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Dachschiefer – Dachstein
Dachschiefer, die reinsten, sehr vollkommen- und ebenschieferigen Varietäten des Thonschiefers, die sich infolgedessen leicht spalten, behauen und dann zur Dachdeckung (s. d.) benutzen lassen. Dieselben kommen als Einlagerungen in der Phyllit-, Silur- und Devonformation (Rüdesheim, St. Goar a. Rh., Goslar, Lehesten und Gräfenthal in Thüringen, Wales), seltener in jüngern Formationen vor (Glarus). Die Schieferungs- und Spaltungsrichtung folgt meist nicht der Schichtung, sondern schneidet quer durch dieselbe. (S. Falsche Schieferung und Schiefer.)
Dachschindeln, dünne, gespaltene Hölzer zur Bedachung von ländlichen Wohngebäuden. Dieselben werden aus Fichten-, Tannen-, Lärchen-, seltener aus Eichen- oder Espenholz u. s. w. gemacht und sind 300‒1000 mm lang, 75‒150 mm breit, 6‒25 mm am Rücken dick. Man spaltet sie aus Klötzen keilförmig in der Richtung der Spiegel des Holzes, beschneidet sie mittels des Schnitzmessers, bildet an der dünnen Kante von beiden Flächen aus eine Zuschärfung und reiht auf der starken Kante mittels eines hakenförmigen Eisens eine Furche ein. Beim Auflegen auf ein Dach greift jede Schindel mit ihrer scharfen Kante in die Furche der benachbarten ein. Die Herstellung der D. geschieht entweder von den Landbewohnern mittels Handarbeit oder mittels Schindelmaschine. Diese besteht aus einem eisernen Gestell, welches 1,6 m lang und 1,2 m breit ist. Unterhalb des Tisches der Maschine befindet sich eine Welle gelagert, welche folgende Werkzeuge trägt: eine Kreissäge zum Schneiden des Holzes auf die Dicke der Schindel; einen Messerkopf zum Glätten der geschnittenen Schindeln und zwei kleine Kreissägen mit eigens geformten Zähnen, womit die Nut und Feder der Schindel hergestellt wird. Die verbreitetste Konstruktion der Schindelmaschine ist die von Gangloff. Sie liefert mit zwei geübten Arbeitern und einem Gehilfen in einer Stunde 3‒400 Stück 58 cm lange, 2 cm starke und 10‒15 cm breite Schindeln.
Dächsel, s. Dachshund.
Dachsfelle. Die Felle der Dachsarten werden meist geschoren und zu Leder verarbeitet, während man aus dem borstigen Haar Pinsel herstellt. Mit den Haaren zugerichtet, dienen sie als Überzüge zu Jagdtaschen, Tornistern, Pferdegeschirr u. a. Am besten sind die Felle deutscher Dachse; dann folgen dänische, ungarische, russische, tatarische. Als Pelzwerk findet nur der nordamerik. Dachs Verwendung, der weiche Behaarung hat.
Dachsfinder, Hunde, die zur Nachthatz auf Dachse abgerichtet sind.
Dachsgabel, eine große zweizinkige Gabel zum Töten des Dachses.
Dachshaube, sackförmiges Netz, das an die Röhren des Dachsbaues gestellt wird.
