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Dalberg (Geschlecht) – Dalberg (Karl Theod. Ant. Maria, Reichsfreiherr von)
Seitenstücke zum «Wasserträger» und zum «Fidelio» genannt werden. Hervorragend ist D. in den Melodien seiner Romanzen und Chansons. – Sein Leben beschrieb Guilbert de Pixerecourt (Par. 1810).
Dalberg, früher Dalburg, altes Adelsgeschlecht des Nahegaues. Das Geschlecht erlosch um 1315 im Mannsstamme, worauf die Güter durch Vermählung der Erbtochter mit dem Ritter Gerhard, Kämmerer von Worms, aus diesen mit dem Namen D. übergingen. Schon im frühen Mittelalter wird ein Heribert, Kämmerer von Worms, erwähnt, der als Erzbischof von Köln 1002 Kaiser Heinrich Ⅱ. krönte und unter die Heiligen versetzt wurde. Durch vielfach den Kaisern geleistete Dienste war das Aachen der D. so groß, daß seit Kaiser Maximilian Ⅰ. bei jeder deutschen Kaiserkrönung der anwesende D. vom Kaiser den Ritterschlag als erster Reichsritter empfing. Nachdem das Geschlecht lange in mehrern Linien geblüht, erloschen diese allmählich, und 1722 beruhte der Mannsstamm nur noch auf der Familie des kaiserl. Geheimrats Philipp Franz Eberhard von D., der 1654 den Reichsfreiherrenstand erlangt hatte. Seitdem blühte das Geschlecht wieder auf und teilte sich in zwei Linien, die Dalberg-Hernsheimer, von dem Pfarrdorfe Hernsheim bei Worms (derzeit dem Freiherrn von Heyl zu Hernsheim in Worms gehörig), wo sich auch das Dalberger Archiv befindet, und die Dalberg-Dalbergsche Linie. Die erstere ist in neuerer Zeit erloschen, während die letztere in einem Zweige (Heßloch) fortbesteht.
Johann von D., geb. 1445, schloß sich den Humanisten an und wurde 1482 an den Hof des Kurfürsten Philipp von der Pfalz berufen, wo er sich besonders um die Förderung der Universität Heidelberg sehr verdient machte. Er wurde 1482 auch als Johann Ⅲ. zum Bischof von Worms gewählt, war Vorsteher der von Konr. Celtis gestifteten Societas literaria Rhenana seu sodalitas Celtica, die zu Heidelberg ihren Hauptsitz hatte, und stand auch mit Trithemius, Eitelwolff vom Stein und Reuchlin in gelehrtem Umgange. Er starb 23. Juli 1503. – Vgl. Zapf, Über Leben und Verdienste Joh. von D.s (Augsb. 1789); Morneweg, Johann von D., ein deutscher Humanist und Bischof (Heidelb. 1887).
Adolf, Freiherr von D., gefürsteter Abt zu Fulda, geb. 29. Mai 1678, gest. 3. Nov. 1737, gründete 1734 die Universität zu Fulda.
Wolfgang Heribert, Reichsfreiherr von D., Bruder des Großherzogs Karl von D. (s. d.), geb. 13. Nov. 1750, veranlaßte als Intendant des Mannheimer Theaters die erste Ausführung von Schillers «Räuber» (Jan. 1782) und die Anstellung Schillers als Theaterdichter in Mannheim. D. schrieb auch selbst mehrere Stücke, unter anderm «Der Mönch von Carmel», dramat. Gedicht (Berl. 1787). Er starb 28. Sept. 1806 als bad. Staatsminister zu Mannheim. An ihn sind Schillers «Briefe an den Freiherrn von D.» (Karlsr. 1819; 3. Aufl. 1838; neue Ausg., Halle 1890) gerichtet. – Vgl. Koffka, Iffland und D. Geschichte der klassischen Theaterzeit Mannheims (Lpz. 1865).
Emmerich Joseph, Herzog von D., des vorigen Sohn, Pair von Frankreich, geb. 30. Mai 1773 zu Mainz, begann sein öffentliches Leben zu Erfurt, trat dann in den bad. Staatsdienst und ging als bad. Gesandter nach Paris, wo er ein Günstling Talleyrands ward. Während des Feldzugs von 1809 leitete er die auswärtigen Angelegenheiten in Baden, verließ nach dem Frieden den bad. Dienst, ging nach Paris und vertauschte wegen seiner auf dem linken Rheinufer, mithin in dem damaligen Frankreich liegenden Stammgüter das deutsche Staatsbürgerrecht mit dem französischen. 1810 wurde D. von Napoleon, dessen Vermählung mit Marie Luise er einleitete, zum Herzog und Staatsrat erhoben und erhielt eine Dotation von 4 Mill. Frs. auf das Fürstentum Bayreuth. Als Talleyrand in Ungnade fiel, zog sich auch D. zurück, ward jedoch, nachdem sein Gönner im April 1814 an die Spitze der Provisorischen Regierung getreten, eins der fünf Regierungsmitglieder, welche die Restauration des Hauses Bourbon beförderten. Als bevollmächtigter Minister Frankreichs wohnte er auch dem Wiener Kongreß bei und unterzeichnete 1815 die Achtserklärung gegen Napoleon, der ihn dafür während der Hundert Tage ächtete. Nach der zweiten Restauration wurde D. Staatsminister und Pair und erhielt den Gesandtschaftsposten am Hofe zu Turin. Die letzten Lebensjahre brachte er auf seinem Schlosse Hernsheim zu, wo er 27. April 1833 starb. ^[Spaltenwechsel]
Dalberg, Karl Theodor Anton Maria, Reichsfreiherr von, letzter Kurfürst von Mainz und Erzkanzler, später Fürst-Primas des Rheinbundes und Großherzog von Frankfurt, geb. 8. Febr. 1744 zu Hernsheim bei Worms als Sohn von Franz Heinr. von D., kurfürstl. mainzischen Geheimrat, Statthalter von Worms und Burggrafen zu Friedberg, ging schon im 15. Jahre auf die Universität Göttingen, von da nach Heidelberg, wo er 1761 als Doktor der Rechte promovierte, und unternahm hierauf mehrere Reisen. Nach der Rückkehr widmete er sich dem geistlichen Stande, studierte Theologie in Worms, Mannheim und Mainz, wurde Kapitularherr bei dem Erzstifte Mainz und Domherr in den Hochstiften Würzburg und Worms und 1772 zum Wirkl. Geheimrat und Statthalter von Erfurt ernannt. Während seiner dortigen vieljährigen Wirksamkeit blühte das Land unter seiner freisinnigen und humanen Verwaltung sichtbar auf. Mehr vielseitig als gediegen gebildet, zog D. die verschiedensten Talente, Schriftsteller, Gelehrte, Künstler und Handwerker in seine Nähe; durch ungewöhnliche Liebenswürdigkeit, durch Versöhnlichkeit auch gegen die Evangelischen gewann er die Herzen für sich. Besonders der Verkehr mit Schiller übte auf ihn einen bedeutenden Einfluß. Nachdem er zum Rektor der Universität Würzburg ernannt worden, verbesserte er in erfolgreicher Weise alle Schulen des Bistums. Karl August von Weimar und die preuß. Regierung verwendeten sich, im Interesse des Fürstenbundes, für D.s Wahl zum Koadjutor von Mainz. 1787 wurde die Wahl durchgesetzt. D. schloß sich dem Fürstenbunde an. Zwei Wochen später wurde er auch Koadjutor im Hochstift Worms, 1788 Koadjutor von Konstanz und Erzbischof von Tarsus. 1800 gelangte D. zur Regierung des Hochstifts Konstanz, und 1802 nach dem Tode Friedrich Karls (s. Erthal) wurde er Kurfürst zu Mainz und Erzkanzler des Deutschen Reichs. Nachdem infolge des Lunéviller Friedens die Besitzungen des Kurfürstentums jenseits des Rheins an Frankreich abgetreten, die diesseitigen aber 1803 säkularisiert waren, behielt D. die Würde als Reichskanzler und Metropolitan für ganz Deutschland, mit Ausnahme der preuß. und österr. Gebiete; er wurde außerdem durch Regensburg, Aschaffenburg, Wetzlar und andere Gebiete entschädigt. Um mit