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Dietrich (Prinz zu Anhalt-Dessau) – Dietrich (Dominikus)
wurde, allerlei lokale Riesen- und Zwergensagen; auch ein märchenhaftes Verschwinden auf schwarzem Rosse wird ihm nachgesagt. Uhlands Vermutung (in Pfeiffers «Germania», Ⅰ), daß Mythen des Gottes Donar auf D. übertragen wurden, ist unerweislich. Unter den mittelhochdeutschen Gedichten, die ihn feiern, ragen hervor: «D.s Flucht», «Die Rabenschlacht», «Virginal», «Ecken Ausfahrt», «Sigenot», «Laurin», die «Rosengärten»; ihm gilt auch ein altnord. Prosaroman, die «Thidrekssaga». – Vgl. W. Müller, Mythologie der deutschen Heldensage (Heilbr. 1886); Karl Meyer, Die Dietrichsage in ihrer geschichtlichen Entwicklung (Bas. 1868); Heinzel, Über die ostgot. Heldensage (Wien 1889).
Dietrich, Prinz zu Anhalt-Dessau, preuß. Feldmarschall, geb. 2. Aug. 1702 als dritter Sohn des Fürsten Leopold Ⅰ., des alten Dessauers, trat, in der militär. Schule seines Vaters aufgewachsen, 1716 in holländ., 1718 in preuß. Dienste. Nachdem D. während des poln. Thronfolgekrieges 1734‒35 am Rhein mitgefochten hatte, nahm er rühmlichen Anteil an den beiden ersten schles. Kriegen und zeichnete sich in den Schlachten von Mollwitz und Hohenfriedberg aus. 1750 schied er infolge seiner bei Mollwitz erhaltenen Verwundung aus preuß. Dienste, nachdem er bereits 1747 zum Feldmarschall befördert worden war. Nach dem 1751 erfolgten Tode seines Bruders Leopold Ⅱ. übernahm er für den minorennen Thronerben bis 1758 die Regentschaft und starb 2. Dez. 1769 unvermählt.
Dietrich der Bedrängte, Markgraf von Meißen, der zweite Sohn des Markgrafen Otto des Reichen (s. d.) und Hedwigs, einer Tochter des Markgrafen Albrecht des Bären von Brandenburg, lebte in fast unausgesetztem Streit mit seinem ältern Bruder, dem nachmaligen Markgrafen Albrecht dem Stolzen (s. d.). Auch nach dessen Tode 1195 konnte er den Besitz der Mark erst antreten, als Kaiser Heinrich Ⅵ. gestorben war. (S. Sachsen, Kurfürstentum.) In dem Kampfe der Gegenkönige Philipp von Schwaben und Otto Ⅳ. stand D. auf Philipps Seite. Nach dessen Tode 1208 söhnte er sich zwar mit Otto aus, wendete sich aber später wieder den Hohenstaufen zu. Im Innern hatte er harte Kämpfe namentlich mit Leipzig und dem osterländischen Adel, der die Stadt unterstützte, durchzufechten. Er starb 17. Febr. 1221. Von seinen Söhnen folgte ihm der jüngste, Heinrich der Erlauchte.
Dietrich der Jüngere, Landgraf von Thüringen, s. Diezmann.
Dietrich von Niem, Geschichtschreiber, s. Niem.
Dietrich, Albert Herm., Komponist, geb. 28. Aug. 1829 in dem Forsthaus Golk bei Meißen, erhielt Musikunterricht bei Julius Otto in Dresden, 1847‒51 bei Rietz und Moscheles in Leipzig. Hierauf ging er nach Düsseldorf zu Robert Schumann, bei dem er bis zum Ausbruch von dessen Gemütskrankheit blieb. 1855 wurde er Dirigent der Abonnementskonzerte in Bonn und 1861 Hofkapellmeister in Oldenburg. D. ist einer der begabtesten musikalischen Lyriker Deutschlands. Seine D-moll-Sinfonie gehört unter die bedeutendsten Werke der neuern Orchestermusik. Daneben sind zu nennen in erster Linie seine Lieder, ferner: die Ouvertüre «Normannenfahrt», die Oper «Robin Hood» sowie mehrere Chorwerke, Konzerte für Violine und Cello u. s. w.
