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Halsbandschwein – Halseisen
Juweliere schleppte sich noch viele Jahre lang hin. Der Halsbandprozeß hat viele Pamphlete hervorgerufen , namentlich die «Vie de Jeanne de Saint-Remy de Valois, comtesse de Lamotte etc., écrite par elle-même» (wieder abgedruckt Par. 1792), die aber nur aus der Umgebung der Lamothe herrührt. – Vgl. außerdem Carlyle, Das Diamantenhalsband (Th. Carlyles Werke, Bd. 1, in «Kollektion Spemann», Stuttg. 1883); Campardon, Marie-Antoinette et le procès du collier (Par. 1863); L. Combes, Marie-Antoinette et l’intrigue du collier (ebd. 1876). Eine übersichtliche Darstellung des Prozesses enthält «Der Neue Pitaval», Bd. 8 (Lpz. 1845).
Halsbandschwein, s. Bisamschwein.
Halsbandsittich oder kleiner Alexandersittich (Palaeornis torquatus Boddaert), ein Papagei aus der Gruppe der Edelsittiche (s. d.), von 45 cm Länge, wovon 27 cm auf den Schwanz kommen. Seine Hauptfarbe ist ein schönes Grasgrün, das auf dem Rücken und auf der Brust graulich überreift ist. Der Hinterkopf ist mohnblau, ein nur beim Männchen vorhandenes rosenrotes Halsband ist in seiner vordern Hälfte schwarz gesäumt und die Wangen sind schwarz gestreift. Der Vogel, der Vorderindien und Ceylon bewohnt, findet sich, aber wohl nur verwildert, auch in Südafrika. Er war schon im Altertum bekannt und die Römer bezogen ihn aus Afrika.
Halsberge, der den Hals schützende Teil der Rüstung. Er verband den Helm mit dem Brustharnisch; über der H. war öfters noch ein Kehlstück, oder ein Vorhelm, oder die große Barthaube zur Verstärkung des Halsschutzes angebracht. Als letzter symbolischer Rest der H. erhielt sich bis in die neuere Zeit in verschiedenen Armeen der als Dienstabzeichen geltende Ringkragen (s. d.).
Halsbräune, soviel wie Krupp (s. d.); H. bei den Haustieren, s. Bräune der Haustiere.
Halsbrücke, Dorf in der Amtshauptmannschaft Freiberg der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, 5 km nördlich von Freiberg, an der Freiberger Mulde und an der Nebenlinie Freiberg-H. (7,5 km) der Sächs. Staatsbahnen, hat (1890) 1760 E., darunter 30 Katholiken, Post, Fernsprechverbindung, große fiskalische Hüttenwerke, bedeutende Maschinen- und Bleiwarenfabrikation. Das ehemalige, mit den Hüttenwerken verbundene Amalgamierwerk ist 1850 eingegangen. Bei H. beginnt der 12. April 1887 eröffnete Rothschönberger Stollen (s. d. und Freiberg); unweit von H. die Altväterbrücke, Ruine einer um 1600 erbauten, 200 m langen, 50 m hohen Wasserleitung, welche ebenfalls für den Bergbau von großer Wichtigkeit war.
