedy, fließt über Montjoie, Nideggen, Düren und Jülich, erreicht in 25 m Seehöhe das niederländ. Gebiet und mündet, 207 km lang, bei der Stadt Roermond (s. d.). In ihrem Oberlauf eingeengt, breitet sie sich von Kreuzau aus in einem weiten, wasserreichen, sumpfigen Thale aus und verzweigt sich vielfach. Sie ist nicht schiffbar, tritt häufig über ihre flachen Ufer und speist viele Kanäle, welche, wie sie selbst und ihre Zuflüsse (rechts die Urft mit der Olef, links die Inde und die Worm oder Wurm), zahlreiche Mühl- und Hammerwerke treiben.
Roermond (spr. ruhr-), frz. Ruremonde, Stadt der niederländ. Provinz Limburg, an der Maas und an der Mündung der Roer, 45 km im NNO. von Maastricht, an der Staatsbahnlinie Maastricht-Venlo sowie an der belg. Linie Antwerpen-Gladbach gelegen und durch eine schöne Steinbrücke mit der Vorstadt St. Jakob verbunden, ist Sitz eines Bischofs, hat (1890) 8984, als Gemeinde 11088 E., an Stelle ihrer ehemaligen Festungswerke hübsche Promenaden, kath. Münsterkirche aus dem 13. Jahrh., die St. Christoffel- oder Parochialkirche mit guten Gemälden, eine Redemptoristenkapelle; bedeutende Woll- und Baumwollfabriken und Färbereien, Papierfabrikation, Anstalten für feine Bildhauerei in Stein und Holz. R. wurde als Festung 1572 durch Wilhelm Ⅰ. von Oranien, 1632 von Friedrich Heinrich, 1637 von den Spaniern, 1702 von den Allierten, 27. Juni 1758 von dem Erbprinzen Karl Wilhelm von Braunschweig gegen die Franzosen, 1792 durch letztere und 6. März 1793 von Friedrich von Braunschweig-Öls erobert. ^[Spaltenwechsel]
Roeskilde (spr. ros-), deutsch Roschild und Rothschild, Stadt auf der dän. Insel Seeland, an dem Roeskildefjord, dem östl. Arm des Isefjords, 31 km von Kopenhagen, an der Bahnlinie Kopenhagen-Korsör, die hier nach Masnedsund und Kallundborg abzweigt, hat (1890) 6974 E. R., eine uralte Stadt, wo schon im 10. Jahrh. König Harald Blaatand residierte, war im 12. und 13. Jahrh. die erste Stadt in Dänemark, mit 20 Kirchen und Klöstern und bis 1443 die gewöhnliche Residenz. Mit dem Aufblühen Kopenhagens sank die Stadt, Pest und Feuer verwüsteten sie oftmals. Als Denkmal alter Herrlichkeit ist noch die Kathedrale oder Dreifaltigkeitskirche übrig, der schönste Dom in Dänemark, in jetziger Form erbaut im Anfang des 13. Jahrh. nach nordfranz. Vorbildern und 1868 restauriert, mit den Gräbern von mehr als 30 Königen und Königinnen, sowie vieler Adligen und Gelehrten (z. B. des Saxo Grammaticus) und mit vielen prachtvollen Monumenten. Auch besteht eine Gelehrtenschule , ein Fräuleinstift und eine Bibliothek. – In dem am 26. Febr. 1658 auf Grundlage des Tostruper Vertrags geschlossenen Roeskilder Frieden zwischen Dänemark und Schweden trat ersteres Schonen, Halland, Blekinge, Bohus, Throndhjem, Bornholm ab, Schweden versprach hingegen alle Eroberungen zurückzugeben und erhielt Befreiung vom Sundzoll.
Roeulx (spr. röhl), Stadt in der belg. Provinz Hennegau, an der Eisenbahn Houdeng-Soignies, mit Schloß der Herzöge von Croy, bedeutendem Kohlenbergbau und 2823 E.
Rofla, Rofna, s. Klamm.
Rofner Eissee, ein durch die Vorstöße des Vernagtferners (s. d.) periodisch gestauter, zur Zeit nicht bestehender See im Rofenthale in Tirol, dessen Ausbrüche zumeist gewaltige Verheerungen im ganzen Ötzthale zur Folge hatten.
Rofreit, deutscher Name der Stadt Rovereto (s. d.).
Rogasen, poln. Rogoźno, Stadt im Kreis Obornik des preuß. Reg.-Bez. Posen, am linken Ufer des Rogasener Sees und des Welnaflusses, an den Nebenlinien Posen-Schneidemühl und R.-Inowrazlaw (96,2 km) und R.-Dratzig (im Bau) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Posen), Hauptsteuer-, Katasteramtes und Warendepots der Reichsbank, hat (1890) 5035 E., darunter 1655 Evangelische und 958 Israeliten, Post mit Zweigstelle, Telegraph, kath., evang. und altluth. Kirche, Synagoge, ein Gymnasium, eine höhere Mädchenschule, Präparandenanstalt, städtische Sparkasse, zwei Spar- und Darlehnskassenvereine; Cigarren- und Pantoffelfabrik, Brauerei, Molkerei, Sägewerk und Getreidehandel.
Rogāte (lat., «bittet», daher Betsonntag), der fünfte Sonntag nach Ostern, nach seinem mit der 2. Hälfte von Joh. 16, 24 beginnenden Introitus (s. d.).
Rogatĭo, im alten Rom der Gesetzesvorschlag, welcher zur Abstimmung an das Volk, unter den Kaisern an den Senat gebracht wurde. (S. Komitien.) – Über R. im Sinne von Bittgang s. d.
Rogen oder Roogen, die Eier der Knochenfische und Störe. Danach heißen Rogner die Weibchen, die von den kleinen, runden und weichen Eiern oft erstaunliche Mengen in ihren Eierstöcken tragen. So hat ein Hering 30‒40000, ein Karpfen an