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Cymen – Cynewulf
Cymēn oder Cymīn, s. Cymol.
Cymogēn, der schon bei 0° siedende Anteil des Petroleums, der zur Herstellung von künstlichem Eis Verwendung findet.
Cymōl, Cymen, Cymin, ein aromatischer Kohlenwasserstoff von der Zusammensetzung C₁₀H₁₄ und besitzt die Konstitution eines ^[img Strukturformel] Normalpropylparamethylbenzols. Es findet sich neben Cuminol (s. d.) im Römischkümmelöl und in einigen andern ätherischen Ölen. Es entsteht ferner aus Kampfer bei der Destillation mit Phosphorsäureanhydrid und ist die Grundsubstanz vieler Terpene (s. d.) von der Zusammensetzung C₁₀H₁₆, aus denen es durch Entziehung von 2 Wasserstoffatomen gewonnen werden kann. Das C. ist eine farblose ölige, in Wasser unlösliche Flüssigkeit vom Siedepunkt 175° und angenehmem Geruch. Man hat das C. auch auf synthetischem Wege dargestellt, es findet sich aber nicht, wie einige mit ihm isomere Kohlenwasserstoffe, im Steinkohlenteer.
Cymophenōl, s. Carvakrol.
Cymös, in Form einer Trugdolde (cyma, s. Blütenstand).
Cymothŏa, Lausassel, s. Asseln.
Cymothoĭdae, auf Fischen parasitisch lebende Asseln (s. d.).
Cynailūrus, s. Gepard.
Cynanchum L., Pflanzengattung aus der Familie der Asklepiadeen (s. d.) mit gegen 18 vorzugsweise in der tropischen und warmen gemäßigten Zone beider Hemisphären verbreiteten Arten; es sind teils Holzgewächse, teils Kräuter, meist Schlingpflanzen. Sie haben gegenständige, ausdauernde, herzförmige Blätter, zwischen den Blattstielen stehende gestielte Doldentrauben und glatte Balgfrüchte voll geschwänzter Samen. Die am häufigsten weiß oder rosenrot gefärbten Blüten bestehen aus einem fünfblätterigen Kelch, einer radförmigen Blumenkrone mit fünflappigem Saum und einer zehnlappigen Nebenkrone. Alle Arten enthalten einen weißen, scharfen Milchsaft. Aus dem C. monspeliacum L. und C. acutum L. (beide in Südeuropa) bereitet man in Südfrankreich das franz. Scammonium (s. d.). Die in Deutschland einheimische Schwalbenwurz, auch Hundswürger genannt, C. vincetoxicum L., war offizinell, da die Wurzel brechenerregend wirkt.
Cynăra L., Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit etwa 6 Arten, die zumeist in den Mittelmeerländern vorkommen. Es sind distelähnliche Gewächse mit großen fiederschnittigen, stachligen Blättern und ansehnlichen Blütenköpfchen, die blaue oder violette, selten weiße Blüten enthalten. Die wichtigste Art ist die Artischocke, C. scolymus L., von der die jungen Blütenköpfe (s. Tafel: Gemüse Ⅳ, Fig. 13) in der verschiedensten Zubereitung als Gemüse gegessen werden. Sie ist im südl. Europa seit langer Zeit in Kultur, und es giebt deshalb eine ganze Reihe von Spielarten. Die für diesen Zweck beliebtesten Sorten sind: die große grüne und die große violette französische, die große grüne von Neapel und die große grüne von Laon. Der eigentlich eßbare Teil ist der dicke, fleischige Fruchtboden oder sog. Käse. Auch ißt man den untern verdickten Teil der Hüllschuppen. Die Blütenkörbchen werden zu diesem Behufe, bevor sie sich öffnen, abgeschnitten und, in Wasser oder Fleischbrühe gekocht oder mit Butter geröstet, als Gemüse verspeist, wohl auch mit Essig und Öl als Salat; in Italien werden meistens nur die fleischigen Fruchtböden gegessen, und zwar nicht in