1020
Roethe – Rothenfels
zu den Abendandachten über die Pastoralbriefe und andere Pastoraltexte» (hg. von Palmié, 2 Bde., Wittenb. 1876‒77; 2. Aufl., Brem. 1880), «Der erste Brief Johannis praktisch erklärt» (hg. von Mühlhäusser, Wittenb. 1878), «Gesammelte Vorträge und Abhandlungen aus seinen letzten Lebensjahren» (hg. von Nippold, Elberf. 1886). – Vgl. Nippold, Richard R. Ein christl. Lebensbild (2 Bde., 2. Ausg., Wittenb. 1877).
Roethe, Gustav, Germanist, geb. 5. Mai 1859 in Graudenz, studierte in Göttingen, Leipzig und Berlin, wurde 1886 Privatdocent, 1888 außerord., 1890 ord. Professor der deutschen Philologie in Göttingen. Seine Ausgabe der «Gedichte Reinmars von Zweter» (Lpz. 1887) sucht die Grundlagen zu einer Geschichte der mittelhochdeutschen Spruchdichtung zu schaffen. Er veröffentlichte außerdem eine Ausgabe von Seb. Helbers «Syllabierbüchlein» (Freib.i. Br. 1882), die Festrede «Die deutschen Kaiser und die deutsche Litteratur» (Gött. 1893) und ist an der Weimar. Goetheausgabe beteiligt. Mit Edw. Schröder giebt er seit 1891 die «Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Litteratur» heraus und setzt die von Scherer begonnene Neuausgabe von Jak. Grimms «Deutscher Grammatik» fort (Bd. 3, Gütersloh 1890; Bd. 4, Tl. 1, ebd. 1895).
Rothenburg. 1) R. in der Oberlausitz, Kreis im preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, hat 1125,14 qkm und (1890) 51718 (24572 männl., 27146 weibl.) E., 2 Städte, 129 Landgemeinden und 107 Gutsbezirke. – 2) R. in der Oberlausitz, Kreisstadt im Kreis R., links unweit der Lausitzer Neisse, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Görlitz), hat (1890) 1236 E., darunter 47 Katholiken, Post, Telegraph, ein Rittergut mit Schloß; Thonwarenfabrikation, Baumschule und Ananaszucht. – 3) R. an der Oder, Stadt im Kreis Grünberg des preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, 4 km links von der Oder, an den Linien Cottbus-Guben-Bentschen und Breslau-Stettin der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 617 meist evang. E., Post, Telegraph, schöne Eichenwaldungen; Tuchfabrikation und Wollwäscherei. – 4) R. an der Saale, Dorf im Saalkreis des preuß. Reg.-Bez. Merseburg, rechts an der Saale, in tief eingeschnittenem Felsenthal, hat (1890) 1236 E., Postagentur, Telegraph, Schiffahrt, eine königl. Domäne (110 E.) mit Spiritusbrennerei; Kupferhammer, Walzwerk und Messingwerk der Mansfelder Gewerkschaft, Maschinenfabrik und Eisengießerei «Prinz Karlshütt» (Apparate für Brennereien und Zuckerfabriken), Schiffbau, Seilerei, Ziegelei und Rotsandsteinbrüche. – 5) Ruine bei Kelbra (s. d.).
