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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Decker

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Decker (Karl von) – Decker (Pierre Jacques François de)

Titel und 1765 die Rechte eines königl. Hofbuchdruckers und war später auch als Verleger thätig. 1782 wurde er zum Geh. Oberhofbuchdrucker ernannt und druckte als solcher 1787‒89 in einer besondern im königl. Schlosse errichteten Druckerei die 25 Bände umfassenden Werke Friedrichs d. Gr. Er starb 17. Nov. 1799, nachdem er bereits 1792 sein Geschäft seinem Sohne Georg Jakob D., geb. 9. Nov. 1765, übergeben hatte. Derselbe erweiterte das Geschäft durch Ankauf der Sommerschen Hofbuchdruckerei in Potsdam und durch Errichtung der Südpreußischen Hofbuchdruckerei (1892 im Besitz von Anna Röstel unter der Firma «W. Decker & Co. Hofbuchdruckerei») in Posen. Nach seinem 26. Aug. 1819 erfolgten Tode ging das Geschäft auf seine beiden Söhne Karl Gustav D. (geb. 23. Jan. 1801, gest. 20. April 1829) und Rudolf Ludwig D., geb. 8. Jan. 1804, über. Letzterer führte es seit 1829 allein fort. Aus seinen Pressen gingen hervor: Die «Œuvres de Frédéric le Grand», 1846‒57 in 30 Bänden größten Quartformats mit vielen künstlerischen Beilagen auf Befehl Friedrich Wilhelms Ⅳ. in 200 Exemplaren gedruckt; das «Neue Testament, deutsch durch M. Luther nach der Ausgabe von 1545» mit Holzschnitten nach Cornelius und Kaulbach, in 80 Exemplaren in Olifantfolio bei Gelegenheit der Londoner Industrieausstellung 1851 gedruckt (Preis 875 M.); Graf Stillfrieds Prachtwerk über die Krönung König Wilhelms von Preußen 1861 (1868, Preis 750 M.); das «Kursbuch der deutschen Reichspostverwaltung» (1855‒79); Werke von Bodenstedt, besonders dessen «Lieder des Mirza Schaffy» (in vier Ausgaben, 139. Aufl. 1891) u. a. 1863 wurde Rudolf Ludwig D. in den erblichen Adelsstand erhoben. Er starb 12. Jan. 1877. Seine Gemahlin Pauline von D., geborene von Schätzell, geb. 1812 in Berlin, gest. 9. Sept. 1882 in Eichberg bei Hirschberg in Schlesien, war bis zu ihrer Verheiratung (1832) beliebte Hofopernsängerin in Berlin und gab auch Liederkompositionen (anfangs unter dem Namen P. F. Marxhausen) heraus. – Vgl. Potthast, Die Abstammung der Familie D. (Berl. 1863).

Im J. 1877 erlosch die Firma «Königl. Geheime Oberhofbuchdruckerei (R. von Decker)». Die Druckerei ging in demselben Jahre durch Kauf an das Deutsche Reich über und wurde seit 1879, mit der preuß. Staatsdruckerei vereinigt, als «Reichsdruckerei» (s. d.) fortgeführt; das Verlagsgeschäft erwarben 1. Juli 1877 Otto Marquardt (Mitbesitzer bis 1885, gest. 1891) und Gustav Schenck. Letzterer, geb. 2. Mai 1830 in Berlin, schrieb unter dem Pseudonym R. L. Stab die Novelle «Auf dornigem Pfade» (Berl. 1869), den Schwank «Sekt» (in Kühlings «Album für Liebhaberbühnen», Nr. 127) u. a. Er führt seit 1885 das Geschäft unter der Firma «R. v. Deckers Verlag (G. Schenck)» fort und wurde 1886 zum Hofbuchhändler ernannt. Der Verlag umfaßt besonders Rechts- und Staatswissenschaft, Militaria, Geschichte (Werke von L. von Rönne, B. W. von König, von der Goltz, A. von Reumont u. a.), darunter viele amtliche Publikationen, besonders solche der Reichsdruckerei; dazu kommen ferner noch das «Berliner Fremdenblatt» (seit 1862), ein Tageblatt konservativer Richtung mit belletristischer Sonntagsbeilage, das 1892 an Schencks Sohn Max Schenck überging, und seit 1890 eine eigene Buchdruckerei mit Stereotypie, Galvanoplastik, Buchbinderei, 2 Gasmotoren, Dynamomaschine, 8 Pressen, 6 Hilfsmaschinen und 98 beschäftigten Personen. ^[Spaltenwechsel]