Fleischbrühe oder Wasser, sondern in Öl gekocht. Die Kultur der Artischocke erfordert große Sorgfalt und kann nur in Gegenden von mildem Klima mit Erfolg betrieben werden. Man findet sie daher vorzüglich in Frankreich und Südeuropa verbreitet, in Deutschland namentlich in den Rheingegenden, auch in Österreich. Die Pflanzen werden entweder aus Samen oder aus Wurzelsprossen angezogen. Man steckt die Pflänzlinge in 0,6 m voneinander entfernten Reihen, jede Pflanze in 1,25 bis 1,60 m Entfernung von der nächsten, in gutgedüngte, kräftige, milde Dammerde. Die Entnahme dieser Wurzelsprossen geschieht im März, die Ernte der Köpfe Ende August (in Deutschland). Man läßt nur die am Ende des Stengels und der Hauptäste sich bildenden Blütenkörbchen (die Hauptköpfe) sich entwickeln, alle übrigen bricht man ab, damit erstere recht groß und schön werden. Nach der Ernte bricht man die Stengel nahe am Boden ab, entfernt im Spätherbst alle noch vorhandenen Wurzelblätter und bildet über jedem Stock einen Erdhaufen, bedeckt ihn wohl auch noch mit Mist, um ihn gegen die Winterkälte zu schützen. Es wird auch noch eine andere Art der Gattung C. als Gemüsepflanze gebaut, die sog. Kardy, Kardonen oder span. Artischocke (C. cardunculus L.), eine sehr dornige Staude, von der nicht die Blütenköpfe, die bei ihr viel kleiner sind, sondern die fleischigen Stiele der großen grundständigen Blätter als Gemüse dienen. Gute hierzu geeignete Sorten sind: die große von Tours (s. Tafel: Gemüse Ⅳ, Fig. 12), die breitrippige Puvis und die große sicil. Kardone.
Cynarēen oder Cynarocephālen, s. Kompositen.
Cynegētik (grch.), Jagdkunst.
Cynewulf (Kynewulf), der einzige angelsächs. Dichter, der sich in seinen Dichtungen nennt. In Runen steht sein Name in den Gedichten «Leben der Juliane», «Elene oder die Auffindung des Kreuzes Christi» und in einem Gedichte, das man früher für eine Hymnensammlung hielt, jetzt als «Christ» bezeichnet. Außerdem hat Leo (Hallesches Programm 1857) glaubhaft zu machen gesucht, daß das erste der erhaltenen angelsächs. Rätsel «Cynewulf» ergiebt. Einen Teil der Rätselsammlung darf man C. zuschreiben. Außerdem gehört C. noch ein Teil der Dichtung «Guthlac» zu, vielleicht auch «Phoenix» und «Höllenfahrt Christi», beide nach lat. Vorlagen. Ohne genügende Gründe wurden C. zugeschrieben: «Andreas», «Vision vom Kreuze»; «Wanderer», «Seefahrer», «Manna cræftas», «Manna wyrde», «Manna mod», «Ruine». Über C.s Leben ist nichts überliefert; es muß in das 8. Jahrh. fallen; daß er ein Nordhumbrier war, ist nicht erwiesen, doch nicht unwahrscheinlich. Grimm hält C. für einen Schüler Aldhelms, d. h. ebenfalls im 8. Jahrh. und in Westsachsen lebend. Dietrich und Grein nahmen (ohne Beweis) an, daß der Dichter von etwa 737 bis 780 Bischof zu Lindisfarena ê war, dann dem Amte entsagte und in der Stille sein Leben beschloß. Doch manches in seinen Werken spricht dagegen. Aus diesen ergiebt sich: C. lebte im 8. Jahrh. lange in weltlichem Treiben, wohl als fahrender Volkssänger; damals entstanden seine Rätsel. Später erst ward er einer frommen Richtung gewonnen. Wahrscheinlich hatte er eine Klosterschule besucht. Herausgegeben wurden C.s Gedichte von Grein in der «Bibliothek der angel- ^[folgende Seite]
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