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Dampfbagger – Dampf-Bodenkultur
läßt man dergleichen aus einem Trichter oder besondern, einer Theemaschine ähnlichen Apparaten, die mit kochendem Wasser oder Thee von Flieder, Kamille u. s. w. gefüllt sind, in die Mund- oder Nasenhöhle einziehen, in den Gehörgang einströmen, oder, in brennendheißer Temperatur, als Dampfdouche auf schmerzende Teile streichen, oder aus besondern Sitzbädern nach Gesäß und Geschlechtsteilen emporsteigen. Die alten Schwitzbäder sind dampferfüllte Kästen, welche den ganzen Körper, mit Ausnahme des Kopfes, aufnehmen und am Hals dicht anschließen (Kastendampfbäder). Ähnlicher Art sind die Bettdampfbäder, bei welchen der Patient, horizontal liegend, bis an den Hals im Dampfe steckt, sowie die Zimmer-Dampfbadapparate oder Dampfkästen, unter andern von E. Lipowsky in Heidelberg verfertigt; bei ihnen steht außerhalb des Kastens, der den Körper des Kranken mit Ausschluß des Kopfes aufnimmt, der mit Spiritus geheizte Dampferzeugungskessel mit den nötigen Zuleitungsröhren. – In mehrern Solbädern (z. B. zu Achselmannstein, Arnstadt, Ischl, Kösen) finden sich Vorrichtungen zu Soldampfbädern, wo entweder der beim Versieden des Salzes entweichende Dampf oberhalb der Sudpfannen benutzt wird, oder der Soldunst durch Einleitung von gewöhnlichem Wasserdunst erwärmt wird. In einigen mitteleurop. Thermen (z. B. in Baden bei Wien, Baden im Aargau, Aachen) werden die heißen Dämpfe der Duelle als D. benutzt. Schließlich giebt es namentlich in Italien natürliche Dampf- und Schwitzbäder (die «Stufe» in Ischia), wo die aus der Erde entweichenden Wasserdämpfe und vulkanischen Gasströme kurgemäß gebraucht werden; vor allem machte großes Aufsehen die Grotte von Monsummano (s. d.).
In der chemischen Technologie heißt D. jede Vorrichtung, bei der die Erwärmung eines Gegenstandes dadurch erfolgt, daß man ihn von dem durch Sieden einer Flüssigkeit erzeugten Dampfe derselben umspülen läßt. Meist bedient man sich dazu des Wasserdampfes. Das D. wird überall da verwendet, wo es sich darum handelt, die Temperatur des zu erhitzenden Gegenstandes nicht über eine gewisse Höhe, nämlich den Siedepunkt der den Dampf liefernden Flüssigkeit, ansteigen zu lassen. Die einfachste Form des D. ist ein meist metallenes, mit Wasser teilweise gefülltes, direkt über freiem Feuer erhitztes Siedegefäß, dessen obere Öffnung mit dem zu erhitzenden Gegenstande – einer Abdampfschale, einem Kolben u. a. m. – bedeckt wird, sodaß der entwickelte Dampf den Boden des letztern trifft und, indem er sich dort zur Flüssigkeit verdichtet, seine latente Verdampfungswärme an ihn abgiebt. Bei gleichzeitigem Bedarf vieler D., wie in großen chem. Laboratorien, in chem. Fabriken u. dgl., wird der Dampf in besondern Dampfkesseln hergestellt und durch Röhrenleitungen in jedes D. geführt. Die Formen der D. sind je nach den Zwecken, welchen sie dienen, außerordentlich mannigfache.
Dampfbagger, s. Bagger.
Dampfbarkasse, s. Barkasse.
Dampfbeiboot, Bezeichnung der Boote (s. d.) der Kriegsschiffe, die mit Dampfmaschine und Schraubenpropeller versehen sind; dieselben sind nach ihrer Größe: Dampfbarkassen, Dampfpinassen oder Dampfkutter.
