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Decurio – Debitieren
mentlich aus Gallien, dann auch röm. Veteranen überlassen wurde. Von dieser Steuer wurden die Kolonisten (aber nicht ihre Besitzungen) decumates genannt. Die neue Grenze ward gegen das freie Germanien durch eine Befestigungslinie gesichert (s. Pfahlgraben). Die ganze innerhalb dieser Grenzen liegende Landschaft wurde zur Provinz Germania superior geschlagen; seit Ende des 3. Jahrh. n. Chr. nur noch unsicherer Besitz der Römer, ging sie bis zur Mitte des 4. Jahrh. an die Alamannen verloren. – Vgl. Müllenhoff, Über den südöstl. Winkel des alten Germaniens (in seiner «Deutschen Altertumskunde», Bd. 2, Berl. 1887).
Decurĭo, bei den alten Römern der Vorsteher einer Decurie, d. h. einer Abteilung von zehn Personen. In zehn Decurien zerfiel in den ältesten Zeiten Roms jede der zehn Curien, in welche jede der drei alten Tribus eingeteilt war. Ein D. führte auch im Kriege die zehn equites (Reiter), die ursprünglich wahrscheinlich eine jede jener Decurien zu stellen hatte; später nannte man D. auch den Anführer einer etwas größern Reiterabteilung. Auch auf die Geschworenen und Kollegien der verschiedensten Art ward die Einteilung in Decurien, die wenigstens zum Teil ebenfalls ihre Decurionen hatten, übertragen. Ferner wurden bei den Römern die Mitglieder der Senate in den Municipalstädten so genannt. Diese Decurionen hatten die Aufsicht über die innere städtische Verwaltung, und ihr Amt war in der Zeit der Republik und ersten Kaiser mit mancherlei Ehren und Vorteilen verbunden. Unter den spätern Kaisern, namentlich seit Konstantin, ward aber aus der ehrenvollen Mitgliedschaft im Rate der Stadt ein lästiges Amt, ja eine drückende Bürde, indem die Decurionen, als die Vorsteher der städtischen Gemeinden, für die Erfüllung der Lasten, die denselben auferlegt wurden, so z. B. für die Zahlung der Steuern, haften mußten und deshalb sogar in der freien Verfügung über ihr eigenes Vermögen beschränkt waren. Sie durften liegende Güter weder verkaufen noch verschenken, um ihren pekuniären Verpflichtungen immer nachkommen zu können; ja sie durften ohne Erlaubnis nicht einmal Reisen machen. Daher kam es, daß die zum Amt eines D. Verpflichteten sich diesem Stande zu entziehen suchten, und daß deshalb von den Kaisern gegen solche Versuche verschiedene Vorkehrungen getroffen werden mußten.
Decussātim (lat.), in Form einer röm. Zehn (Ⅹ), kreuzweise; Dekussation, Durchkreuzung; dekussieren, kreuzweise durchschneiden.
Decussis, altröm. Münze = 10 As, ein gegossenes Kupferstück von bedeutender Größe, mit einem Schiffsschnabel und dem Wertzeichen Ⅹ auf der einen, einem behelmten Kopfe (wahrscheinlich der Göttin Roma) auf der andern Seite.
De dato (lat.), abgekürzt d. d., vom Tage der Ausfertigung an. S. auch Datowechsel.
Dedeaghatsch, eine neue Stadt Thraziens im türk. Wilajet und Sandschak Adrianopel, am Ägäischen Meere, westlich der Maritzamündung, an Stelle des verschlammten Hafens Enos und an der Linie D.-Demotika-Kuleli-Burgas (112,95 km) der Türkischen Staatsbahnen, ist Ausfuhrplatz für das Maritzathal, mit einer Reede (Hafenbau ist projektiert), Anlageplatz der Dampfer, Sitz mehrerer Konsularagenten und hat etwa 1700 E.
