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Rokade – Roland
Bühne. Gute deutsche Übersetzungen einiger der besten von R.s Dramen finden sich in Dohrns «Span. Dramen», Bd. 3 u. 4 (Berl. 1844).
Rokāde, s. Frontwechsel und Schachspiel.
Rokambolle, s. Rocambole.
Rokipaß, einer der Hauptpässe des Kaukasus, führt von den Quellen des Ardon (Zufluß des Terek) zum Quellengebiet der Ljachwa (Zufluß der Kura), 2500 m hoch. Durch ihn soll die projektierte Eisenbahn über den Kaukasus führen.
Rokitansky, Karl, Freiherr von, der Begründer der deutschen pathol.-anatom.-ärztlichen Schule, geb. 19. Febr. 1804 zu Königgrätz in Böhmen, studierte zu Prag und Wien, wurde 1828 Assistent an der Pathologisch-Anatomischen Anstalt zu Wien, hierauf 1834 außerord. und 1844 ord. Professor der pathol. Anatomie. Seit 1834 verwaltete R. auch die mit jener Professur verbundenen Stellungen des Prosektors des großen Wiener Krankenhauses und des gerichtlichen Anatomen für sämtliche in Wien der amtlichen Leichenöffnung zu unterwerfenden Fälle von zweifelhaften Todesarten. Das unermeßliche Material, das R. auf diese Weise zu Gebote stand, verwertete er in seinem berühmten «Handbuch der pathol. Anatomie» (3 Bde., Wien 1842‒46), das auf Veranstaltung der Sydenham-Gesellschaft ins Englische (Lond. 1845‒50) übertragen und 1855‒61 in dritter Auflage ganz neu bearbeitet worden ist. Wie seine kleinern Arbeiten und seine zahlreich besuchten Vorträge und praktischen Kurse, so zeichnet sich auch jenes Hauptwerk durch eine nüchterne, streng gegenständliche Beobachtung und exakte, klar und scharf nach einer zum Teil selbst geschaffenen Terminologie beschreibende Darstellung aus. Auf dem von ihm gelegten Grunde wurde teils durch seine Freunde Skoda, Schuh u. a., teils durch seine und der letztern Schüler Engel, Jaksch, Hebra, Oppolzer, Hamernjk, Dittrich u. s. w. das Gebäude der neuern deutschen Diagnostik, der physiol. Pathologie und Therapie aufgerichtet und der Ruf der Wiener oder Wien-Prager Schule gegründet. R. trat 16. Juli 1875 in den Ruhestand, veröffentlichte noch «Die Defekte der Scheidewände des Herzens» (Wien 1875) und starb 23. Juli 1878 in Wien. – Vgl. Rokitansky (Wien 1874).
Rokitnosümpfe (benannt nach dem Ort Rokitno, südöstlich von der Stadt Tomaschgorod in Volhynien), gewöhnlich soviel wie Poljessje (s. d.), eigentlich aber nur der Teil desselben, der zwischen den Flüssen Goryn und Ubort liegt.
Rokitzan, czech. Rokycany, königl. Freie Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Pilsen in Böhmen und am Schwarzbach, an den Linien Furth i. W.-Prag der Böhm. Westbahn und R.-Nezvěstitz (27 km) der Böhm. Kommerzialbahnen, Sitz eines Bezirksgerichts (317,47 qkm, 36525 meist czech. E.), hat (1890) als Gemeinde 5010 czech. E., Post, Telegraph, in Garnison das 22. Divisionsartillerieregiment (ohne die 4. Batterie), Dekanalkirche, Bürgerschulen, landwirtschaftliche Winter-, Musikschule, Stadtbibliothek, Spar- und Vorschußkassen; Emailgeschirr- und Lederfabrikation, Brauereien, Mühlen, Gerbereien, Wollspinnerei, Ziegeleien, Sägewerk, Ackerbau, in der Umgebung Eisen- und Kohlenbergwerke, Walzwerke, Glashütten und chem. Fabriken.
