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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Allerkatholischste Majestät; Allerleigewürz; Allermannsharnisch; Allers; Allerseelen; Allevard; Allgäu

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Allerkatholischste Majestät - Allgäu

Tempel Debir heißt. Im Pentateuch (Priestercodex) heißt so der abgesonderte hinterste Teil in der Stiftshütte, in dem die Bundeslade stand. Im Herodianischen Tempel war das A. nur durch einen Vorhang geschieden, der durch das Erdbeben beim Tode Jesu entzweigerissen sein soll. Das A. durfte zur Zeit des alten Judentums nur der Hohepriester, und zwar nur einmal im Jahre, am großen Versöhnungstage betreten, um die beiden heiligsten Sühnopfer für seine und des Volks im Laufe des ganzen Jahres begangenen Sünden darzubringen. Jetzt wird in den Synagogen das A. der verschließbare, mit einem Vorhang von gesticktem Brokat oder Seide behangene Raum genannt, in dem die Gesetzesrollen, d. h. die fünf Bücher Mosis, aufbewahrt werden. - Bei den Katholiken ist A. die in einem Gefäße zur Anbetung ausgestellte geweihte Hostie (s. Monstranz).

Allerkatholischste Majestät, Titel der Könige von Spanien.

Allerleigewürz (Allerleiwürze) ist die volkstümliche Bezeichnung für eine Mischung verschiedener gemahlener Gewürze; dieselbe besteht gewöhnlich aus Ingwer, Pfeffer und Piment, häufig wird auch bloß letzterer gegeben.

Allermannsharnisch, s. Gladiolus und Allium.

Allers, Christian Wilh., Zeichner, geb. 6. Aug. 1857 in Hamburg, besuchte die dortige Gewerbeschule, bildete sich erst zum Lithographen, dann in Karlsruhe unter Ferd. Keller zum Maler und unter Th. Poeckh zum Zeichner aus. Er lebte dann in Hamburg als Porträtzeichner, seit 1889 wieder in Karlsruhe. A. veröffentlichte seine durch Lebenswahrheit und humoristische Auffassung ansprechenden Scenen: Allerlei Unpoetisches, Cirkus Renz, Hamburger Bilder, Mikado, Hinter den Coulissen, Klub Eintracht, Bunte Welt, Spreeathener, Hochzeitsreise durch die Schweiz, die Meininger, Silberne Hochzeit, Unsere Marine, Capri, Bakhschisch, Bismarck in Friedrichsruh, La Bella Napoli, Unser Bismarck. - Vgl. Olinda, Freund A. (mit Bildern von A., Stuttg. 1894).

Allerseelen, Fest der kath. Kirche, wird am 2. Nov. gefeiert zum Gedächtnis der Verstorbenen und zur Mahnung an die Lebenden, der Seelen im Fegefeuer fürbittend zu gedenken. Es ward 998 durch den Abt Odilo zunächst im Kloster Cluny eingeführt, fand bald Eingang in der ganzen kath. Christenheit und wird in den Kirchen durch eine Messe für die Verstorbenen, auf den Kirchhöfen durch Schmücken der Gräber gefeiert.

Allevard (spr. allwahr), Hauptstadt des Kantons A. (216,34 qkm, 6 Gemeinden, 7512 E.) im Arrondissement Grenoble des franz. Depart. Isère, am Breda, in 475 m Höhe, hat (1891) 1850, als Gemeinde 2850 E., darunter viele Kretinen und Kropfkranke. A. liegt in einem schönen Thale der Dauphiné das durch den Bergzug Brame-Farine (1214 m) vom Thale Grésivaudan getrennt wird, und verdankt seine Entwicklung dem 1838 gegründeten Warmbad; dies wird gespeist von den in 350 m Höhe entspringenden, in 24 Stunden 2736 l Wasser spendenden Schwefel- und Calciumquellen von 24,2° C., die besonders gegen Krankheiten der Atmungsorgane gebraucht werden. Das hervorragendste Gebäude ist ein von einem schönen Park umgebenes Schloß. In der Umgebung ein Hochofen, Mangan-, Kupfer- und Bleigruben. Die Schmelzhütte liefert den besten Stahl Frankreichs und beschäftigt ungefähr 500 Arbeiter. - Vgl. Niepce, Étude clinique des eaux sulfureuses et iodées d'A. (Par. 1883).

Allgäu, auch Algäu, Algau oder Allgau, in weiterm Sinne der von Vorbergen der Alpen erfüllte Landstrich Schwabens, der sich von der Iller, dem Bodensee und der Ill im W. bis zum Lech im O. und vom Inn im S. bis zur Donau im N. ausbreitet. Gewöhnlich jedoch bezeichnet man mit A. das Land im südwestl. Bayern (Schwaben), in den angrenzenden Teilen Württembergs und Tirols um die obere Iller bis herab nach Kempten und Memmingen, so daß es etwa an Umfang dem alten Albigau oder Alpgau gleichkommt. Das A. wird ganz von den Allgäuer Alpen, den nördl. Fortsetzungen und Voralpen der Rhätischen Alpen eingenommen. Das Gebiet der Iller mit seinen Thalbildungen ist die Centralfurche dieses Alpengaues mit seinen zahlreichen Bergstöcken, Wänden, Pyramiden, Klippen. Den Westflügel gegen den Bodensee hin setzen die Thäler der beiden Argen und der Bregenzer Ach mit ihren Nebenflüssen zusammen, den Ostflügel dagegen das Quellgebiet der Wertach, der Zirkellauf der Vils und eine Strecke des Lechthals. Damit trifft die Volks- und Sprachscheide genau zusammen. Der Allgäuer scheidet westwärts den "Walder", d. i. den Bewohner des Bregenzer Waldes, und ostwärts den "Lechler" oder "Thaler" (Lechthaler) scharf von sich aus. In den südlichern durch Querthäler getrennten Ketten überragen einige Gipfel die hier etwa in 2500 m Höhe verlaufende Firnlinie; es finden sich zwei kleine Gletscher am Hohen Licht (2687 m) und an der Mädelegabel (2649 m) und einige Firnflecken am Hochvogel (2589 m), an der Hintern Wilden (2433 m), dem Großen Krottenkopf (2655 m) und dem Marchspitz (2615 m). Bei Immenstadt erhebt sich das Gebirge noch in dem abenteuerlich geformten, eisenreichen Grünten oder Grinten, dem "Rigi Oberschwabens", bis 1733 m, geht aber bald in die Hochebenen der Donau über. Die Wasserscheide zwischen Ill und Inn wird im 1797 m hohen Arlbergpaß von der Kunststraße von Feldkirch nach Landeck überschritten und von dem Arlbergtunnel (s. Arlberg) durchstochen. Die Verbindung zwischen den Thälern des Lechs und Inns bietet die Lechstraße, die von Füssen aus die Alpen in den verschanzten Felsgassen des 924 m hohen Kniepaß und der Ehrenberger Klause durchschneidet, die Höhe von 1106 m erreicht, sich bei Nassereit spaltet und, so doppelt verzweigt in dem Innthale mündend, auf der einen Seite über Imst hinauf nach Landeck, auf der andern über Telfs und Zirl hinab nach Innsbruck führt. Die obern Züge des Gebirges mit ihrer rein alpinen Natur bieten den hier gezogenen kleinen Viehrassen die trefflichsten Weiden. Das Allgäuer Rindvieh (s. Tafel: Rindviehrassen II, Fig. 1 u. 2) eignet sich wegen seines schönen, kräftigen, weniger grobknochigen Baues vortrefflich zum Ziehen, hat aber auch eine bedeutende Mastfähigkeit und ist sehr milchreich. Mit den Erzeugnissen der Viehzucht wird ein sehr ansehnlicher Handel nach Augsburg, München, Nürnberg und Wien getrieben. Die Viehmärkte von Sonthofen sind sehr wichtig. Im nördlichen A., wo die Flußthäler sich zur Ebene auszuweiten beginnen, tritt mit der Alpenwirtschaft auch die Dreisch- und Egartenwirtschaft sowie der Flachsbau in Verbindung. - Vgl. Waltenberger, A., Vorarlberg und Westtirol (7. Aufl., Augsb. 1893); Baumann, Geschichte des A.s (3 Bde., Kempten 1880-95): Reiser, Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des A.s (Heft 1, ebd. 1895).