803
D’Argen. – Dargun
eingeführt werden. Die östl. Ebene, mit rotem Sand bedeckt, ist der gesündeste Teil und wird mit Getreide bebaut. Der Westen und Süden ist ziemlich unfruchtbar und letzterer wegen des undurchlässigen Thonbodens ungesund, nur der Südosten, besonders bei Darra, zeichnet sich durch fetten Alluvialboden aus. Osten und Norden sind spärlich bewohnt, der Nordosten fast menschenleer. Der ergiebigste, bestangebaute und bewohnteste Teil ist die gebirgige Mitte. Die reichen Weiden an den Bergabhängen nähren große Herden von Kamelen, Rindvieh, Ziegen und Schafen, auch von Pferden. In den großen Wäldern am Bahr el-Arab hausen Elefanten, Nashörner, Giraffen, Büffel, in den Steppen, namentlich im Norden, ist die Jagdbeute an Antilopen, Gnus und Straußen außerordentlich reich.
Die Hauptbevölkerung bilden die For mit dem vorherrschenden Stamme der Kundschara. Sie sind Nigritier, von braunschwarzer Farbe, mit platten Nasen und zurückfliehender Stirn (s. Tafel: Afrikanische Völkertypen, Fig. 14). Die Sprache der Kundschara, vielleicht verwandt mit der Nubischen, gilt nach dem Arabischen als die allgemeinste im Verkehr. Die For sind eitel, hochmütig, unzuverlässig, heimtückisch und gegen Fremde äußerst feindselig. Die wohlhabenden Bewohner des Berglandes, im Besitz ansehnlicher Herden, sind roh, ungastlich und religiös fanatisch, aber sehr reinlich und fleißig; der Grad von Bildung ist höher als in Nubien. Von den eingewanderten Völkerstämmen wohnen im N. die Sogawah, Bideajat, Bischarin (Berber), im NO. die Fulbe und Homr; im W. die Massalat (zum Teil noch unabhängige Neger an der Grenze von Wadai); in Gruppen überall zerstreut die Takarir oder Takrur (Ackerbauer aus Wadai): in überwiegender Menge Araber vom Stamm der Tundschur im Gebirge und in der südl. Umgebung von el-Faschêr, die Bagara im Süden. Die Araber haben sich durchschnittlich rein und unvermischt erhalten und unterscheiden sich durch helle Farbe und regelmäßige Züge von den andern Bewohnern. Die herrschende Religion ist der Islam, der sich seit der Mitte des 18. Jahrh. hier festgesetzt hat. Die Industrie scheint nicht bedeutend. Außer Ackerbauern und Gärtnern giebt es Spinner, Weber, Färber, Gerber und Schmiede; man fertigt Lanzenspitzen, Pfeile, Bogen und grobe Ackergeräte; sehr entwickelt ist auch die Kunst des Flechtens (s. Tafel: Afrikanische Kultur Ⅰ, Fig. 12); europ. und amerik. Waren, namentlich Stoffe, wurden früher eingeführt. D. war vor dem Mahdiaufstand ein wichtiger Stapelplatz für den Sudanhandel. Große Karawanen gingen besonders nach Osten über Kordofan nach Ägypten. Die Ausfuhr bestand in Elfenbein, Gummi, Straußfedern, Tamarinden, Ochsenhäuten, Kupfer aus den südlich von D. gelegenen Ländern und in Sklaven.
