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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schönbart; Schönbein; Schönberg; Schönberg von Brenkenhof; Schönblindheit; Schönborn

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Schönbart – Schönborn (Franz, Graf)

1878‒82; «Altdeutsche Predigten», 3 Bde., Graz 1886‒91). Ferner erschienen: «Walther von der Vogelweide» (2. Aufl., Berl. 1895), eine für weitere Kreise bestimmte Biographie, und Untersuchungen «Über Hartmann von Aue» (Graz 1894). Großen Anklang fand sein Buch «Über Lesen und Bildung» (4. Aufl., Graz 1894). Eine Frucht seiner Beschäftigung mit amerik. Litteratur sind seine «Beiträge zur Charakteristik Hawthornes» (Heilbr. 1881).

Schönbart, Gesichtsmaske mit Bart, entstellt aus dem ältern schembart, vom althochdeutschen scema, mittelhochdeutsch schem, Larve. Im 15. Jahrh. und später war in süddeutschen Städten, namentlich in Nürnberg, sehr beliebt das Schönbartlaufen, große Maskenaufzüge, die sich in Tirol bis ins 19. Jahrh. erhalten haben. Auch Schönbartspiele, d. h. Fastnachtspiele, die von Masken aufgeführt wurden, findet man öfter erwähnt; noch Goethe bedient sich des Ausdrucks.

Schönbein, Christian Friedr., Chemiker, geb. 18. Okt. 1799 zu Metzingen bei Reutlingen in Württemberg, studierte in Tübingen und Erlangen Naturwissenschaften und erteilte 1824‒25 chem.-physik. Unterricht zu Keilhau bei Rudolstadt. 1826 ging er nach Epsom, wo er an einem Institut Chemieunterricht gab, hielt sich hierauf in London und Paris auf und erhielt 1828 einen Ruf an die Universität Basel. Er starb 29. Aug. 1868 zu Baden-Baden. S. verdankt die Chemie mehrere bedeutende Entdeckungen. Seine erste Arbeit, über die Passivität des Eisens, führte zu einer Reihe physik. und elektrochem. Untersuchungen. S. entdeckte 1839 das Ozon und im März 1844 die Thatsache, daß auch der Phosphor das Vermögen besitzt, den mit ihm in Berührung gesetzten Sauerstoff in den ozonisierten Zustand überzuführen. Seine Untersuchungen über die chem. Beziehungen dieses Körpers führten ihn 1845 zur Entdeckung der Schießbaumwolle. Noch gegen Ende 1845 stellte S. das Kollodium dar, das er alsbald zur chirurg. Anwendung empfahl. S. schrieb: «Das Verhalten des Eisens zum Sauerstoff» (Bas. 1837), «Beiträge zur physik. Chemie» (ebd. 1844), «über die Erzeugung des Ozons» (ebd. 1844), «Über die langsame und rasche Verbrennung der Körper in atmosphärischer Luft» (ebd. 1815). – Vgl. Hagenbach, Christian Friedrich S. (Bas. 1868).

Schönberg. 1) Bezirkshauptmannschaft in Mähren, hat 806,55 qkm und (1890) 77672 (36984 männl., 40688 weibl.) meist deutsche E. in 73 Gemeinden mit 115 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Mährisch-Altstadt, S. und Wiesenberg. - 2) S., auch Mährisch-Schönberg, czech. Šumperk, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (303,87 qkm, 46564 meist deutsche E.), am Teßfluß, der zur obern March geht, in einem schönen Thale, an der Südseite des mährisch-schles. Gesenkes, an den Linien Sternberg-Hannsdorf-Ziegenhals und Zöptau-Hohenstadt der Mähr. Grenzbahn, hat (1890) 10493 deutsche E., in Garnison ein Bataillon des 93. Infanterieregiments «Freiherr von Joelson», schöne Pfarrkirche, Dominikanerkirche, Obergymnasium, Webschule, Ackerbau- und Flachsbereitungsschule, Krankenhaus; bedeutende Leinenindustrie, Seiden-, Baumwollwarenfabrikation, Brauerei und Flachsbau.

