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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Deckenmalerei; Deckenputz; Deckenzeug; Decker

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Deckenmalerei – Decker (Familie)

wurde der See Dschipe aufgenommen und der diesen durchströmende Lumi als einer der Quellflüsse des Rufu oder Pangani erkannt. Auf einer neuen Expedition nach dem Kilima-Ndscharo wurde D. von Otto Kersten (aus Altenburg) begleitet. Die Reisenden brachen im Okt. 1862 von Mombas auf, gingen über Wanga ins Innere zum See Dschipe, durchzogen die Berge von Nord-Para und erreichten Klein-Aruscha, mit der Absicht, ins Land der Massai einzudringen. Da ihnen dies mißglückte, zogen sie durch Dschaggaland, besuchten die Königreiche Uru und Moschi, erstiegen von da aus 27. Nov. bis 1. Dez, den Kilima-Ndscharo bis zur Höhe von 4000 m und ergänzten die früher angestellten Beobachtungen. D. ging hierauf über die Landschaft Teita nach Mombas (26. Dez.) und von da nach Sansibar zurück (30. Dez.). Im Mai 1863 unternahm er eine Seereise nach mehrern Punkten der afrik. Ostküste und nach der Insel Réunion. Als der Plan, Madagaskar zu besuchen, gescheitert war, entschloß sich D. zu einem Besuch in Europa, während Kersten nach Sansibar zurückkehrte, und bereitete hier in der ersten Hälfte des J. 1864 eine neue große Expedition zur Erforschung der Flüsse Sabaki, Tana und Jub und deren Hinterländer vor. Im Okt. 1864 wandte er sich in Begleitung des österr. Linienschiffslieutenants von Schickh nach Sansibar zurück, wo im Dezember auch die übrigen für die Reise engagierten Europäer ankamen, darunter der Arzt Link und Richard Brenner (s. d.). Gleichzeitig kamen zwei Dampfer an, die D. in Hamburg auf eigene Kosten hatte erbauen lassen. Schon im Februar untersuchte er mit dem kleinen Dampfer «Passepartout» die Mündungen des Tana, 15. Juni aber fuhr er mit der ganzen Expedition auf dem großen Schiff «Wels» nach Norden ab und passierte 29. Juli den Jub. Nach Vermessung der Flußmündung begann 15. Aug. die Fahrt stromaufwärts. Am 1. Okt. wurde das am rechten Flußufer aufgeschlagene Lager, als gerade D. mit Link der Proviantierung wegen in Bardera weilte, von einer Schar Somal überfallen, wobei Maschinenmeister Kanter und Maler Trenn umkamen. D. selbst wurde 2. Okt. und zwei Tage darauf auch Link in Bardera ermordet. Die überlebenden Expeditionsmitglieder waren auf Booten entkommen und erreichten 6. Okt. die Flußmündung, 24. Okt. Sansibar. D.s Schicksal näher festzustellen, gelang weder ihnen noch dem 1866 von der Mutter und dem Bruder D.s ausgesandten Th. Kinzelbach (gest. Jan. 1868) und R. Brenner. Die reichhaltigen Reiseerlebnisse und wissenschaftlichen Beobachtungen wurden im Auftrag der Familie des Reisenden durch Kersten im Verein mit Fachgelehrten u. d. T. «Karl Klaus von der D.s Reisen in Ostafrika 1859‒65» (4 Bde., Lpz. 1869‒79) herausgegeben. Die Sammlungen der Expedition wurden den Museen der Berliner Universität geschenkt.