D. ist geteilt in eine Central- oder Gebirgsprovinz, Darra, und in die im S. nach den Himmelsgegenden herumliegenden Provinzen: Dar Tokonawi (N.), Dar Abu Dali (O.), Dar Abu Uma (S.), Dar Abu Dima (SW.) und El Gharb (W.). El-Faschêr am Teich Tendelti, in 737 m Höhe, drittehalb Tagereisen östlich vom Fuße des Marrahgebirges, in einer sandigen, von einem Bache durchflossenen Ebene gelegen, ist die Hauptstadt des Landes; sie wurde nach ihrer Zerstörung im Kriege 1874 neu aufgebaut. Eine Tagereise nordwestlich von el-Faschêr liegt Kobeh, einst der volkreichste und wichtigste Handelsplatz D.s. Von hier gingen die Karawanen nach Siut und Dongola in Oberägypten und über Kabkabieh (1007 m ü. d. M.) nach Wadai und Bornu. ^[Spaltenwechsel]
Der eigentliche Begründer des Reichs D. ist Delil oder Dali (um 1500). Der Islam wurde unter Soliman Solon (1596‒1637) eingeführt; unter Ahmed Bokr (18. Jahrh.) wurden die Grenzen D.s bis zum Mbara ausgedehnt. Bekannt wurde in Europa der Name des Sultans Abd er-Rahman er-Raschid, der 1799 mit Bonaparte bezüglich der Lieferung von Sklaven in diplomat. Verkehr stand. Unter seinem grausamen und gefürchteten Sohne Mohammed el-Fahdl ging Kordofan wieder an Ägypten verloren. Ihm folgte 1839 sein Sohn Mohammed Hassin und diesem 1873 sein jüngster Sohn Brahim. Er fiel im Okt. 1874 in der Schlacht von Menawaschi gegen die Ägypter, welche im November in die Hauptstadt einrückten und das Land annektierten. Bei dem Aufstand der Mahdisten 1883 empörten sich die For gegen den Chediv, machten den ägypt. Gouverneur zum Gefangenen und erklärten sich unabhängig; später aber mußten sie sich der despotischen Herrschaft ihres Befreiers, des Mahdi in Omdurman, unbedingt unterwerfen. – Der erste Europäer, der D. betrat und 3 Jahre als Gefangener sich dort aushielt, war der Engländer Browne (Ende des vorigen Jahrhunderts). Der Sultan gestattete später keinem Weißen den Eintritt in sein Land; war ein solcher hineingelangt, so ließ er ihn nicht wieder frei. So erging es 1858 dem Franzosen Cuny. Auch die Expeditionen (z. B. von Kinzelbach und Munzinger 1862, die in Kordofan Halt machten) mußten infolgedessen aufgegeben werden. Dagegen verweilte Nachtigal auf seiner Reise von Wadai nach Ägypten 1873‒74 in D. – Vgl. Scheikh Mohammed Ibn Omar el-Tounsy, Voyage au D. (französisch von Perron, Par. 1845); Pfund, Reisebriefe aus Kordofân und D. (Hamb. 1878); Nachtigal, Sahara und Sudan (3 Bde., Berl. u. Lpz. 1879‒89); Paulitschke, Sudanländer (Freiburg 1885); Buchta, Der Sudan (Lpz. 1888).
D’Argen. hinter lat. Namen von Weichtieren bedeutet Ant. Jos. Dezallier d’Argenville (spr. darschangwíl), geb. 1680, gest. 1765 zu Paris. Er schrieb ein Prachtwerk über Konchylien.
Darginscher Bezirk, im nördl. Teil des russ.-kaukas. Gebietes Dagestan, sehr gebirgig, hat 1652 qkm, 79904 E., sunitische Lesgier, namentlich die Gemeinde Dargo am Kara-Kojssu, nach der der Kreis benannt ist. Sitz der Verwaltung ist im Dorf Kutuschi.
Dargo. 1) Gemeinde lesgischen Stammes, s. Darginscher Bezirk. – 2) Dorf (Aul) im Kreis Grosnyj des russ.-kaukas. Terekgebietes, am zum Terek gehenden Aksaj, war seit 1839 die Residenz Schamyls und wurde 1845 von Russen genommen.
Dargun, Marktflecken im Domanialamt D. (Herrschaft Rostock, 251,62 qkm, 8542 E.) des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, 21 km von Malchin und 13 km westlich von Demmin, am Klostersee und durch einen schiffbaren Kanal mit der Peene verbunden, ist seit 1851 mit dem Dorfe Röcknitz vereinigt, hat zwei 2 km lange, mit Bäumen bepflanzte Straßen und (1890) 2206 E., Post, Telegraph, Amt, Amtsgericht (Landgericht Güstrow), Forstinspektion; zwei Kirchen, darunter die got. Klosterkirche im Schloß, Industrieschule; Vorschußverein, zwei Mühlen, Dampfmolkerei und zwei Jahrmärkte. D. wird vielfach als Luftkurort besucht.