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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Delisle; Délit; Delitsch; Delitzsch

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Delisle – Delitzsch (Kreis und Stadt)

schnitt, eine Gerade und eine Cissoide oder Konchoide, und andere Kombinationen erdacht. Die mathematisch genaue Konstruktion mittels Kreis und Gerade (Zirkel und Lineal) ist nicht lösbar.

Delisle (spr. -lihl), Guillaume, einer der Begründer der neuern Geographie, geb. 28. Febr. 1675 zu Paris, erhielt Unterricht von dem Astronomen Cassini und faßte schon frühzeitig den Gedanken, der geogr. Wissenschaft eine neue Grundlage zu geben. 1700 gab er eine Weltkarte, Karten von Europa, Asien und Afrika, einen Himmels- und einen Erdglobus von 31 cm im Durchmesser heraus. Dabei legte er, was seine meist blindlings den Längenbestimmungen des Ptolemäus folgenden Vorgänger vernachlässigt hatten, die bis zu seiner Zeit gemachten astron. Beobachtungen zu Grunde. Die Anzahl seiner Karten zur Geographie der Alten und Neuen Welt beläuft sich auf 134; unter ihnen zeigt besonders die letzte Ausgabe der Weltkarte von 1724 die Fortschritte, welche die Geographie bis dahin gemacht hatte. Er starb 25. Jan. 1726 zu Paris. Am geschätztesten ist die Ausgabe seines «Atlas géographique», welche Phil. Buache (2 Bde., Par. 1789) besorgte. Seine Abhandlungen erschienen meistens in den Memoiren der Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied er seit 1702 war.

Sein Bruder, Joseph Nicolas D., geb. 4. April 1688 zu Paris, widmete sich der Astronomie und ward bereits 1715 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1725 berief ihn Peter d. Gr. als Akademiker nach Petersburg, wo er eine Schule für Astronomie begründete, die bald Berühmtheit erlangte. 1747 kehrte er wieder nach Paris zurück, wo er 11. Sept. 1768 arm und vergessen starb. Das wichtigste Werk D.s ist das «Mémoire sur les nouvelles découvertes au nord de la Mer du Sud» (Par. 1752; 2. Aufl. 1753). Es enthält das Ergebnis der Bemühungen der Russen zur Entdeckung eines Weges aus dem Südmeere in die Gewässer im Norden von Amerika. Die «Mémoires pour servir à l’histoire et au progrès de l’astronomie, de la géographie et de la physique» (Petersb. 1738) blieben unvollendet. Sein «Avertissement aux astronomes sur l’eclipse annulaire du soleil que l’on attend le 25 Juin» (Par. 1748) ist eine vollständige Übersicht aller ringförmigen Sonnenfinsternisse.

Zwei andere Brüder, Simon Claude D., geb. Dez. 1675, gest. 1708, und Louis D., bekannter als D. de Lacroyère, der als Astronom seinem Bruder Joseph Nicolas nach Petersburg folgte und 22. Okt. 1741 auf Awatscha starb, haben sich ebenfalls als Gelehrte, jener als Historiker, dieser durch seine Reisen nach Sibirien und Kamtschatka sowie als Begleiter Berings (1741) verdient gemacht.

Der Vater sämtlicher Brüder, Claude D. oder De l’Isle, geb. zu Vaucouleurs bei Toul 5. Nov. 1644, gest. 2. Mai 1720 zu Paris, erwarb sich durch mehrere geogr., histor. und chronol. Werke einen geachteten Namen.

Delisle (spr. -lihl), Jacques, s. Delille, Jacques.