Rothenburg ob (an) der Tauber, Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken, hat 451,31 qkm und (1890) 20324 (9812 männl., 10512 weibl.) E., 61 Gemeinden mit 221 Ortschaften. – R. ob (an) der Tauber, unmittelbare Stadt und Bezirksstadt im Bezirksamt R., 3 km von der württemb. Grenze, in 425 m Höhe auf den Taubergehängen, die steil zur Tauber abfallen, an der Nebenlinie R.-Steinach (11,1 km) der Bayr. Staatsbahnen, Sitz des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Ansbach) und Rentamtes, hat (1890) 7001 E., darunter 447 Katholiken und 99 Israeliten, Post, Telegraph, Bezirksgremium, alte Stadtmauer mit zahlreichen Türmen und Festungswerken, Doppelbrücke (1330) über die Tauber, sieben Kirchen, meist in got. Stil, kleine rotgedeckte Giebelhäuser, St. Georgsbrunnen (1806), ein stattliches Rathaus, der ältere Teil im frühgot. Stil mit Turm (70 m) und Kaisersaal, der neuere Teil im Renaissancestil (1572‒78) mit Rusticakolonnade, Treppenturm und zierlichem Erker, zahlreiche alte sehenswerte Privathäuser, ferner ein Progymnasium, eine Real-, Präparanden-, höhere Mädchenschule, Musikschule, Stadtbibliothek, Waisenhaus, Wasserleitungen und Kanalisation. Unter den Kirchen zeichnet sich aus die St. Jakobskirche, 1373‒1456 erbaut und 1855‒56 von Heideloff restauriert, die St. Wolfgangs- oder Schäferskirche, 1472 begonnen, und die Franziskanerkirche mit Grabdenkmälern alter Ritter- und Patriciergeschlechter. (Vgl. Tafel: Altäre Ⅱ, Fig. 2.) Die ältere, im 14. Jahrh. von einem Mönch angelegte Wasserkunst führt durch ein Druckwerk das Wasser aus der Tauber auf den Berg nach dem 30 m hohen Klingenthorturm. Die Wasserleitungen bestehen seit 1867 und 1893. R. hat ein Wildbad mit Schwefelquelle, die 1356 bei einem Erdbeben entstand. Es bestehen Fabriken für Kinderwagen, landwirtschaftliche Maschinen, Essig und Mineralwasser, Brauereien, Dampfziegelei, Jahr-, Rindvieh- und Schafmärkte. ^[Spaltenwechsel]
R., einer der ältesten Orte in Franken, erscheint schon 942 als Stadt und früher noch als Sitz der Grafen von R. Nach dem Aussterben der Grafen (1108), schenkte Kaiser Heinrich Ⅴ. die Stadt seinem Neffen Konrad Ⅲ. von Schwaben (Hohenstaufen), dessen Sohn Friedrich sich Herzog von R. nannte. 1172 wurde R. zur Freien Reichsstadt erhoben; die höchste Blüte erreichte sie unter dem Bürgermeister Topler (1380‒1408). 1377 fand hier ein Reichstag statt. 1474 wurde hier Christian Ⅰ. von Dänemark durch Kaiser Friedrich Ⅲ. mit Holstein und Dithmarschen belehnt. 1525 stand R. an der Spitze des Bauernaufruhrs, 1543 wurde die Reformation eingeführt, 1631 die Stadt durch Tilly belagert, 1645 durch Turenne gestürmt und gebrandschatzt. 1802 erfolgte die Einverleibung in Bayern und 1810 die Abtretung eines Teils des ehemaligen Gebietes an Württemberg. Ein auf die Belagerung durch Tilly bezügliches Festspiel, «Der Meistertrunk», wird alljährlich am Pfingstmontag aufgeführt. – Vgl. Bensen, Beschreibung und Geschichte der Stadt R. (Erlangen 1856); Merz, R. in alter und neuer Zeit (2. Aufl., Ansb. 1881); Klein, R. ob der Tauber (Rothenb. 1881).
Rothenfelde, Dorf im Kreis Iburg des preuß. Reg.-Bez. Osnabrück, zwischen Ausläufern des Teutoburger Waldes, an der Nebenlinie Brackwede-Osnabrück (Station Dissen-R.) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) etwa 700 E., Post, Telegraph, Solquelle, zwei Gradierwerke, Saline, evang. und kath. Kinderheilanstalt (1894: 2500 Kurgäste); Soda-, Margarine- und Blechwarenfabrikation. – Vgl. Kanzler, Solbad R. bei Osnabrück (2. Aufl., Dortmund 1890); Isermeyer, Die Kinderheilanstalt im Solbad R. in den J. 1883 und 1884 (in der «Deutschen mediz. Wochenschrift», 1885, Nr. 32).
Rothenfels. 1) R. in Bayern, Stadt im Bezirksamt Lohr des bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, rechts am Main, am Ostfuße des Spessart und an der Linie Lohr-Wertheim der Bayr. Staatsbahnen, hat (1890) 601 meist kath. E., Post, Telegraph,