Deckenmalerei, Plafondmalerei, die Ausschmückung der Decken durch die Malkunst. Sie wurde zu allen Zeiten geübt und schreitet vom einfachen Anstrich bis zur künstlerischen Ausführung durch große Maler. Berühmt waren schon die Gewölbemalereien der Römer, von denen sich in den Thermen, in Pompeji u. a. Reste erhielten. Sie übertrugen sich auf die Katakomben Roms und gingen auf die gewölbten Kirchen der frühchristl. Zeit über, wo sie oft in kostbarem Glasmosaik ausgeführt wurden. Die mittelalterlichen Stile mit ihren Rippengewölben waren der D. nicht günstig. Um so großartiger entfaltete sich diese in der Renaissance Italiens, wo Raffael, Michelangelo (Sixtinische Kapelle im Vatikan) und andere große Meister ihr eine begeisterte Pflege zu teil werden ließen. Bei diesen Arbeiten wurde das architektonische System noch streng eingehalten, erst durch Correggio wurde der schon früher auftauchende Gedanke, die D. wie ein von unten gesehenes Bild zu behandeln, vollständig durchgebildet, sodaß in der Folge die Decken mit auf Wolken schwebenden Figuren, großartigen Architekturen u. dgl. geschmückt wurden. Die höchste Prachtentfaltung durch Mischung der D. mit Plastik und Architektur erreichte Cortona im Palazzo Pitti zu Florenz. Seiner Richtung folgten die Barockmaler Italiens (Pozzo, Galli Bibiena, Carlone, Tiepolo) und Deutschlands, namentlich des kath. Südens, sowie durch die Vermittelung Lebruns auch Frankreich. Erst Rafael Mengs führte das alte System zurück, das jetzt wieder herrschend ist. An flachen Decken konnte die D. nie eine gleiche Entfaltung erhalten. Dort ist sie meist mit Stuccaturarbeiten verbunden und beschränkt sich gewöhnlich auf ornamentale Ausschmückung. ^[Spaltenwechsel]

Deckenputz, der Bewurf einer Decke mit Kalkmörtel, Stuck oder Gips. Bei Gewölben wird der Mörtelbewurf unmittelbar auf den Stein aufgetragen, während Balkendecken vorher geschalt und berohrt werden müssen. Die Schalung besteht aus 2‒3 cm starken rauhen Brettern, die Berohrung aus Schilfrohr, einfachem oder doppeltem Rohrgewebe. An Stelle der Schalung und Berohrung tritt in neuerer Zeit häufig das Holzstäbchengewebe oder Leistengeflecht, welches senkrecht zur Richtung der Balken an die Unterkante derselben angenagelt wird und den Mörtelbewurf aufnimmt. Auf den Mörtelbewurf wird ein geglätteter Abputz aus feinem Mörtel, Haarkalk oder Gips aufgetragen, der dann zur Tünchung und Bemalung der Decke geeignet ist. Vielfach wird die Decke durch in Gips gezogene Profile oder in Gips geformte Ornamentstücke, an deren Stelle auch der leichtere und billigere Papierstuck treten kann, reich verziert. Diese Dekorationen treten als Rosetten für die Mittelverzierungen, als Gesimse und als Kehlen oder Vouten auf, welche letztern die Überleitung von den Wänden zur Decke bilden sollen.

Deckenzeug, auch Kotzen genannt, ein aus grobem Streichgarngespinst hergestellter, schwach gewalkter, nicht gescherter und sehr stark gerauhter Stoff mit pelzartig dichtem und langem Haar, der, glatt oder geköpert gewebt, zu Pferdedecken, Fuß- und Bettdecken verwendet wird.

Decker, Zählmaß, s. Decher.

Decker, Buchdrucker- und Buchhändlerfamilie in Basel, Colmar und Berlin. Georg D., geb. 26. April 1596 zu Eisfeld in Thüringen, errichtete um 1635 in Basel die Universitätsbuchdruckerei und starb daselbst 1661. Diese Druckerei, zu welcher später noch die Parlaments- und Hofbuchdruckerei in Colmar hinzukam, verblieb in ununterbrochenem Besitz der Familie bis 1. Aug. 1802, an welchem Tag Joh. Jakob Turneyßen in Basel sie um 200000 Frs. erwarb. Das Colmarer Haus bestand 1891 noch unter der Firma «Buchdruckerei D.» als Buch- und Steindruckerei. – Ein Nachkomme Georg D.s, Georg Jakob D., geb. 12. Febr. 1732 in Basel, ging 1751 nach Berlin, heiratete dort 1755 die Tochter des akademischen Buchdruckers Joh. Grynäus und übernahm dessen Geschäft. Er erhielt 1763 den