Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Roepell; Roos; Roosbeen; Roosebeke; Roothan; Root’s blower; Rootscher Kessel; Roper; Ropp; Roquebrune; Roquefort; Roquelaure; Roqueplan

986

Roos (Johannes Christian) – Roqueplan

lernte; er reiste dann in Italien, ließ sich 1657 in Frankfurt a. M. nieder, wurde 1673 Hofmaler des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und starb 3. Okt. 1685. Er malte auch Bildnisse, am liebsten aber Landschaften in der Art N. Berghems und K. Dujardins, Campagnabilder mit Hirten und Herden. Er ist trockner und kälter als jene. Seine Radierungen (etwa 40) sind frisch und leicht ausgeführt. Bilder von ihm sind in vielen Galerien, besonders in München, Schleißheim, Karlsruhe.

Sein Bruder, Theodor R., geb. 1638 zu Wesel, gest. 1698, lernte ebenfalls in Amsterdam und erhielt, nachdem er an den Hof zu Cassel berufen worden war, fast von allen Höfen Deutschlands Aufträge. Er radierte unter anderm eine Folge von sechs kleinen Viehstücken.

Von Joh. Heinrichs vier Söhnen zeichnete sich als Maler aus Philipp Peter R., geb. 1651 zu Frankfurt, der, weil er in Tivoli lebte, auch Rosa di Tivoli genannt wurde. Er starb dort 1705 in großem Elend. Er malte meist große Landschaften mit Tierherden, in breiter, oft derber Behandlung, die, zumal da sie nachgedunkelt sind, unangenehm wirken. Acht Bilder von ihm sind in Dresden.

Johann Melchior R., geb. 1659, zeichnete und malte in seines Vaters Art, verwandte aber auch wilde Tiere. Seine Bilder sind hart und kalt. Er starb 1731 in Frankfurt.

Job. Heinrichs Enkel, Joseph R., nachmals Galeriedirektor zu Wien, geb. 1728, gest. 1805, malte, zeichnete und radierte in der Manier seines Großvaters.

Roos, Johannes Christian, Erzbischof zu Freiburg, geb. 28. April 1828 zu Camp am Rhein, studierte in München und Bonn, wurde 1856 Pfarrverwalter in Hochheim. 1860 berief ihn der Bischof von Limburg zu seinem Sekretär, 1862 zum Domvikar und 1864 zum Professor der Moral und Pastoraltheologie am Priesterseminar. Nachdem er 1867 zum Regens befördert worden war, ernannte ihn 1869 das Domkapitel zum Domherrn und Stadtpfarrer in Limburg, kurze Zeit hernach die Regierung zum Schulinspektor. Am 19. Febr. 1885 wählte ihn das Limburger Domkapitel zum Nachfolger des Bischofs Blum und 2. Juni 1886 erfolgte seine Wahl zum Erzbischof von Freiburg; als solcher wurde er 21. Sept. durch den Bischof Haffner von Mainz inthronisiert.

Roosbeen, Krankheit, s. Elephantiasis.

Roosebeke, Ortschaft in Belgien, an der Schelde, südlich von Gent, bekannt durch die Schlacht 27. Nov. 1382, wo die flandr. Städte, besonders die Genter, unter Philipp von Artevelde (s. d.) von Karl Ⅵ. von Frankreich und seinem Ritterheer unter Führung des Connétable Clisson vollständig geschlagen wurden. Philipp und 20000 seiner Leute blieben auf dem Schlachtfelde.

Roothan, auch Rothaan, eigentlich Rotenhaan, Joh. Phil., Jesuitengeneral, geb. 23. Nov. 1785 in Amsterdam, Enkel eines konvertierten Reformierten, ging 1804 nach Rußland, trat dort 1806 in den Jesuitenorden und wurde 1812 zum Priester geweiht. Als 1820 die Jesuiten aus Rußland ausgewiesen wurden, ging er zunächst nach Brieg in der Schweiz, wurde 1823 Rektor des Kollegiums zu Turin und 9. Juli 1829 zum General des Ordens gewählt. Als solcher starb er 8. Mai 1853 zu Rom. Er gab die «Exercitia spiritualia» des Ignatius von Loyola (s. d.) neu heraus (Rom 1835). ^[Spaltenwechsel]

Root’s blower (engl., spr. ruts blōĕr), s. Gebläse (Bd. 7, S. 623).

