527
Corpus legum – Correggio
Nach dem Vorbilde des C. j. civilis wurden im Mittelalter, zuerst auf dem Konzil zu Basel, die hauptsächlichsten kirchlichen Rechtsquellen (Decretum Gratiani, Liber Extra, Liber Sextus, Clementinen, Extravagantes, s. diese Artikel) zusammengefaßt zum C. j. canonĭci. So stehen dieselben noch heute im theoretischen und praktischen Gebrauch. Die wichtigsten Ausgaben sind von Böhmer (2 Bde., Halle 1747), L. E. Richter (2 Bde., Lpz. 1833‒39) und besonders die neueste von Friedberg (2 Bde., ebd. 1876‒82), bearbeitet auf Grund eines bedeutenden kritischen Quellenapparates. Das Decretum Gratiani bildet den ersten, die Dekretalensammlungen den zweiten Teil des C. j. canonici. (Vgl. Schulte, Geschichte der Quellen und Litteratur des kanonischen Rechts, 3 Bde., Stuttg. 1875‒80.) Ebenso wie das C. j. civilis wurde auch das C. j. canonici glossiert und es stellte sich schließlich eine glossa ordinaria her, deren einzelne Bestandteile verfaßt oder redigiert sind von Joannes Teutonicus (Decretum), Bernardus Parmensis (Extra), Joannes Andreae (Sextus und Clementinae).
Corpus legum, s. Brachylogus juris civilis.
Corr., bei bot. Namen Abkürzung für J. ^{José] F. Correa de Serra, geb. 5. April 1751 zu Serpe (Portugal), gest. 11. Sept. 1823 zu Caldas.
Corrāl (span., «Hof»), in älterer Zeit in Spanien Benennung des Theaters, weil man dieses ursprünglich vielfach in geeigneten Höfen einrichtete, und auch in den Neuanlagen das Parterre nur mit Leinwand bedeckt wurde. Die Bühne (tablado) war im Hintergrunde des Hofraums aufgeschlagen; dieser selbst bildete das Parterre (patio), das sich amphitheatralisch (mittels gradas, «Stufen») zu den Fenstern (ventanas) der den Hofraum umschließenden Gebäude erhob. Diese selbst bildeten die Logen. Anfangs war nur die Bühne bedeckt, später waren es auch die gradas. In den festen Theatern (die ersten wurden in Madrid 1579 und 1582 erbaut) unterschied man weiter die bancos (Parkettsitze), die für die Frauen gegenüber der Bühne reservierte cazuela, und zwei Logenreihen, die aposentos und desvanes.
Corrāl, Hafen von Valdivia (s. d.).
Correggio (spr. -réddscho), Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Reggio nell’ Emilia, an der Linie Reggio-Carpi der Bahnen von Reggio nell’ Emilia, steht durch einen Kanal mit der Secchia in Verbindung, hat (1881) 2938, als Gemeinde 12587 E. C., einst Hauptstadt des Fürstentums Soro, ist Geburtsort des Malers Antonio Allegri genannt C.
