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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dachrecht; Dachreiter; Dachrinne; Dachs; Dachsbeil; Dachsburg

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Dachrecht – Dachsburg

Tränken wird die Pappe mit Sand bestreut und in luftigen Schuppen getrocknet. Gute D. soll beim Durchschneiden ein fettes glänzendes Innere zeigen, also vollständig mit Teer gesättigt, leicht biegsam und zähe sein. Über die Dachdeckung mit D. s. Dachdeckung (S. 674 b). – Vgl. Luhmann, Fabrikation der D. (Wien 1883); Maas, Der Asphaltdachfilz (4. Aufl., Berl.); Hoppe und Röhming, Das doppellagige Asphaltpappdach (Halle 1892).

Dachrecht, das Recht, das Dach des eigenen Hauses in den Luftraum des Nachbarn hineinragen zu lassen, sei es in der Breite eines Wetterdachs, um die Wand zu schützen, sei es, um das Regenwasser auf das fremde Grundstück fallen zu lassen (Traufrecht).

Dachreiter, die besonders bei kirchlichen Gebäuden vorkommenden kleinern Türme, welche nicht von Grund aus ausgeführt, sondern auf die Dachbalkenlage oder auf das Dachwerk aufgesetzt und daher in der Regel aus Holz ausgeführt sind. Sie können an beliebigen Stellen des Daches angebracht werden, ohne die Benutzung des darunter befindlichen Raums zu beeinträchtigen. An kleinen Landkirchen und Kapellen und über der Vierung roman. und got. Kirchen finden D. vielfache Verwendung. Damit bei größeren D. die sie tragende Balkenlage nicht zu stark belastet werde, erfordern sie oft eine schwierige Konstruktion und viel Holzwerk zur Absprengung der Last auf die Umfassungsmauern, haben aber nicht selten der Sicherheit wegen wieder beseitigt werden müssen. Im übrigen entspricht ihre Konstruktion derjenigen der Türme (s. Türme). Der Cistercienserorden, welcher an seinen Kirchen keine Türme führte, bildete die D. im Mittelalter zuerst künstlerisch aus. Berühmt sind die D. auf dem Dom zu Köln und auf der Notre-Dame-Kirche zu Paris. In spätern Renaissancestilen wendete man D. öfter auch an Wohngebäuden an. Eine besondere Art der D. bildet das Überdach, Aufdach (auch Laterne), welches in einiger Entfernung über dem Dachfirst als Satteldach konstruiert, zur Überdeckung einer im First selbst befindlichen Öffnung dienend, sich befindet, durch welche bei gewerblichen Anlagen (Gießereien u. s. w.) der im Innern der Gebäude entstehende Rauch und Dämpfe entweichen können.

Dachrinne, die zur Abführung des Wassers von der Dachfläche dienende Vorrichtung. Die einfachste Form ist die Traufrinne, die, vor der untern Kante (Traufkante) der Dachfläche angebracht oder auf der Dachfläche selbst liegend, das Wasser entweder nach alter Sitte durch weit vorragende Ausflußröhren (Wasserspeier) unmittelbar auf den Erdboden fließen läßt oder, wie jetzt meist durchgeführt, in Abfallrohre ausmündet, die das Wasser an der Mauer herabführen. Da die D. eine Neigung von 0,8 bis 1 cm auf 1 m Länge erfordert und sie deshalb einen unschönen Anblick bietet, legt man sie jetzt meist versteckt an als sog. Kastenrinne, die auf dem Hauptsims vor der Traufkante der Dachfläche befestigt wird; es giebt zahlreiche Konstruktionen, die sich auf Verhütung von Verstopfungen und Undichtheiten beziehen. Bezüglich dieser Konstruktionen sind die Bestimmungen und Musterzeichnungen vom 31. März 1887 des preuß. Ministeriums der öffentlichen Arbeiten und die sich daranschließenden Normalien von D. für Holzcement- und doppellagige Asphaltpappdächer von Hoppe & Röhming (Halle) zu erwähnen. Beim antiken Tempelbau lag die D. im Karnies des Hauptsimses (Karniesrinne). Die Abfallrohre dürfen des Einfrierens wegen nicht enger als 12 cm sein und reichen, wenn angängig, vermittelst asphaltierter Gußeisenrohre bis in die unterirdische Schleuse herab. ^[Spaltenwechsel]