Schönberg. 1) S. in Mecklenburg, Hauptstadt des Fürstentums Ratzeburg (s. d.), links an der schiffbaren Maurine, an der Linie Lübeck-Strasburg der Mecklenb. Friedrich-Franz-Bahn, Sitz der Behörden des Fürstentums und eines Amtsgerichts (Landgericht Neustrelitz), hat (1890) 2846 E., Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Realschule und höhere Mädchenschule. S. war ehemals Residenz des Bischofs von Ratzeburg. – 2) S. in der Oberlausitz, Stadt im Kreis Lauban des preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, am Rotwasser, hat (1890) 1348 E., darunter 75 Katholiken, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche; Fabrikation von Kartonnagen, Cigarren, Schuhwaren und Pappschachteln. Nahebei Rittergut und Schloß S. mit 92 E. – 3) S. in Holstein, Dorf im Kreis Plön des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, Hauptort der Propstei (s. d.), 4 km von der Kieler Föhrde, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Kiel) und Strandamtes, hat (1890) 1398 E., Post, Telegraph, landwirtschaftliche Winterschule, Propsteier und Gemeinde-Sparkasse und eine Verkaufsgenossenschaft für Propsteier Saatgetreide. An der Küste liegt Neu-Schönberg und Schönberger Strand mit 102 E. und Seebad. – 4) S. in Westpreußen, Dorf im Kreis Karthaus des preuß. Reg.-Bez. Danzig, hat (1890) 420 E., Postagentur, Fernsprechverbindung und evang. Kirche. Östlich die Schönberger Berge mit dem Turmberg (331 m), dem höchsten Punkte des uralisch-balt. Landrückens. ^[Spaltenwechsel]

Schönberg, Gustav Friedr. von, Nationalökonom, geb. 21. Juli 1839 zu Stettin, studierte in Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften, war 1860‒65 an den Gerichtshöfen in Stettin thätig, wurde 1865 Gerichtsassessor und gleich darauf Mitglied des von Engel in Berlin geleiteten statist. Seminars. 1867 erhielt er den Lehrstuhl der Nationalökonomie an der landwirtschaftlichen Akademie Proskau; 1868 wurde er als ord. Professor der Nationalökonomie nach Basel, 1870 nach Freiburg i. Br., 1872 nach Tübingen berufen. Als selbständig erschienene Schriften sind von ihm zu nennen: «Zur wirtschaftlichen Bedeutung des Zunftwesens im Mittelalter» (Berl. 1868), «Die Landwirtschaft der Gegenwart und das Genossenschaftsprincip» (ebd. 1869), «Die Volkswirtschaft der Gegenwart im Leben und in der Wissenschaft» (Bas. 1869), «Arbeitsämter» (Berl. 1871), «Die Frauenfrage» (Bas. 1872), «Die Volkswirtschaftslehre» (Berl. 1873), «Die deutsche Freihandelsschule und die Partei der Eisenacher Versammlung» (Tüb. 1873), «Die sittlich-religiöse Bedeutung der socialen Frage» (2. Aufl., Stuttg. 1876), «Zur Handwerkerfrage» (Heidelb. 1876), «Finanzverhältnisse der Stadt Basel im 14. und 15. Jahrh.» (Tüb. 1879), «Die Socialpolitik des Deutschen Reichs» (ebd. 1886), «Volkswirtschaftliche Abhandlungen» (ebd. 1891). In Verbindung mit andern Gelehrten gab er ein aus Monographien zusammengesetztes «Handbuch der polit. Ökonomie» (3. Aufl., 3 Bde., Tüb. 1890‒91) heraus.

Schönberg von Brenkenhof, s. Brenkenhof.

Schönblindheit, s. Star.

Schönborn, Franz, Graf, Kardinal, Fürst-Erzbischof von Prag, Primas von Böhmen, Bruder des folgenden, geb. 24. Jan. 1844 zu Prag, studierte daselbst Staats- und Rechtswissenschaften, machte 1866 als Offizier den Krieg gegen Preußen mit, setzte dann seine Studien fort, widmete sich aber bald darauf der Theologie in Innsbruck und Rom. 1873 wurde er zum Priester geweiht und begab sich im folgenden Jahre wieder nach Rom, um dort weitern theol. Studien obzuliegen. Er war dann mehrere Jahre Kaplan in Plan, dann