Dietrich, Anton, Historienmaler, geb. 27. Mai 1833 zu Meißen, Schüler von Bendemann und Schnorr von Carolsfeld in Dresden. Nach längerm Studienaufenthalte in Italien und Düsseldorf, wo er ein größeres Bild: Faust bei Gretchen im Kerker, vollendete, schuf er, seit 1862 in Dresden thätig, eine Reihe monumentaler Gemälde für die Aula der Kreuzschule und des Polytechnikums in Dresden, für das Johanneum in Zittau (Paulus predigt auf dem Areopag in Athen), für die Kirche zu Leisnig, für die Maria-Magdalenenkirche in Breslau, ferner größere Altarbilder für die Kirche in Buchholz und die Kreuzkirche in Dresden, für den Kirchensaal der Albrechtsburg in Meißen, außerdem zahlreiche Kompositionen zu Glasgemälden (z. B. für die Domkirche zu Riga) und 7 Kartons mit Darstellungen aus dem Leben Kaiser Ottos d. Gr. Von seinen Staffeleibildern sind ferner hervorzuheben: Lady Macbeth, Verleugnung Petri. ^[Spaltenwechsel]
Dietrich, Christian Wilh. Ernst, auch Dietrici oder Dietricy, Maler und Kupferstecher, geb. 30. Okt. 1712 zu Weimar, erlernte die Kunst bei seinem Vater und bildete sich später in Dresden unter dem Landschaftsmaler A. Thiele. Dort fand er an dem Grafen Brühl einen Beschützer, wurde 1741 Hofmaler und bereiste in seinem 30. Jahre auf königl. Kosten Italien. Vorzüglich studierte er in Rom und Venedig die niederländ. Meister, vor allen Rembrandt, Ostade und Poelenburg. Er wurde 1743 Galerieinspektor, 1763 Direktor der Porzellanmanufaktur zu Meißen, 1765 Akademieprofessor und starb 23. oder 24. April 1774 zu Dresden. D. ging von der franz.-theatralischen Manier seiner Zeitgenossen ab und bestrebte sich, den Geschmack auf die realistische Richtung der Niederländer zurückzulenken, blieb indes ebenfalls nicht frei von Manier. Er suchte seinen Stolz in der möglichst täuschenden Nachahmung anderer Maler, besonders Rembrandts. Am selbständigsten ist er in seinen zahlreichen Landschaften. Er lieferte auch viele Radierungen. Die Dresdener Galerie besitzt von ihm 53 Gemälde, unter denen hervorzuheben sind: Anbetung der Könige (1731), Auferweckung des Lazarus (1746), Kreuzigung Christi (1754), Verkündigung der Hirten, Thetis und Achilles (1766), Verwundete in der Nähe des Schlachtfeldes; ferner mehrere hundert Handzeichnungen. Seine nachgelassenen Kupferplatten, 82 an der Zahl, wurden von seinen Erben herausgegeben. Eine Anzahl seiner Handzeichnungen u. s. w. gab Otto (Lpz. 1810) in Kreidemanier auf Stein heraus. Wille, Darnstedt, A. Zingg, Weirotter, Levasseur u. a. haben nach ihm gestochen. – Vgl. Linck, Monographie der von D. radierten, geschabten und in Holz geschnittenen malerischen Vorstellungen (Lpz. 1846).
Dietrich, Dominikus, Ammeister von Straßburg, geb. 30. Jan. 1620 in Straßburg, stammte aus einer im 16. Jahrh. dort eingewanderten lothr. Familie Namens Didier, war seit 1647 nacheinander Mitglied der verschiedenen Ratskammern seiner Vaterstadt und wurde 1660 Ammeister. Er diente vielfach als Vermittler zwischen der Reichsstadt und den seit dem Westfälischen Frieden im Elsaß angestellten franz. Behörden und suchte unter schwierigen Verhältnissen die Neutralität Straßburgs zu wahren, erfuhr aber deshalb Verdächtigung und Anfeindung, die sich noch mehrten, als der Rat 1673 den Verfasser einer gegen D. gerichteten Schmähschrift zum Tode verurteilte. Als 1681 infolge der Réunionskammern (s. d.) der franz. General Monclar ^[offenbar damals gebräuchliche Schreibung für Montclar] mit 30000 Mann vor Straßburg rückte, ging D. mit einer Abordnung des Rates zu