Dachs (Meles), Säugetiergattung, die man lange ihrer gedrungenen, plumpen Form und des Auftretens mit den ganzen Sohlen wegen zu den Bären zählte, die aber ihrem Gebisse nach entschieden in die Nähe der Marder gestellt werden muß, von denen sie sich freilich durch ihre Trägheit und mürrische Gemütsart, durch das teilweise unterirdisch geführte Leben in selbstgegrabenen Höhlen und durch die Liebhaberei für Pflanzenkost wieder unterscheidet. Das Gebiß deutet durch die spitzen, starken Eckzähne und die scharfen Lückenzähne auf Fleischnahrung, die Abstumpfung und Verminderung des Reißzahns sowie ein großer, breiter, stumpfhöckeriger Mahlzahn im Oberkiefer auf Pflanzennahrung hin. Der gemeine D. (Meles Taxus Pall., s. Tafel: Bärenmarder, Fig. 4) ist die bekannteste Art. Derselbe ist über ganz Mitteleuropa und einen großen Teil von Asien verbreitet, aber nirgends sehr häufig, und lebt stets einsam. Er hat einen dicken, niedrig stehenden Körper von 85 cm Länge, einen 14 cm langen Schwanz und ein dicht-, aber grobbehaartes Fell, welches oben graugelb, an den Seiten heller und am Bauche schwarz, überdies mit einem von der Schnauzenspitze über den weißlichen Kopf jederseits bis auf die Schultern verlaufenden schwarzen Streifen bezeichnet ist. Er bewohnt bequeme unterirdische Baue, welche meist vier bis acht Eingänge und Fluchtröhren und im Innern ein wohlgepolstertes Gemach, den sog. Kessel, haben, und die er meist nur des Nachts verläßt, um sich Nahrung zu suchen, welche aus Wurzeln, Früchten, Insekten, Fröschen, Feldmäusen, jungen Kaninchen, Rebhühnern und Vogeleiern besteht. Der D. wird leicht fett und ist, jung eingefangen, leicht zu zähmen. Den Winter verbringt er im Halbschlafe, verläßt aber bei wärmern Wetter gern den Bau, um sich zu sonnen. Bekannt ist seine Bissigkeit; auch sind seine Beißmuskeln stark entwickelt. Man jagt den D. zuweilen im Sommer in mondhellen Nächten, indem man sich auf den Anstand stellt und ihn bei der Rückkehr zum Baue zu schießen sucht, oder indem man ihm Fallen stellt oder auch Netze in den Eingang zu seiner Höhle befestigt. Vorzugsweise aber gräbt man ihn in seinem Baue aus mit Hilfe von Dachshunden, die ihm in den Bau folgen, ihn in dem Kessel, wo er sich zur Wehre setzt, «verbellen» und so den Ort anzeigen, auf den man graben muß. Nach Jägerregel muß er dann mit der Dachsgabel (s. d.) oder dem Krätzer, der wie ein Korkzieher gewunden ist, angespießt, aus dem Loche hervorgezogen und zur Schonung des Felles totgeschlagen werden. Sein Fleisch ist süßlich, aber eßbar; in China werden D. auf den Fleischmärkten feilgeboten. Eine andere, in Nordamerika einheimische Dachsart, der Labrador-Dachs (Meles labradorius Meyer), zeichnet sich durch die weiße Färbung an der Unterseite und durch weiches Haar aus. In der Gefangenschaft halten beide Arten gut aus. Während der gemeine D. aber fast den ganzen Tag schlafend verbringt, zeichnet sich der amerikanische durch große Munterkeit aus. Der Preis für jenen beträgt 20 M., für diesen 100 M. (S. Dachsfelle.)

Dachsbeil, s. Dexel.

Dachsburg, s. Dagsburg.