Dampf-Bodenkultur. Seit Einführung de Dampfkraft in den Betrieb der Landwirtschaft hat es nicht an Versuchen gemangelt, die erstere auch der Bodenkultur dienstbar zu machen. Die Versuche richteten sich anfänglich zumeist auf die Erfindung von Grabemaschinen, bei welchen Motor und Arbeitsmaschine eins waren. Zuerst trat damit John Heathcoat in Dumfries (Schottland) auf, welcher sich 1832 ein Patent auf Dampfpflüge erwirkte; ihm folgte der österr. Hauptmann Bauer, mit dessen von Harkort in Leipzig gebauter Maschine 1847 der erste Versuch in Schönefeld bei Leipzig gemacht wurde. Ferner sind hier zu nennen Usher in Edinburgh 1849, Romaine in Canada 1855 u. a. Der Erfolg derartiger direkter Maschinen scheiterte immer an der Zerbrechlichkeit der Arbeitsteile, welche von dem ganzen schwerfälligen Apparat untrennbar waren. Die Einführung der Dampfkraft in die Praxis der Bodenbearbeitung nahm erst eine greifbarere Gestalt an, als J. T. Osborne in England 1846 sich ein Patent auf das sog. indirekte System erwirkte, bei welchem eine Dampfmaschine den Pflug vermittelst eines Seiles zog. Lord Willoughby faßte die Idee auf und führte sie ins Leben; sie war aber damals praktisch unhaltbar, da sie eine Eisenbahn inmitten des Feldes verlangte und den Streifen derselben ungebrochen ließ. ^[Spaltenwechsel]
Im J. 1849 gelang es endlich zwei brit. Schullehrern, den Gebrüdern Fisken in Hartlepool, im Verein mit dem Dorfschmied Rodgers in Stockton on Tees einen Apparat auszudenken, welcher die Grundlage der heutigen Dampfpflugsysteme bildet, und zwar dadurch, daß sie den Balancierpflug und den Ankerwagen anwandten. Der Ingenieur John Fowler in Leeds, welcher sich schon 1848 durch die Erfindung des Drahtseils um die Vervollkommnung der D. verdient gemacht hatte, verfolgte die Fiskensche Idee mit seltener Energie und ist infolgedessen als der eigentliche Vater des Dampfpfluges in seiner jetzigen Gestalt zu bezeichnen. J. Howard in Bedford arbeitete im Verein mit W. Smith in Woolestone ein von dem Fowlerschen insofern abweichendes System aus, als bei dem Fowlerschen die Dampfmaschine entsprechend der Breite des bei jedesmaligem Zuge des Pflugs umgebrochenen Stück Landes vorrückt, bei Howard dagegen die Dampfmaschine feststeht. Eine 1856 in Vincennes bei Paris stattgehabte internationale Dampfpflugkonkurrenz bewies, daß zu dieser Zeit die Zukunft der D. schon gesichert war. In Deutschland arbeitete der erste Dampfpflug 1865 auf der Aufstellung in Köln a. Rh., welcher von Baron Hirsch in München für seine in
Bayern gelegenen Güter angekauft wurde. 1808 folgte ein weiterer, und von 1870 an fand dieses Gerät eine ausgedehntere Verwendung. In Deutschland und Österreich sind jetzt über 300 solcher Apparate in Gebrauch.
Gegenwärtig sind drei Systeme von D. in Anwendung: das Zweimaschinensystem, das Einmaschinensystem und das Rundherum-(round-about-)System. Bei dem Zweimaschinensystem wird der Pflug (oder ein anderes Bodenbearbeitungsinstrument) zwischen zwei, an den entgegengesetzten Feldrändern aufgestellten Lokomotiven mittels eines Drahtseils und mit Hilfe der an den Lokomotiven befestigten Windetrommeln hin und her gezogen (s. Tafel: Dampf-Bodenkultur, Fig. 3); bei dem Einmaschinensystem steht an einer Seite des Feldes nur eine Lokomotive, an der andern Seite eine Leitrolle auf dem Boden und eine zweite auf einem sog. Ankerwagen, dessen scheibenförmige Räder in den Boden einschneiden und