Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cratander; Crati; Crau; Craven; Crawford

580

Cratander – Crawford

sie in Lustgebüschen kultiviert oder zu Hecken benutzt. Das feinfaserige, harte und schwere Holz beider Arten wird von Drechslern und Maschinenbauern gesucht. Die jungen Stämme liefern treffliche Stöcke. Von beiden Arten giebt es viele durch die Kunst der Gärtner hervorgebrachte Varietäten, unter denen namentlich die rotblumige (mit einfachen und gefüllten Blumen), welche zur Blütezeit, zumal als Baum gezogen, ein prächtiges Ziergewächs abgiebt, und die weißbuntblätterige eine Erwähnung verdienen. Mehrere nordamerik., asiat. und südeurop. Arten werden sehr häufig als Ziergewächse in Gärten, Parks, auf Promenaden kultiviert, z. B. C. pyracantha Pers. (Cotoneaster pyracantha L.) der Feuerdorn aus Südeuropa, ein Strauch mit immergrünen, glänzenden Blättern, weißlichen Blüten und prächtig scharlachroten Früchten; C. crus galli L. aus Nordamerika, mit sehr langen verzweigten Dornen, verkehrt-eiförmigen, keiligen Blättern und ebenfalls scharlachroten Früchten u. s. w. Diese und andere ausländische Arten lassen sich am leichtesten dadurch vermehren, daß man Zweige derselben auf Stämme deutscher Weißdorne pfropft. Alle Arten lassen sich auch durch Samen vervielfältigen; allein dieselben liegen oft 1½ Jahre im Boden, ehe sie aufgehen. Eine in Südeuropa einheimische Art (C. azarolus L.), der Azarolbaum oder Azaroldorn, hat eßbare Früchte, die als welsche Mispeln sowohl roh als eingemacht verzehrt werden.

Cratander, Andreas, ein gelehrter Drucker und Buchhändler von Basel, der seit 1518 bis gegen 1536 humanistische und patristische Werke, auch Reformationsschriften verlegte, zuletzt aber (wohl schon gegen 1534) die Druckerei an Thom. Platter und drei Genossen verkaufte und nur noch «Buchführer» blieb. Zu seinen bekanntesten Verlagswerken zählt die noch jetzt sehr gesuchte Ausgabe des Cicero (3 Bde., 1528). Sein Verlegerzeichen ist eine Glücksgöttin mit Flügelschuhen auf einer Kugel stehend und mit einem Messer in der rechten Hand.

Crati, Fluß auf der Halbinsel Calabrien in Süditalien, entspringt am Silagebirge, fließt nach N. über Cosenza, nimmt von rechts den Mucone, von links den Busento und kurz vor der Mündung den Coscile auf und mündet nach einem Lauf von 89 km in den Golf von Taranto.

Crau, La (spr. kro), bei den Römern Campi lapidei (d. i. steinige Gefilde), später Campus Cravensis oder Cravus genannt, ein Landstrich im franz. Depart. Bouches du Rhône, zwischen dem Kanal von Craponne im N., dem östl. Arm der Rhône im W. und dem Etang de Berre im O. gelegen, umfaßt eine vom Meere aus nach N. zu 30‒40 m ansteigende roterdige Ebene von über 200 qkm, die zum Teil aus zerfallenen kretaceischem Gestein, zum Teil aus Geröllmassen der ehemaligen Rhône- und Isèregletscher besteht und jetzt durch die Betriebsamkeit der Anwohner den verschiedenen Kulturen gewonnen worden ist. Der nördl. Teil, La Plaine de la C., ist mehrere Fuß tief ganz mit glatten, oft faust- bis kürbisgroßen Kieseln bedeckt, zwischen welchen kümmerliches Gras, selten Lavendel und andere wohlriechende Kräuter den ganzen Winter hindurch Weide für Schafherden abgeben, die den Sommer über von den Schäfern («Bayles») auf die Almen der Dauphiné getrieben werden. Der östl. Teil, La C. Haute, ist mit Oliven- und Mandelbäumen sowie mit Reben bepflanzt, welche einen geschätzten Wein geben. Der westl. Teil, früher ebenfalls Steinwüste, hat ein ganz anderes Ansehen gewonnen, seitdem man die schlammführenden Wasser eines Arms des Craponnekanals und des Canal des Alpines zur Befruchtung des Bodens benutzt, der schon eine 60 cm dicke, fruchtbare Decke hat. Grüne Wiesen, Maulbeer- und Olivenpflanzungen bedecken, gleich Oasen (Cousous), ausgedehnte Flächen. – Vgl. De Saussure, Voyage dans les Alpes (4 Bde., Neuchâtel 1780‒96); Berndt, Die Plaine de la C. (1. Hälfte, Bresl. 1886).