Correggio (spr. -réddscho), Antonio da, einer der größten ital. Maler, geb. um 1494, gest. 5. März 1534, hieß eigentlich Allegri, nannte sich aber nach seiner Geburtsstadt Correggio (s. d.). Die Anfänge seines Stils deuten darauf hin, daß die Schule Mantegnas auf seine Kenntnisse in der Perspektive, die Leonardo da Vincis auf den seelischen Ausdruck und Melozzo da Forlì auf die Geschicklichkeit in Verkürzungen Einfluß hatten. Nach neuern Forschungen (besonders Bigis) soll Antonio Bartolotti (gest. 1527) oder nach andern Francesco Bianchi in Modena einer seiner ersten Lehrer gewesen sein. Als C. einst ein Gemälde Raffaels erblickte, soll er ausgerufen haben: «Anch’io sono pittore!» («Auch ich bin ein Maler!»). Mag dieser Ausspruch nun wahr sein oder nicht, auf seinem Gebiete steht er den größten Meistern ebenbürtig zur Seite und erschloß eine neue Bahn für die Kunst. Seine Kunstmittel sind erstens in der Zeichnung die Verkürzungen, welche die Anmut und Beweglichkeit seiner Gestalten unterstützen; zweitens in der Farbe das Helldunkel, worin er unübertrefflich ist. Als früheste Gemälde C.s betrachtet man einzelne Madonnenbildchen (in den Uffizien zu Florenz, im Museo municipale daselbst, im Museum von Pavia), die auf eine unmittelbare Beziehung zu Francia hinweisen. Für diese spricht auch sein erstes größeres Werk: das 1514 für den Hauptaltar der Kirche des heil. Franciscus in Carpi begonnene Madonnenbild (jetzt in der Dresdener Galerie). Zu seinen ersten Freskomalereien gehören die mytholog. Darstellungen im Convento di San Paolo und in der Kuppel von San Giovanni Evangelista zu Parma, jene 1518, diese 1520 begonnen. In der Wahl und Ausführung der idyllischen Gegenstände erweist er sich von unerschöpflicher Kraft der Phantasie. In derselben Weise ist die Himmelfahrt Mariä gehalten, mit der er 1526‒30 die Kuppel des Doms zu Parma zierte. Von seinen religiösen Staffeleibildern sind die berühmtesten: die sog. Zingarella (Zigeunerin), gegenwärtig im Museum zu Neapel, eine Mutter Gottes, der man wegen ihres orient. Gewandes und des Kopfputzes diesen Namen gegeben hat; die Kreuzabnahme, die sog. Madonna della Scodella (Ruhe auf der Flucht), das Martyrium des heil. Placidus und der Flavia sowie die Madonna mit dem heil. Hieronymus (1527) in der Gemäldegalerie zu Parma, von wunderbarer Klarheit des Lichts, auch unter dem Namen «Der Tag» bekannt. Ausgezeichnet sind ferner: Die Vermählung der heil. Katharina (Louvre), Die Flucht nach Ägypten (Uffizien), Christus als Gärtner (Madrid), die Madonna della Cesta (London, Nationalgalerie), Christus in Gethsemane (London, Apsley House). Sein Hauptwerk aber ist die Geburt Christi, bekannt unter dem Namen Die Nacht (s. Tafel: Italienische Kunst Ⅶ, Fig. 9), jetzt eine Zierde der Dresdener Galerie, die reich an Gemälden dieses Meisters ist, an denen man seine Fortschritte erkennen kann, darunter außer der oben genannten Madonna des heil. Franciscus die Madonnen des heil. Sebastian und heil. Georg, beide für Modena gemalt. Die büßende Magdalena ebendaselbst ist nach neuern Forschungen nicht sein Werk.
Alle diese Werke beweisen, wie gewaltig dieser Meister der sinnlichen Schönheit bisweilen auch in der Bewältigung ernster Gegenstände ist. Am schönsten aber zeigen sich C.s Vorzüge in den mytholog. Gemälden. Hier ist Platz für wonnige Heiterkeit des Ausdrucks und für Hervorheben der körperlichen Schönheit, was der Künstler, ohne in Unsittlichkeit zu verfallen, durch den vollendeten Fleischton und die anmutige Rundung der schwellenden, weichen Formen erreicht. Die ausgezeichnetsten Arbeiten dieser Art sind die für den Herzog Federico Gonzaga von Mantua gemalten, Io und Leda, die dieser Kaiser Karl Ⅴ. zum Geschenk machte. Nachher in Prag aufbewahrt, wurden die Bilder im Dreißigjährigen Kriege eine Beute der Schweden und gelangten durch die Königin Christine nach Rom, später aber nach Paris in den Besitz des Regenten, Herzogs von Orléans. Der Sohn desselben fand beide Bilder so verführerisch, daß er die Köpfe herausschneiden ließ und das übrige zu verbrennen befahl. Doch geschah letzteres nicht; vielmehr gelangten die Gemälde, mit neuen Köpfen versehen, 1752 in den Besitz König Friedrichs Ⅱ. von Preußen. Sie zieren gegenwärtig die Galerie des Berliner Museums.
^[Artikel, die man unter C vermißt. sind unter K aufzusuchen.]