Rootscher Kessel (spr. rut-), ein Dampfkessel (s. d., Bd. 4, S. 726 a).

Roepell, Richard, Historiker, geb. 4. Nov. 1808 zu Danzig, studierte in Halle und Berlin, habilitierte sich 1834 in Halle für Geschichte, wurde 1841 zum außerord. Professor in Breslau, 1854 zum ord. Professor ernannt. Er war 1850 Mitglied des Erfurter Parlaments, 1861‒63 und 1868‒77 des preuß. Abgeordnetenhauses, 1867 des konstituierenden Reichstags, wo er sich der nationalliberalen Partei anschloß, und seit 1877 Vertreter der Universität Breslau im Herrenhause. R. starb 4. Nov. 1893 in Breslau. Er schrieb: «Die Grafen von Habsburg. Untersuchung über Genealogie und Besitzungen bis zur Thronbesteigung Rudolfs 1273» (Halle 1832), «Geschichte Polens» (Bd. 1, Hamb. 1840), «Die orient. Frage in ihrer geschichtlichen Entwicklung 1774‒1830» (Bresl. 1854), «Polen um die Mitte des 18. Jahrh.» (Gotha 1876), «Das Interregnum. Wahl und Krönung von Stanislaw August von Poniatowski» (Pos. 1892).

Roper, Fluß in Nordaustralien, mündet nach östl. Lauf und nach Aufnahme mehrerer Nebenflüsse in die Südwestecke des Carpentaria-Golfs. Von großer Breite im Unterlauf, reich an Fischen und von fruchtbarem Weide- und Waldland umgeben, verspricht er für die Zukunft der Gegend von großer Bedeutung zu werden.

Ropp, Goswin, Freiherr von der, Historiker, geb. 5. Juni 1850 zu Goldingen in Kurland, studierte in Berlin, Göttingen und Wien, durchforschte dann mehrere Jahre die hauptsächlichsten Archive der ehemaligen Hansestädte und habilitierte sich 1875 in Leipzig. 1878 zum außerord. Professor ernannt, folgte er 1879 einem Rufe als ord. Professor der Geschichte an das Polytechnikum zu Dresden, ging 1882 in gleicher Eigenschaft nach Gießen, 1890 nach Breslau und 1891 nach Marburg. R. veröffentlichte: «Erzbischof Werner von Mainz» (Gött. 1872), «König Erich der Pommer» (Lpz. 1875), «Zur deutsch-skandinav. Geschichte des 15. Jahrh.» (ebd. 1876), «Hanserecesse von 1431 bis 1476» (7 Bde., ebd. 1876‒93), «Deutsche Kolonien in Deutschland im 12. und 13. Jahrh.» (Gieß. 1886).

Roquebrune (spr. rock’brühn), franz. Name von Roccabruna (s. Mentone).

Roquefort (spr. rock’fohr), Dorf im Arrondissement St. Affrique des franz. Depart. Aveyron in Guyenne, am Pic Combalou und am Soulzon (linken Zufluß des Tarn), bei der Station Tournemire der Südbahnlinie Rodez-Béziers, hat (1891) 971 E. und ist seit Jahrhunderten berühmt durch seine Käse (s. d., Bd. 10, S. 212 a) aus der Milch von Schafen, die auf den Causses (s. d.) weiden.

Roquelaure (Roquelor, Rockelor), vorn bis unten zugeknöpfter Reiserock, Regenmantel, benannt nach dem Herzog von R. unter Ludwig ⅩⅣ.

Roqueplan (spr. rock’pláng), Louis Victor Nestor, franz. Schriftsteller, geb. 1804 zu Mallemort (Bouches-du-Rhône), arbeitete nach der Restauration für den «Figaro» und andere Blätter und wurde dann Chefredacteur der genannten Zeitung. Später leitete er mehrere Pariser Theater, die Variétés (seit 1840), die Oper (seit 1847), die Komische Oper (seit 1857), das Châtelet (seit 1859). Von ihm sind zu erwähnen «Nouvelles à la main» (anonym erschienen) und zwei Schriften voll Laune und Phantasie: