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Dancla – Daṇḍin
mission für Apothekergehilfen wurde. Er starb 10. Jan. 1892. Im J. 1861 wurde er in die Kommission zur Herstellung einer Deutschen Pharmakopöe gewählt; die Pharmakopöe wurde 1865 gedruckt, aber nur im Königreich Sachsen eingeführt. D. hat sich besonders um die Reorganisation des Norddeutschen Apothekervereins, dessen Oberdirektor er von 1868 bis 1872 war, und um dessen Verschmelzung mit dem Süddeutschen Apothekerverein verdient gemacht. D. veröffentlichte in der «Pharmaceutischen Zeitung» zahlreiche Aufsätze; außerdem: «Vorschläge zu einer Arzneitaxe nach neuen Principien» (Magdeb. 1859); «Denkschrift über den internationalen Pharmaceutischen Kongreß in Wien» (Halle 1870).
Dancla (spr. dangklá), Jean Charles, franz. Komponist und Violinvirtuos, geb. 19. Dez. 1818 zu Bagnères de Bigorre, war Schüler des Pariser Konservatoriums, trat, nachdem er sich auch im Ausland als Virtuos bekannt gemacht hatte, 1834 als Sologeiger in das Orchester der Großen Oper und wurde im März 1857 als Violinprofessor am Pariser Konservatorium angestellt. Seine 150 Kompositionen sind Konzerte, Duos, Solos, Streichquartette, Klaviertrios u. s. w.; für einzelne wurde D. durch Preise ausgezeichnet. Ferner veröffentlichte er sehr brauchbare Werke für Unterrichtszwecke: «Méthode élémentaire et progressive de violon», «École de l’expression», «École de la mélodie», «Art de moduler sur le violon»; auch gab er die «Œuvres choisies de Viotti» heraus und schrieb «Les Compositeurs chefs d’orchestre, réponse à M. Gounod» (1873) über die Direktion des Orchesters durch den Komponisten. D.s Pariser Quartettsoireen genossen eines bedeutenden Rufs und großer Beliebtheit; in denselben wirkten neben ihm seine beiden jüngern Brüder Arnaud D., geb. 1. Jan. 1820, gest. Febr. 1862 zu Bagnères de Bigorre, tüchtiger Cellist und Verfasser einer Celloschule, und Leopold D., geb. 1. Juni 1823, trefflicher Geiger und Komponist von Etüden, Phantasien u. s. w.
D’Ancōna, Alessandro, ital. Litterarhistoriker, geb. 20. Febr. 1835 in Pisa, studierte die Rechte und Litteraturgeschichte, indem er sich zugleich lebhaft an der polit. Bewegung Italiens beteiligte; er galt als Vertreter der liberalen Partei Toscanas in Piemont. 1859 kehrte er nach Florenz zurück, wo er eine Stelle als Sekretär beim Militärdepartement erhielt und die Zeitschrift «La Nazione» leitete. 1860 wurde er Professor der ital. Litteratur an der Universität seiner Vaterstadt. Von seinen zahlreichen Schriften sind zu erwähnen: «Opere di Tommaso Campanella, scelte, ordinate ed annotate» (2 Bde., Tur. 1854), «La rappresentazione di Santa Uliva» (Pisa 1863), «La storia di Ginevra degli Almieri di Agostino Velletti» (ebd. 1863), «Il libro dei sette savi di Roma» (ebd. 1864), «La leggenda di Sant’ Albino e di San Giovanni Boccadoro» (Bologna 1865), «La leggenda di Vergogna e quella di Giuda Iscariota» (ebd. 1869), «La leggenda d’Adamo ed Eva» (ebd. 1870), «Novelle di Giovanni Sercambi» (ebd. 1871), «La vita nuova di Dante Alighieri» (2. Aufl., Pisa 1884), «I precursori di Dante» (Flor. 1874), «Sacre rappresentazioni del secoli ⅩⅣ, ⅩⅤ e ⅩⅥ» (3 Bde., ebd. 1872), «Le antiche rime volgari» (große Sammlung der ältesten ital. Lyrik nach der Vatikanischen Handschrift, 5 Bde., Bologna 1875‒88), «Origini del teatro in Italia» (2 