Decker, Karl von, preuß. General und Schriftsteller, geb. 21. April 1784 zu Berlin, wurde 1800 Offizier und zeichnete sich bei Preußisch-Eylau 1807 aus. Nachdem er durch den Frieden von Tilsit inaktiv geworden, trat er 1809 als Rittmeister in das Korps des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Öls, dem er nach England folgte. 1813 kehrte er in den preuß. Dienst zurück, wurde als Hauptmann im Generalstabe angestellt und wohnte den Feldzügen 1813, 1814 und 1815 bei. Seit 1817 Major, 1819 geadelt und 1821 Abteilungsdirigent im Topographischen Bureau, hielt er mehrere Jahre Vorlesungen an der Allgemeinen Kriegsschule, trat 1827 zur Artillerie zurück, wurde 1831 Brigadier der 1. Artilleriebrigade und 1841 als Generalmajor zur Disposition gestellt. Er starb 29. Juni 1844. Von seinen zahlreichen militär. Schriften sind hervorzuheben: «Die Artillerie für alle Waffen» (3 Bde., Berl. 1816), «Ansichten über die Kriegführung im Geiste der Zeit» (ebd. 1817), nach Rogniat bearbeitet; «Gefechtslehre der beiden verbundenen Waffen: Kavallerie und reitende Artillerie» (ebd. 1819), «Versuch einer Geschichte des Geschützwesens» (ebd. 1819; 2. Aufl. 1822), «Der kleine Krieg» (ebd. 1822; 4. Aufl. 1844), «Der Feldzug in Italien von 1796 und 1797» (ebd. 1825), «Taktik der drei Waffen» (2 Tle., ebd. 1828; 3. Aufl. 1851‒54). Mit Rühle von Lilienstern begründete D. 1816 das «Militär-Wochenblatt» und mit Ciriacy und Blesson 1824 die «Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Kriegs»; seit 1821 war er daneben in der Redaktion der «Militär-Litteraturzeitung» thätig, auch schrieb er Bd. 7 u. 8 der «Handbibliothek für Offiziere» über Strategie und Generalstabswissenschaft (Berl. 1836 u. 1841). Unter dem Namen Adalbert vom Thale verfaßte er einige gute Lustspiele, wie «Das Vorlegeschloß» und «Guten Morgen, Vielliebchen».

Decker, Pierre Jacques François de, belg. Staatsmann, geb. 25. Jan. 1812 in Zèle (Ostflandern), studierte Philosophie und Rechtskunde zu Paris und Gent und wurde dann in letzterer Stadt Advokat. 1835 gab er eine Gedichtsammlung «Religion et amour» heraus, und 1837 gründete er mit Ad. Dechamps (s. d.) die kath. «Revue de Bruxelles». 1839 wurde er vom Bezirk Termonde zum Deputierten gewählt; als eifriger Anhänger der sog. Unionspolitik veröffentlichte er das Pamphlet «Quinze ans de 1830 à 1845». Nach dem Sturz des gemäßigt-liberalen Ministeriums Brouckère (März 1855) trat er als Minister des Innern mit Vilain ⅩⅠⅠⅠⅠ. an die Spitze eines gemäßigt-kath. Kabinetts. Die Maibewegungen von 1857 und die darauf folgenden Gemeinderatswahlen machten seiner Verwaltung ein Ende. Seit 1857 wandte er sich vorzüglich Finanz- oder industriellen Operationen zu. Als er, nach dem Bankrott der Bankinstitute des Grafen Langrand-Dumonceau (s. d.), bei denen D. als Administrator fungiert hatte, Nov. 1871 zum Gouverneur von Limburg ernannt wurde, gab sich die Mißbilligung dieser Maßregel durch mehrtägige Straßentumulte kund, und D. reichte seine Entlassung ein. Er starb 6. Jan. 1891 in Brüssel. D. hat sich auch als Verfechter der vläm. Sprachinteressen verdient gemacht; er begründete diese Bewegung in der Schrift «Du pétitionnement en faveur de la langue flamande» (1840). Seine «Études historiques et critiques sur les monts-de-pieté en