Craven (spr. krehw’n), Elisabeth Berkeley, Lady, jüngste Tochter von Graf Berkeley, geb. 1750, vermählte sich 1767 mit William, Lord C., von dem sie sich 1781 trennte. Hierauf machte sie weite Reisen und trat in Ansbach zu Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander, Neffen Friedrichs d. Gr., in nahe Beziehungen. Ihre Reise durch die Krim nach Konstantinopel schilderte sie in einer Reihe von Briefen: «Journey through the Crimea to Constantinople» (Lond. 1789; deutsch Lpz. 1789) und «Letters to the Margrave of Anspach during her travels through France, Germany, Russia etc.» (Lond. 1814). Als Lord C. 1791 gestorben war, heiratete sie der Markgraf und ging, sein Land gegen ein Jahrgeld dem König von Preußen überlassend, mit ihr nach England, wo er bei Hammersmith ein Schloß (Brandenburg-House) kaufte. Von Kaiser Franz Ⅱ. zur Fürstin von Berkeley erhoben, lebte sie nach dem Tode des Markgrafen (1806) bald in England, bald in Neapel, wo sie 13. Jan. 1828 starb. Die interessanten «Memoirs of the Margravine of Anspach, formerly Lady C., written by herself» erschienen in 2 Bänden (Lond. 1825; deutsch, 2 Bde., Stuttg. 1825). Auch schrieb sie Gedichte, Romane und Theaterstücke; letztere gab Asimont heraus (2 Bde., Ansbach 1789).

Crawford (spr. krahf’rd), Francis Marion, amerik. Novellist, geb. 2. Aug. 1854 in Lucca (Italien), Sohn des folgenden, erhielt seine Ausbildung zu Concord (Massachusetts), dann 1870‒74 am Trinity College in Cambridge (England), später studierte er besonders Sanskrit und orient. Sprachen zu Karlsruhe, Heidelberg und Rom und ging 1879 nach Indien, wo er vorübergehend zu Allahabad den «Indian Herald» herausgab. Nach seiner Rückkehr nach Amerika (1880) schrieb er (1882) den Roman «Mr. Isaacs» (deutsch von Th. Höpfner, Berl. 1891), der von großem Erfolg begleitet war. Seit 1884 lebt C. zu Sorrento und hat sich ganz der Schriftstellerei gewidmet. Seine Romane sind: «Dr. Claudius» (1883), «To leeward» (1883), «A Roman singer» (1884), «An American politician» (1884), «Zoroaster» (1885), «A tale of a lonely parish» (1886), «Saracinesca» (1887), «Marzio’s crucifix» (1887), «Paul Patoff» (1887), «With the immortals» (1888), «Greifenstein» (1889), «Sant’ Ilario» (1889), «A cigarette maker’s romance» (1890), «The witch of Prague» (1891), «Khaled» (1891), «The three fates» (1892), «Don Orsino» (1892).

Crawford (spr. krahf’rd), Thomas, amerik. Bildhauer, geb. 22. März 1814 in Neuyork, ging 1835 nach Rom, wo er freundliche Aufnahme bei Thorwaldsen fand, aber mit Not zu kämpfen hatte, bis es ihm gelang, die Aufmerksamkeit angesehener Landsleute auf sich zu ziehen und lohnende Aufträge zu erhalten. C. lebte bis 1856 in Rom, von wo er die Vereinigten Staaten dreimal besuchte, und starb 16. Okt. 1857 zu London. Seine bedeutendsten Werke sind: Orpheus und Eurydike (1839; im Bo- ^[folgende Seite]

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]