Bde., ebd. 1877; 2. Aufl., Turin 1891), «La poesia popolare italiana» (Livorno 1878), «Studii di critica e di storia letteraria» (Bologna 1880), «Studii sulla letteratura italiana de’ primi secoli» (Ancona 1884), «Varietà politiche e letterarie» (2 Bde., Mail. 1883 u. 1885), «Poemetti popolari italiani raccolti ed illustrati» (Bologna 1889), «Manuale della letteratura italiana» (mit Bacci, Bd. 1, Flor. 1892). Alle diese Werke haben die Erforschung der ital. Litteratur sehr gefördert. – D.s Selbstbiographie steht in dem Sammelbande «Il primo passo» (Flor. 1882). ^[Spaltenwechsel]
Dancourt (spr. dangkuhr), eigentlich Florent Carton, franz. Lustspieldichter, geb. 1. Nov. 1661 zu Fontainebleau, mußte die jurist. Laufbahn verlassen, als er eine Schauspielerin heiratete, weshalb er selbst Schauspieler und Bühnendichter wurde. Er versuchte sich zunächst im höhern Lustspiel, wandte sich dann mehr der Posse zu, brachte Bauern und Bäuerinnen mit ihrem Dialekt auf die Bühne und verfaßte mit Benutzung von Tagesereignissen manches unterhaltende Stück. Seine besten Komödien sind: «Le chevalier à la mode» (1687), «Le galant jardinier» und (nach Duryer) «Les vendanges de Suresnes». Er starb 6. Dez. 1725 auf seinem Gute in Berry, wo er seit 1718 wohnte. Seine Werke erschienen zu Paris 1760 (12 Bde.). Eine Auswahl seiner besten Stücke geben die «Œuvres choisies de D.» (5 Bde., Par. 1810) und die «Chefs d’œuvres de D.» (3 Bde., ebd. 1822). – Vgl. Ch. Barthélemy, La comédie de D., étude historique et anecdotique (1882); J. Lemaître, La comédie après Molière et le théâtre de D. (Par. 1882).
Thérèse Lenoir de la Thorillière, Gattin des vorigen, geb. 1663, gest. 21. Mai 1725, war sowohl ihrer Schönheit wie ihres schauspielerischen Talents wegen bekannt.
Dandāren, Volk des Altertums, an den Abhängen des nordwestl. Kaukasus wohnhaft.
Dandenong, Ortschaft in der brit.-austral. Kolonie Victoria, 30 km südöstlich von Melbourne, ist Eisenbahnknotenpunkt und hat in dem nahen Staatsforst die höchsten Riesenbäume der Erde.
Dandin (spr. dangdäng), ursprünglich die Schelle des Viehes auf der Weide; bei Rabelais als Perrin D. Name eines Schiedsrichters, wird später durch Racine (Plaideurs) und Lafontaine (Fabl. Ⅸ, 9) sprichwörtliche Bezeichnung des gewissenlosen Richters. George D. in der gleichnamigen Molièreschen Komödie, ein dummstolzer, reicher Bauer, hat ein Edelfräulein geheiratet und sich dadurch viele Unannehmlichkeiten zugezogen. Seine Selbstanklage: «Vous l’avez voulu; vous l’avez voulu, George D., vous l’avez voulu» (meist fälschlich in der Form «Tu l’as voulu, George D.» citiert) ist sprichwörtlich geworden für selbstverschuldetes Unglück.
Daṇḍin, ind. Dichter aus dem 6. oder dem Anfange des 7. Jahrh. n. Chr. Er schrieb einen Roman, das Daçakumāracaritam, der für die Kenntnis der Kulturgeschichte sehr wichtig ist (hg. von Wilson, Lond. 1846; von Goḍabole und Paraba, Bombay 1883 und 1889 mit einheimischen Kommentaren; mit erklärenden Anmerkungen gab den ersten Teil heraus Bühler, ebd. 1873; den zweiten Bühler und Peterson, ebd. 1891; eine Analyse gab A. Weber, Ind. Streifen 1, 308 fg., Berl. 1868). Ferner verfaßte D. ein rhetorisches Werk, den Kāvyādarça (hg. in der «Bibliotheca Indica», Kalkutta 1863; mit deutscher Übersetzung von Böhtlingk, Lpz. 1890). Vielleicht gehört ihm auch an das Drama Mṛcchakaṭikā (s. d.).