Halsbrückener Hütten, bei Halsbrücke (s. d.) in Sachsen, 5 km im NW. von Freiberg, bilden zusammen mit den 8 km flußaufwärts gelegenen Muldener Hütten (s. d.) die «Freiberger fiskalischen Hüttenwerke». Die Hütte wurde 1612 durch die auf den mächtigen Halsbrückener Erzgängen bauenden Gewerken gegründet; 1784 wurde hier die europ. Amalgamation eingeführt und 1815 die erste Leuchtgasfabrik (s. Gasbeleuchtung, Bd. 7, S. 565 a) gegründet. 1845 wurden die engl. Schmelzflammöfen eingerichtet und infolgedessen 1857 die Amalgamation aufgegeben, 1864 die Goldscheideanstalt erbaut, 1864 die Pilzschen Hochöfen eingeführt, 1889 eine 140 m hohe Esse, die höchste der Erde, durch H. R. Heinicke in Chemnitz errichtet. Dieselbe steht auf dem das rechte Muldenufer bildenden Bergrücken, 60 m über der Hüttensohle, und ist durch einen 508,9 m langen, über die Mulde führenden Kanal mit dem Flugstaubkondensationsapparat verbunden. Die Esse mißt: Lichte Weite im Sockel 5,15 m, am Kopfe 2,50 m; Mauerstärke im Säulenaufsatze 1,50 m, im Kopfe 0,25 m; Höhe der Esse 140 m, der Säule 131 m, des Sockels 9 m, der Grundmauer 3,1 m; Höhe der Essenmündung über dem Meeresspiegel 506,1 m. Der eiserne Essenkopf besteht aus 16 Kranzteilen mit Kappen und wiegt 775 kg. Die stärkste beobachtete Achsenabweichung bei Sturm betrug 10 cm. ^[Spaltenwechsel]
Die H. H., in denen außer den Zink- und Arsenerzen dieselben Erze wie in den Muldener Hütten verarbeitet werden, umfassen folgende Einzelbetriebe: die Schmelzhütte mit der Kupfervitriolfabrikation, die Goldscheideanstalt, Schwefelsäurefabrik und Bleiwarenfabrik. Die Schwefelsäurefabrik röstete (1890) in 14 Gerstenhöferschen Öfen, 7 Kilns und 1 Muffelröstofen 7017 t Erze und Produkte, wobei 4139 t Schwefelsäure von 66° B. erhalten wurde. Die Schmelzhütte röstet die Erze in 6 einherdigen Fortschaufelungsöfen; zum Verschmelzen dienen 3 zwölfförmige Hochöfen; die Flugstaubkondensationsanlage hat 8541 cbm Rauminhalt und 1950 m Länge bis zur Esse. Zum Absaugen der Gase von den Öfen dienen 2 Ventilatoren; der gewonnene Flugstaub wird auf Arsenmehl verarbeitet. Die Werkbleiverarbeitung erfolgt in einem Saigerofen, 3 Bleiraffinieröfen, einer Pattinsonieranstalt mit 15 Kesseln, 2 Treibeherden und einem Silberraffinierofen. Die Kupfervitriolanstalt arbeitet mit 8 Auflösgefäßen, 132 Krystallisierkästen mit 470 cbm Fassungsraum und 4 Siedepfannen. 1890 verarbeitete die Schmelzhütte 15901 t Erz u. s. w., verbrauchte hierzu 14865 t verschiedene Brennmaterialien und gewann 170 kg Gold, 33018 kg Silber, 1893 t Weichblei, 112 t Antimonblei, 242 t Verkaufsglätte, 2447 t Kupfer-, 309 t Eisenvitriol und 286 t Arsenmehl. In der Goldscheideanstalt wurden (1890) aus 91432 kg göldischem Raffinatsilber gewonnen: 1542 kg Gold, 89385 kg Feinsilber, 31720 kg Kupfer in Laugen und 35000 kg Eisenvitriol. Das Gold und Silber wird teils den Lieferanten in Natur zurückgegeben, teils in den Handel gebracht. Die Bleiwarenfabrik stellte (1890) mit Hilfe eines Bleiwalzwerks und zweier hydraulischen Pressen aus 1935 t Weichblei 8400 kg Hartblei und 770 kg Zinn her; 1322 t verschiedene Bleche, 591 t Röhren und Drähte. Über Personal und Knappschaftskasse s. Muldener Hütten.
Hälschner, Hugo Philipp Egmont, Kriminalist, geb. 29. März 1817 zu Hirschberg in Schlesien, studierte in Breslau und Berlin die Rechte, ließ sich 1843 in Bonn als Privatdocent nieder, wurde 1847 außerord., 1850 ord. Professor und 1868 zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses ernannt. Er starb 17. März 1889 in Bonn. Von seinen Schriften sind zu nennen: «Die preuß. Verfassungsfrage» (Bonn 1846), «Die Staatserbfolge der Herzogtümer Schleswig-Holstein» (ebd. 1846), «Das preuß. Strafrecht» (3 Tle., ebd. 1855‒68), «Die Lehre vom Unrecht und seinen verschiedenen Formen» (ebd. 1869), «Beiträge zur Beurteilung des Entwurfs eines Strafgesetzbuchs für den Norddeutschen Bund» (ebd. 1870), «Das gemeine deutsche Strafrecht systematisch dargestellt» (2 Bde., ebd. 1881‒87).
Halseisen, ein an einem Pfahle oder öffentlichen Gebäude (Rathause) befestigtes eisernes Halsband, worin früher der Verurteilte angeschlossen und für eine bestimmte Zeit öffentlich ausgestellt wurde. Die