De Decker, Pierre Jacques François, belg. Staatsmann, s. Decker. ^[Spaltenwechsel]
Dedekind, Friedr., Dichter, geb. 1525 zu Neustadt an der Leine, wurde 1576 Pastor zu Lüneburg, wo er 27. Febr. 1598 starb. Er verfaßte schon auf der Universität sein bestes, viel gelesenes und übersetztes Werk, den lat. «Grobianus» (s. d.; Frankf. 1549, in 1200 Distichen; 1554 um eine «Grobiana» vermehrt), eine ironische Sittenlehre, die bessern will, indem sie das Unflätige als normal mit allen ekelhaften Details abschildert. Viel schwächer sind seine spätern, deutsch verfaßten reformatorischen Tendenzdramen: «Der christliche Ritter» (Ülzen 1576), der den Sieg der Gläubigen über Laster und Teufel symbolisch darstellt, und «Papista conversus» (Lüneb. 1596), der die Leiden eines «bekehrten Katholiken» und seine Rettung durch Gott schildert; in beiden überwiegt die Lehre über die Handlung.
Dedekind, Konstantin Christian, Dichter, geb. 2. April 1628 zu Rheinsdorf im Anhaltischen, gest. als gekrönter Dichter, Mitglied des Elbschwanenordens und kursächs. Steuerkassierer 1713 zu Dresden, schrieb Lieder und Opern geistlichen Inhalts in der Weise der alten Mysterien, in der Form dem schlechten Geschmacke seiner Zeit huldigend. Sammlungen derselben sind: «Neue geistliche Schauspiele» (Dresd. 1670) und «Heilige Arbeit über Freud’ und Leid der alten und neuen Zeit» (ebd. 1676). Er übersetzte auch J. ^[Jacob] Kats «Elternspiegel», «Masinissa und Sophonisbe» und war auch als Komponist thätig.
Dedekind, Richard, Mathematiker, geb. 6. Okt. 1831 zu Braunschweig, habilitierte sich 1854 zu Göttingen, wurde 1858 Professor am Polytechnikum in Zürich und ist seit 1862 Professor an der Technischen Hochschule zu Braunschweig. D. hatte an der Herausgabe der gesammelten Werke und des wissenschaftlichen Nachlasses von Riemann wesentlichen Anteil; die angefügte Biographie Riemanns ist von D. geschrieben. Auch gab er Noten zum Nachlaß von Gauß (in dessen Werken, Bd. 2, Gött. 1863). Dirichlets «Vorlesungen über Zahlentheorie» sind von D. in 3. Aufl. (Braunschw. 1881) herausgegeben und mit Zusätzen versehen worden, die das Gebiet wesentlich erweitern. D.s Arbeiten gehören meist dem Gebiet der Analysis und der Zahlentheorie an.
Dedemsvaart, Kanal in der niederländ. Provinz Oberyssel, 41 km lang, erstreckt sich vom Zwarte Water bei Hasselt bis zur Vechte an der preuß. Grenze. Er verdankt seinen Ursprung dem Baron Wilh. Joh. van Dedem; 1809‒11 waren 19 km fertig gestellt, die weitere Fortsetzung erfolgte 1852 auf Kosten der Provinz. Die Vollendung des D. hat die Bildung neuer blühender Dörfer, D. mit 4000 E., Slagharen und Lütten, zur Folge gehabt und viel zur Wohlfahrt der sog. Vennkolonien beigetragen.
Dedham (spr. deddämm), Hauptstadt des County Norfolk im nordamerik. Staate Massachusetts, 16 km südwestlich von Boston am Charles River malerisch gelegen, hat (1890) 7123 E. und Industrie.
Dedignieren (lat.), stolz verachten, etwas seiner unwürdig erachten; Dedignation, Verachtung, Geringschätzung.
Dedikation (lat.), bei den Römern der feierliche Akt der Einweihung eines öffentlichen Gebäudes, durch den es dem Schutze einer Gottheit übergeben wurde. Jetzt bedeutet D. soviel wie Widmung.
Dedit (lat.), abgekürzt ddt. und dt., er hat gegeben, bezahlt.
Deditieren (neulat.), das Dedit (s. d.) hinzuschreiben, etwas als bezahlt anmerken.