Delisle (spr. -lihl), Leopold Victor, franz. Historiker und Paläolog, geb. 24. Okt. 1826 zu Valognes (Depart. Manche), besuchte die Urkundenschule in Paris, erhielt dann eine Anstellung in der Abteilung der Handschriften der Nationalbibliothek, wurde 1871 Direktor dieser Abteilung und 1874 als Administrateur général an die Spitze der Nationalbibliothek gestellt. Von seinen zahlreichen histor. und bibliogr. Schriften sind hervorzuheben: «Carrulaire normand de Philippe Auguste» (1852), «Catalogue des actes de Philipp Auguste» (1856), «Recueil de jugements de l’echiquier de Normandie au ⅩⅢ<sup>e</sup> siècle» (1860), «Rouleaux des morts du Ⅸ<sup>e</sup> au ⅩⅤ<sup>e</sup> siècle» (1866), «Histoire du château et des sires de Saint-Sauveur-le-Vicomte» (Valognes 1867), «Chronique de Robert de Torigny, abbé du Mont Saint-Michel» (2 Bde., 1872‒74), «Mandements et actes divers de Charles Ⅴ» (1874) u. s. w. Außerdem hat er die Vorrede des «Monasticon Gallicanum» (2 Bde., 1871) verfaßt, eine verdienstvolle Arbeit über «Le cabinet des manuscrits de la Bibliothèque nationale» (3 Bde., 1868‒81) geliefert, ein «Inventaire des manuscrits à la Bibliothèque impériale du fonds latin» (5 Tle., 1863‒71) aufgestellt und die Herausgabe des «Inventaire général et méthodique des manuscrits français» (Bd. 1‒2, 1876‒78) begonnen. Er leitet mit Jourdain und de Wailly die Herausgabe des «Recueil des historiens des Gaules et de la France». – Vgl. Mme. N. Oursel, Nouvelle biographie normande (Par. 1885); G. Pawlowski, Les maîtres bibliographes français et les grands bibliophiles d’aujourd’hui, Bd. 9 (1887).

Délit (frz., spr. -lih), s. Delikt; D. flagrant, s. Flagrant; D. manque (spr. mangkeh), in der franz. Rechtssprache derjenige Fall des verbrecherischen Versuchs (s. d.), in welchem der Verbrecher seinerseits alles gethan hat, um den zur Strafbarkeit vorausgesetzten Erfolg herbeizuführen, letzterer aber durch zufällige Umstände verhindert worden ist.

Delitsch, Otto, Geograph, geb. 5. März 1821 zu Bernsdorf in Sachsen, studierte in Leipzig Theologie und wurde 1850 Lehrer an der dortigen Realschule. Seine Neigung wandte sich bald der Erdkunde zu; er wurde 1866 Privatdocent und 1874 außerord. Professor der Geographie an der Universität zu Leipzig und starb daselbst 15. Sept. 1882. D. redigierte von 1869 bis 1878 die illustrierte geogr. Zeitschrift «Aus allen Weltteilen» (Leipzig). Er gab Wandkarten, Kartennetze und einen Elementaratlas auf Wachstuch heraus; auch bearbeitete er die 26. und 27. Auflage von Steins «Geographie für Schule und Haus» (Lpz. 1866 u. 1873) und bearbeitete Westindien für Steins «Handbuch der Geographie und Statistik» (ebd. 1871). Seine letzte größere Arbeit war «Deutschlands Oberflächenform» (Bresl. 1880).

Delitzsch. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Merseburg, hat 756,77 qkm, (1890) 62612 E., 3 Städte, 156 Landgemeinden und 42 Gutsbezirke. – 2) Kreisstadt im Kreis D., 18 km nördlich von Leipzig, an der zur Mulde gehenden Löbber und den Linien Halle-Cottbus, Leipzig-Bitterfeld-Berlin und Leipzig-Zerbst-Magdeburg der Preuß. Staatsbahnen (2 Bahnhöfe), ist umgeben von teilweise noch erhaltenen Ringmauern mit zwei Warttürmen und schönen Promenaden, hat (1890) 8949 fast ausschließlich evang. E. (nur 216 Katholiken und 49 Israeliten), Post erster Klasse, Telegraph, Landratsamt, Amtsgericht (Landgericht Halle a. S.), Katasteramt, Kreiskasse, Untersteueramt, Vorschußverein, Stadt- und Kreissparkasse, Schuhmacher-Rohstoffgenossenschaft; freiwillige Feuerwehr, Kanalisation, Gasbeleuchtung und städtische Badeanstalt (seit 1892). Die

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