Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dahlīn; Dahlmann

687

Dahlin – Dahlmann

Violett- und Dunkelpurpur darstellt. Auch das reine oder leicht mit Gelb, Grün, Rosa oder Purpur überhauchte Weiß ist nicht selten. Durch langjährige sorgfältige Zuchtwahl sind mehrere Klassen erzielt worden. Man unterscheidet hinsichtlich der Größe der Blumen großblumige und Liliput- oder kleinblumige, hinsichtlich der Höhe der Pflanzen hohe und Zwerggeorginen. Am beliebtesten sind in Deutschland die Liliput- und die Zwerggeorginen, in England möglichst großblumige Sorten. Die neueste Klasse ist die der Kaktusgeorginen, die mit ihren langen, schmalen und spitzen Blumenblättern Ähnlichkeit mit der Blume eines Cereus speciosissimus haben. Nachdem die Füllung und Form der Sorten mit gefüllten Blumen bis zur höchst möglichen Vollkommenheit gebracht worden ist, hat sich von England aus das Bestreben verbreitet, einfach blühende Sorten in verschiedenen Farben zu erzielen und sind bereits zahlreiche Sorten mit einfarbigen roten, schwarzroten, gelben, weißen und mit gestreiften Blumen gezüchtet worden. Der Hauptsitz der Georginenkultur in Deutschland ist die Stadt Köstritz. Zwei der dortigen Züchter, Ch. Deegen und J. ^[Johann] Sieckmann, haben sich während ihrer ganzen Lebenszeit ausschließlich mit der Kultur und Vervollkommnung der Georginen beschäftigt und sich in dieser Beziehung die hervorragendsten Verdienste erworben. Trotzdem die Georgine zur denkbar größten Vollkommenheit gebracht worden ist, hat die Zahl ihrer Liebhaber und ihre Verwendung als Zierpflanze in neuerer Zeit gegen früher bedeutend abgenommen. Ihre passendsten Plätze sind Rabatten, große Blumengärten und einfach gehaltene Hausgärten, dagegen läßt sie sich wegen ihres steifen und hohen Wuchses nicht gut auf Blumenparterren und andern modernen Schmuckplätzen und in landschaftlich gehaltenen Anlagen verwenden. Dagegen benutzt man die Zwerg-Liliputgeorginen zur Topfkultur und die Blumen einfarbiger weißer, roter und gelber, sowohl gefüllter wie einfach blühender Sorten zur Binderei. Für diesen Zweck werden in den Handelsgärtnereien einzelne zur Gewinnung von Schnittblumen in großen Mengen kultiviert.

Man vermehrt die Georginen durch Teilung des Knollenbüschels, aus Samen und aus Stecklingen. Die Knollen werden im November, nachdem man einige Tage vorher die Stengel abgeschnitten, aus der Erde gehoben und, an der Luft abgetrocknet, an einem dunkeln, frostsichern, weder zu feuchten, noch zu trocknen Ort aufbewahrt. Die gebräuchlichste Art der Vermehrung ist die Stecklingszucht. Zu diesem Behuf werden im März oder April die Knollen in ein warmes Beet gelegt und die infolgedessen zahlreich auftretenden Triebe, wenn sie 3‒5 cm lang geworden, mit einem Stückchen der Knolle abgeschnitten, in kleine Töpfe gesteckt und in einem geschlossenen Warmbeet gehalten, später in größere Töpfe gepflanzt und allmählich an die Luft gewöhnt. Die Vermehrung durch Aussaat ist bei gefüllt blühenden Sorten nur für Georginenzüchter von Interesse, welche neue Varietäten zu gewinnen hoffen, dagegen für alle Sorten mit einfachen Blumen zu empfehlen. Die Samen gelangen, nachdem sie im März oder April ins Mistbeet gesät und die jungen Pflänzchen Mitte Mai ins freie Land gepflanzt worden sind, schon von Mitte Sommer ab zur Blüte, sodaß man nur wenige besonders schöne Sorten zu durchwintern braucht, alle andern aber jährlich aus Samen ziehen kann. In derselben Weise werden D. gracilis Ortg. und D. Zimapani Roczl., zwei niedrig bleibende Arten mit ganz kleinen einfachen Blüten, behandelt. D. imperialis Roczl. ist eine 3‒4 m hoch werdende Art mit sehr großen weißen, rötlich gestrichelten Blüten; sie gelangt jedoch in Deutschland nur sehr selten zur Blüte.