Dachshund, Dächsel (Canis vertagus), eine eigentümliche Abart des Haushundes, die sich durch den langen, starken Leib und die kurzen, meist stark gekrümmten Vorderbeine mit einwärts stehendem Handgelenk, das kurze, straffe, glatt anliegende Haar, den großen Kopf mit langer Schnauze und breiten Schlappohren, den kräftigen Schwanz, die scharfen Krallen und das starke Gebiß auszeichnet (s. Tafel: Hunderassen, Fig. 3). Die Dächsel waren den Ägyptern, wie es scheint, schon bekannt, denn es findet sich eine Abbildung, die einen unsern heutigen Dächseln ähnlichen Hund darstellt; sie sind gewiß ursprünglich Jagdhunde mit krankem Knochensystem, deren verbildete Beine durch Züchtung typisch geworden sind. Sie haben eine sehr feine Nase, scharfes Gesicht, sind gelehrig, treu, wachsam, tapfer und unermüdliche Jäger, verderben aber jede Jagd im Freien durch den Mangel an Appell, das Ungestüm ihrer Verfolgung unter lautem Bellen und durch das Anschneiden der erlegten Beute. Schwarz und gelb sind ihre Hauptfarben; selten findet man andere Mischtöne des Pelzes. Von Charakter sind sie bissig, unverträglich, eigensinnig. Man benutzt sie vorzugsweise zur Fuchs- und Dachsjagd, indem man sie in den Bau hineinhetzt. Der Fuchs flüchtet meist vor ihnen; der Dachs hält ihnen stand. In Deutschland züchtet man besonders den kurzhaarigen, krummbeinigen D. von schwarzer Farbe mit gelben Flecken über den Augen. In England benutzte man denselben früher zum Drehen der Bratspieße in den Küchen (daher der Name Turnspit); jetzt züchtet man dort außer diesem noch den meist weißlichen, rauhen, grobhaarigen, als D. sehr beliebten schottischen D. (Scotch terrier) mit langen, ihm über das Gesicht hängenden Haaren, sowie den Otterhund (Skye terrier), den man auf den Hebriden, neuerdings auch in Deutschland zur Fischotterjagd benutzt. Beide engl. Arten haben fast gerade Beine.
Dachspäne (Spließen), s. Dachdeckung (S. 674 a).
Dachstein, Sammelname für alle die Dachdeckungsmaterialien, die aus natürlichen und künstlichen Steinen (Platten) bestehen. Zu den erstern gehören die Schieferplatten, zu den letztem namentlich die Dachziegel und die Platten aus Cement, Glas, Drahtglas. (S. Dachdeckung.)
Dachstein, die höchste Spitze der gleichnamigen Gruppe der Salzburger Kalkalpen, erhebt sich 55 km südöstlich von Salzburg an der Grenze von Oberösterreich, Salzburg und Steiermark zu 2996 m. Die Dachsteingruppe (s. Ostalpen), welche ein Areal von 891 qkm umfaßt, besteht aus einer ausgedehnten Hochfläche, welche sowohl von N. nach S. als auch von O. nach W. ansteigt, sodaß die höchsten Erhebungen in der Südwestumwallung liegen. Insbesondere in der letztern Richtung lassen sich deutlich drei Höhenstufen unterscheiden, das Kammergebirge, zumeist noch dicht bewaldet, mit vortrefflichen Almen, der Stein, welcher den Charakter des Steinernen Meers oder des Toten Gebirges aufweist, und die Umgebung des D. selbst mit dem Schladminger-, Hallstätter- und Gosauer-Gletscher. Die Südseite des Dachsteinstockes besteht aus Riffkalk, an den sich, abfallend, der geschichtete Dachsteinkalk (s. d.) in ungeheurer Mächtigkeit anlehnt. Der letztere ist von zahlreichen westöstlich streichenden Verwerfungen durchsetzt, an welchen ein staffelförmiges Absinken der Gebirgsmasse gegen N. zu stattgefunden hat. Das Dachsteingebirge ist einer der höchsten Teile der Nördlichen Kalkalpen; von den neun Gipfeln derselben, welche über 2900 m Höhe erreichen, enthält dasselbe allein vier, wird jedoch, was die Zahl der Gipfel zwischen 2800‒2900 m betrifft (3), von dem Rhätikon (4) und der Parseyer Kette (10) übertroffen. Der D. wird von Hallstatt (über die Simonyhütte, 2210 m), von Schladming (über die Austriahütte, 1630 m) und von Gosau (über die Grobgesteinhütte, 1700 m) bestiegen. Der Anstieg über die Felsen ist von der Sektion Austria des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, welche auch die genannten Hütten erbaut hat, durch Sprengungen, Einschlagen von eisernen Stiften und Klammern und Anbringung eines fortlaufenden