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Dachsteinbivalve – Dachstuhl
Schiffstaues erleichtert worden. Der Kaiser-Franz-Joseph-Reitsteig (ebenfalls ein Werk der Sektion Austria), der 1889 eröffnet wurde, ermöglicht die Erreichung der Simonyhütte und des Karls-Eisfeldes (Hallstättergletscher) auch zu Pferde. – Vgl. Simony, Das Dachsteingebiet. Ein geogr. Charakterbild aus den österr. Nordalpen (Wien 1889 fg.); Geyer, Führer durch das Dachsteingebirge (ebd. 1888).
Dachsteinbivalve, s. Dachsteinkalk.
Dachsteinkalk, mächtige Kalksteinmassen der obersten Abteilung der alpinen Trias (s. d.). Der D. ist dicht, weiß oder grau und zeigt oft große herzförmige Durchschnitte einer Muschel, der sog. Dachsteinbivalve (Megalodon). Seine großartigste Entwicklung besitzt der D. auf dem Dachstein, Watzmann, Göll- und Totengebirge sowie auf den Dolomitplateaus in Südtirol.
Dachstuhl, der Teil des Daches (s. d.), der zur Unterstützung der Dachdeckung dient. Er besteht außer der zur direkten Befestigung des Deckungsmaterials dienenden Schalung resp. Lattung (s. Dachdeckung) aus hölzernen resp. eisernen Konstruktionsteilen mit verschiedenem Zweck und Namen. Diejenigen Teile, die das Gerippe der Dachfläche bilden, heißen Sparren (s. d.). Alle andern zum D. gehörenden Teile haben den Zweck, diese Sparren entweder zu unterstützen oder sie untereinander zu verbinden (s. unten). Über die auf die Verbindung der Hölzer untereinander bezüglichen Fachausdrücke s. den Artikel Holzverband. Bezüglich des Baumaterials unterscheidet man hölzerne D., eiserne D. und solche aus Holz und Eisen. Die Form der D. richtet sich nach den äußern Dachformen (s. Dach) sowie nach besondern Konstruktionsprincipien, wie aus folgenden Beispielen hervorgeht.
Die einfachste Gestalt eines Satteldachstuhls für geringe Gebäudetiefe zeigt Tafel: Dachstühle Ⅰ, Fig. 1. Zwei sich gegenüberstehende Sparren, die zusammen ein Gespärre bilden, sind auf den Dachbalken (s. Balkenlage) aufgesetzt und am First verzapft oder angeblattet; die feste Verbindung der einzelnen Gespärre untereinander ist durch diagonal verlaufende, an der Innenseite der Sparren angenagelte Latten (Windrispen) bewirkt; durch Aufschieblinge am Fuße der Sparren wird die Dachfläche bis zum Dachgesims geführt. Bei größerer Gebäudetiefe (Fig. 2) werden Haupttragegerüste (Dachbinder) in Entfernung von 3,5 bis 5 m angeordnet, und man unterstützt die Sparren im First durch einen Firstrahmen, der durch Firstsäulen getragen wird und mit diesen durch Kopfbänder (s. Holzverband) verbunden ist; unten sind die Sparren auf einen Fußrahmen aufgeklaut, der parallel zur Traufkante läuft und auf die Dachbalkenlage aufgekämmt ist. Soll der Dachraum möglichst ausgenutzt werden, so ordnet man eine Zwischendecke (Fig. 4) an, die aus Kehlbalken besteht; diese dienen zugleich zur Unterstützung der Sparren und ruhen auf einem oder zwei (Fig. 8) von Stuhlsäulen getragenen Rahmen. Eine sehr gute Ausnützung des Dachraums bietet namentlich der oft verwendete versenkte D. (Fig. 5), bei dem der Dachbalken tiefer als der Sparrenfuß liegt, sodaß der Dachraum zum Teil von den Umfassungsmauern begrenzt wird. Die Dachneigung ist meist geringer als bei D. ohne Versenkung; dem dadurch entstehenden größern Seitenschub der Sparren wird durch Streben (geneigt) und Zangen (horizontal) begegnet; die Sparren ruhen am Fuße auf