Dahlīn, soviel wie Inulin.

Dahlmann, Friedr. Christoph, Geschichtsforscher, geb. 13. Mai 1785 zu Wismar, bezog, durch verwandtschaftliche Verhältnisse dazu bestimmt, 1802 die Universität zu Kopenhagen, um sich philol. Studien zu widmen. 1803 ging er nach Halle, wo besonders F. A. Wolf Einfluß auf ihn gewann, 1809 nach Dresden, wo er mit Heinr. von Kleist in ein freundschaftliches Verhältnis trat und von wo er mit diesem die österr. Schlachtfelder durchwanderte. Nachdem D. 1810 zu Wittenberg die philos. Doktorwürde erworben, habilitierte er sich zu Kopenhagen und hielt Vorlesungen über Aristophanes. Daneben begann er eingehendere histor. Studien, denen er sich seit seiner Berufung 1812 als außerord. Professor der Geschichte nach Kiel vorzugsweise zuwandte. Seit 1815 Sekretär der schlesw.-holstein. Prälaten und Ritterschaft, trat er eifrig für deren Rechte und gegen die dän. Regierung auf, wobei er immer auf dem Boden der Geschichte und des konkreten Rechts fußte. Dies veranlaßte ihn zum gründlichen Studium des positiven Staatsrechts sowie besonders der Geschichte und Zustände des Mittelalters. 1829 nahm D. den Ruf als Professor der Staatswissenschaften in Göttingen an. Auch wirkte er seit 1831 mit Kraft und Eifer gegen Reaktion wie gegen Revolution, und war wesentlich für das Zustandekommen des hannov. Grundgesetzes von 1833 thätig. Die Achtung seiner Mitbürger und das Zutrauen der Regierung machten ihn zu einer einflußreichen Person des Göttinger Universitäts- und hannov. Staatslebens. Als der neue König Ernst August 1. Nov. 1837 die Verfassung von 1833 aufhob, protestierte D. an der Spitze von sechs Kollegen gegen die ihnen angesonnene Verletzung ihres auf diese Verfassung geschworenen Eides und mußte deshalb mit ihnen, 14. Dez. 1837 des Amtes entsetzt, Göttingen und Hannover verlassen. D. wendete sich nach Jena und erhielt 1842 einen Ruf als ord. Professor der Geschichte und Staatswissenschaften nach Bonn. Hier hielt er mit großem Erfolge Vorlesungen über Politik sowie namentlich auch über die Geschichte der Englischen und der Französischen Revolution. An dem Zustandekommen der Germanistenversammlungen, 1846 in Frankfurt a. M. und 1847 in Lübeck, hatte D. wesentlichen Anteil. Die Revolution von 1848 rief ihn ins öffentliche Leben zurück. Zum Vertrauensmann Preußens beim Bundestage ernannt, half er den Verfassungsentwurf der Siebzehner ausarbeiten, den man vorzugsweise als sein Werk betrachten darf. In die Deutsche Nationalversammlung gewählt, ward er einer der Führer der Partei, die einen Deutschen Bundesstaat mit preuß. Erbkaisertum ohne Österreich wollte und wirkte dafür bei der Ausarbeitung der deutschen Reichsverfassung im Verfassungsausschuß. Der Malmöer Waffenstillstand, dessen Verwerfung er bei der ersten Verhandlung (5. Sept. 1848) durchsetzte, brachte ihn in Zwiespalt mit seinen polit. Freunden. Die ihm übertragene Aufgabe, ein neues Ministerium zu bilden, gelang ihm nicht. Als nach der Ablehnung der Reichsverfassung vom 28. März seitens Preußens ein großer