Rokŏko (frz., vielleicht von roc, Felsen, oder rocaille, Grotten- und Muschelwerk), der im 18. Jahrh. besonders in Frankreich (1715‒50) und Deutschland (bis Ende des 18. Jahrh.) herrschende Kunststil, eine Fortbildung des Barock (s. d.). Die Franzosen bezeichnen den in ihrem Lande von der Mitte des 17. bis Ende des 18. Jahrh. geltenden Stil einfach nach den Herrschern: Louis-quatorze, Louis-quinze, Louis-seize (s. Französische Kunst, Bd. 7, S. 151 b fg.); das Wort R. taucht gleichwohl zuerst in franz. Emigrantenkreisen auf und findet sich im «Dictionnaire de l’Académie française» zuerst im Nachtrag vom J. 1842, wo es als Ausdruck für den Ornamentstil unter Ludwig ⅩⅤ. und der ersten Regierungszeit Ludwigs ⅩⅥ. gebraucht wird. Im allgemeinen braucht man jetzt den Ausdruck R. für alles, was in Kunst, Litteratur, Tracht und Benehmen verschnörkelt und altmodisch ist. Das R. ist vorzugsweise Ornamentstil und fand Anwendung zur Verzierung von Architekturen, Innenräumen, Möbeln, Geräten, Geschmeide u. dgl.; einen wirklichen Rokokostil in der Baukunst giebt es nicht, die Bauten damaliger Zeit sind vielmehr im Äußern klassisch streng, oft nüchtern. In der Hauptsache werden während der Rokokoperiode vornehme Wohnhäuser meist in Hufeisenform, mit Betonung des Mittelbaues gebaut. Ihr Hauptwert besteht in der wohlbedachten Einteilung der Räume, deren bequemer Verbindung und dem Innenschmuck. Das Kennzeichen des letztern ist die Auflösung aller festen, kräftigen Formen in leichte, zierlich gewundene Linien, das Rahmenwerk wird zum Organismus und ersetzt alle andern Formen der Baukunst (Säulen, Architrave u. s. w.); der Rahmen umschließt die Füllung pflanzenhaft, umrankt sie gleichsam wie ein organisch Belebtes, löst sich in lauter flüssige, vegetabilische, der festen Rhythmik widerstreitende Elemente auf, die Lust und Üppigkeit der sich vollständig frei und selbständig aufspielenden Verzierung überwuchert alle struktiven Forderungen. Die architektonische Symmetrie wird zur Symmetriestellung zweier in sich symmetrieloser, aber rhythmisch entwickelter Gegenstücke. Der Rhythmus, ein vollwichtiger Ersatz der Symmetrie, erhebt das R. überhaupt zum Stil. Fernere Kennzeichen des R. sind das Geschnörkelte, Muschelartige, das Knittrige an Stelle des Gebauschten, die ausschließliche Verwendung lichter, rosiger Farben. Die wichtigsten Ornamentzeichner des R. sind Robert de Cotte, Juste Aurèle Meissonier, Gilles Marie Oppenort, Babel, Leroux und François Cuvilliés. Die berühmtesten Goldschmiede sind neben Nicolas Delaunay, Claude Ballini dem Jüngern namentlich Thomas Germain und ganz besonders Jacques Roettiers. Die Hauptmaler sind Antoine Watteau, Quentin de Latour, Liotard, Lancret, Pater und Boucher. – Eine Schöpfung des Rokokostils ist das europ. (besonders Meißner und Sèvres-) Porzellan. Die Schabkunst und die Pastellmalerei entsprechen seinem Wesen besonders gut. In unserer Zeit ist der Rokokostil sowohl in Frankreich wie in Deutschland (besonders von König Ludwig Ⅱ. von Bayern in seinen Prachtschlössern Herrenchiemsee und Linderhof) wieder belebt worden. Paris und München sind die Hauptsitze des modernen R. (S. die Kunst der einzelnen Länder.) – Vgl. außer der bei Barock, Möbel, Ornament u. s. w. angeführten Litteratur: Lambert und Stahl, Barock- und Rokokoarchitektur der Gegenwart in farbiger Darstellung (60 Tafeln, Stuttg. 1892 fg.); P. Jessen, Das Ornament des R. und seine Vorstufen (mit 120 Tafeln, Lpz. 1894).
Roland, Paladin Karls d. Gr., der gefeiertste Held der Karlssage. Von seiner histor. Existenz