einem besondern von Säulen getragenen Versenkungsrahmen. Mit Versenkung sind auch die in Fig. 3, 7, 9, 10, 12, 13, 14, 15, 16 gezeichneten D. ausgeführt. Bei großer Spannweite der Dachbalkenlage benötigt sich eine mehrfache Unterstützung sowohl der letztern als auch der Sparren (Fig. 6). Beim zweisäuligen versenkten D. (Fig. 7 u. 9, letzterer mit Zwischendecke) und beim dreisäuligen D. (Fig. 10) gehen die Streben entweder in die Säule (festere Anordnung) oder direkt in den Sparren (raumgebende Anordnung). Fig. 15 zeigt einen siebensäuligen D. mit flacher Dachneigung für Holzcementbedachung; die Bindersparren sind gegen Durchbiegung mit den Säulen durch Streben verbunden, die unter 45° geneigt sind (s. auch Fig. 3). Zum Zweck guter Raumausnützung verschmilzt man auch Strebe und Säule in eins. D. mit solchen liegenden Säulen heißen liegende D. im Gegensatz zu den stehenden, d. h. mit senkrecht stehenden Säulen angeordneten D. Die liegende Säule trägt gewöhnlich den Stuhlrahmen (Fig. 14, linke Seite) oder der letztere ist auf die Doppelzange aufgekämmt (Fig. 14, rechte Seite); in Fig. 16 ist ein Firstrahmen angeordnet, dessen kurze Firstsäule durch besondere Streben von den liegenden Säulen aus getragen wird (abgesprengte Firstsäule). – Wo eine Unterstützung der Dachbalkenlage von unten nicht angeht, wie bei saalartigen Gebäuden, bewirkt man unter Zuhilfenahme der Hängewerke (s. d.) eine Aufhängung der Balkenlage; diese Art der D. nennt man freitragende (Fig. 11, 12, 13). ^[Sspaltenwechsel]
Bei den Pultdachstühlen kommen dieselben Systeme wie bei den Satteldächern zur Anwendung; Fig. 17 zeigt einen Zangendachstuhl mit unterstützter Balkenlage ohne Versenkung, Fig. 18 desgl. mit Versenkung, Fig. 19 ein freitragendes Pultdach mit einsäuligem Hängewerk, Fig. 20 ein ebensolches Pultdach mit zweisäuligem Hängewerk, hoher Versenkung und flacher Dachneigung; Pultdächer ohne Balkenlage für Perronüberdachungen zeigen Fig. 27 u. 28. – Mansardendachstühle werden durch Fig. 21 (für einen Wohnraum eines Seitengebäudes), Fig. 22 (für einen solchen eines Hauptgebäudes), Fig. 25 (für einen Bodenraum) veranschaulicht. – Satteldächer ohne Dachbalkenlage, bei denen eine große Spannweite durch vereinigte Hänge- und Sprengwerke erzielt wird, nennt man Hallendächer; Fig. 26 zeigt ein solches für einen Güterschuppen, Fig. 29 für einen Lokomotivschuppen, Fig. 32 für eine Gießerei (Laternendach) ; bei letzterm ist zur Unterstützung der Sparren ein zweisäuliges vereinigtes Hänge- und Sprengwerk in der Richtung der Dachneigung angeordnet. – Ein Zeltdach für eine sog. Polygonalscheune erläutert Fig. 30; dasselbe ist über achteckigem Grundriß errichtet und besteht aus acht Bindern (Graten) von der ersichtlichen Form. – Bei den Bohlendächern sind die Dachbalken durch Bohlenträger, krumme aus Bohlen zusammengesetzte Balken, ersetzt. Fig. 23 zeigt die ältere von Philibert de l’Orme (gest. 1570) erdachte Konstruktion, bei welcher der Träger aus mehrern nebeneinander angeordneten Lagen von segmentförmig ausgeschnittenen Bohlen besteht, wobei die Fugen der einzelnen Lagen versetzt sind. Nach der neuern von Emy (1825) erfundenen Konstruktion sind die vorgebogenen Bohlen in mehrern Lagen flach übereinander gelegt (Fig. 24). – Ein hölzernes Sheddach mit einfachem Hängewerk, als Fettendachstuhl konstruiert, bei welchem die Sparren von Fetten (das