244
Fraunhofersche Linien – Frayssinous
starb aber schon 7. Juni 1826 in München. Dort wurde ihm ein Erzbild errichtet.
F. hat sich um die Verbesserung der Fernrohre und anderer optischer Instrumente die größten Verdienste erworben. Zunächst erfand er eine Maschine zum Polieren großer, mathematisch genauer Kugelflächen, dann begann er 1811 Flintglas zu bereiten, das in allen Schichten dasselbe Brechungsvermögen besaß und das englische an Güte und Brauchbarkeit für optische Zwecke weit übertraf. In den J. 1814‒17 wurden von ihm die fixen dunkeln Linien des Spektrums zuerst genau bestimmt und zur Messung der Refraktion und Dispersion seiner Glasflüsse benutzt; sie heißen noch heute nach ihm die Fraunhoferschen Linien (s. d.) und haben durch die Spektralanalyse große Wichtigkeit erlangt. Er entdeckte ferner die Beugungsspektren, d. h. vollkommen homogene Farbenspektra, die ohne Prismen und nur durch die gegenseitige Einwirkung und Beugung der Lichtstrahlen entstehen, und leitete die darauf bezüglichen Gesetze ab. Außerdem erfand und verbesserte er mehrere Instrumente, wie das Heliometer, das zum Messen im absoluten Maße bestimmte achromatische Mikroskop, das Kreis- und Netzmikrometer, das repetierende Lampenfilarmikrometer, den parallaktischen Refraktor u. s. w. Unter den Instrumenten, die aus seiner Werkstätte hervorgingen, ist der Riesenrefraktor zu Dorpat (1824) eins der besten und schönsten. Seine Beobachtungen legte F. teils in den «Denkschriften» der Bayrischen Akademie, teils in Gilberts «Annalen der Physik» sowie in Schumachers «Astronomischen Nachrichten» nieder. Seine «Gesammelten Schriften» gab Lommel heraus (Münch. 1888).
Nach F.s Tode ging die Direktion des optischen Instituts auf Georg Merz, geb. 26. Jan. 1793 zu Bichl bei Benediktbeuern, über, der bereits seit 1818 als Werkführer in demselben gearbeitet hatte. 1830 ward Merz mit Joseph Mahler (geb. 12. Aug. 1795 zu Staufen im Allgäu) Teilhaber und 1839 Eigentümer des Instituts. Nach Mahlers Tode (21. Juni 1845) gelangte es in den alleinigen Besitz von Merz, der es seitdem in Gemeinschaft mit seinen Söhnen Ludwig (geb. 31. März 1817, gest. 16. März 1858 zu München) und Siegmund (geb. 6. Jan. 1824), seit 1858 unter der Firma «G. und S. Merz» fortführte. Unter Merz’ Leitung lieferte das Institut unter anderm die großen Refraktoren für Berlin, Bogenhausen bei München, für Pulkowa und Cambridge in Nordamerika. Nach dem Tode von Georg Merz (12. Jan. 1867) ging das Institut auf seinen Sohn Siegmund über, welcher in neuerer Zeit sich namentlich mit der Verbesserung der Objektive des Mikroskops und mit der weitern Zerlegung der Fraunhoferschen Linien beschäftigt hat. – Vgl. S. Merz, Das Leben und Wirken F.s (Landsh. 1865); Utzschneider in den «Astronomischen Nachrichten» (Bd. 5); Jolly, Rede (Münch. 1866); Voit, Joseph von F. (ebd. 1887).
Fraunhofersche Linien, dunkle Linien im Sonnenspektrum, die den im Sonnenlicht fehlenden Lichtarten entsprechen. Sie dienen zur genauen Bestimmung der Brechungsexponenten und der Wellenlängen der im Spektrum nächst angrenzenden Lichtarten. (Näheres s. Spektrum.)
Fraus (lat.), Betrug.
Fraustadt. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Posen, hat 479,59 qkm, (1890) 28150 (12882 männl., 15268 weibl.) E., 2 Städte, 47 Landgemeinden und 29 Gutsbezirke. – 2) F., poln. Wschowa, Kreisstadt im Kreis F., 25 km im NO. von Glogau, 11 km von der schles. Grenze, an der Linie Lissa-Glogau der Preuß. Staatsbahnen, in flacher, fruchtbarer Umgebung, mit zahlreichen Gärten in der Stadt, besteht aus der Alt- und der von geflüchteten evang. Schlesiern um 1650 begründeten Neustadt. F. ist Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Lissa) und Steueramtes, hat (1890) 6873 E., darunter 2769 Katholiken und 288 Israeliten, Post erster Klasse, Telegraph; königl. Gymnasium, verbunden mit Realgymnasium, 1811 als königl. Kreisschule gegründet, 1860 Realschule erster Ordnung, 1882 Realgymnasium, 1890 Gymnasium (Direktor Dr. Friebe, 15 Lehrer, 7 Klassen, 164 Schüler), höhere Mädchenschule, kath., evang. und israel. Volksschule, landwirtschaftliche Winterschule, je 2 evang. und 2 kath. Kirchen, neues Rathaus (1862) mit altem Turm, Waisenhäuser und Hospitäler, ein Rettungshaus, eine meteorolog. Station zweiter Ordnung, städtische und Kreissparkasse, Vorschußverein; Zuckerfabrik sowie Handel mit Getreide, Pelzen, Vieh und Wolle. – Bekannt ist F. durch den Sieg der Schweden unter Renskiöld 13. Febr. 1706 über die Sachsen und Russen unter Schulenburg. ^[Spaltenwechsel]
^[Abb. Wappen]
Frauwüllesheim, Dorf bei Düren (s. d.).
Fraxetīn, s. Fraxin.
Fraxīn, C₁₆H₁₈O₁₀, ist ein in Nadeln krystallisierendes Glykosid in der Rinde von Fraxinus excelsior L. Bei der Spaltung mit Säure liefert es Zucker und Fraxetin, C₁₀H₈O₅.
Fraxĭnus (lat.), die Esche (s. d.).
Frāy Bentos, auch Independencia, Stadt im Departamento Rio Negro der Republik Uruguay, links am Uruguay, 1859 gegründet, ist bekannt durch die von Gilbert aus Hamburg 1864 angelegten Anstalten zur Gewinnung des Liebigschen Fleischextrakts (s. d.). Mit den großen Schlachthäusern sind Schneidemaschinen, Anlagen zur Talggewinnung, zum Einsalzen der Häute, Herstellung der Blechbüchsen und zur Verpackung verbunden. Der ganze Betrieb (Aktiengesellschaft) ist fabrikmäßig und beschäftigt über 1000 Arbeiter.
Frayssinous (spr. fräßinúß oder -nuh), Denis, Graf von, franz. Prälat und Politiker, geb. 9. Mai 1765 zu Curières in der Gascogne, war Geistlicher an der Karmeliterkirche in Paris, wurde dann unter Napoleon Ⅰ. Generalinspektor der Akademie von Paris und erhielt ein Kanonikat bei der Kirche von Notre-Dame. Er predigte nun zu St. Sulpice, bis ihm dies 1809 seiner royalistischen Gesinnung wegen untersagt wurde. Nach der Restauration wieder im Besitz seiner Kanzel, bekämpfte er eifrigst alle nichtroyalistischen Ansichten und wurde zum Censor ernannt. 1816 wurde er erster Almosenier und Hofprediger Ludwigs ⅩⅧ., dann Bischof in partibus von Hermopolis, Großoffizier der Ehrenlegion, Graf und Pair; auch stellte man für ihn die Würde eines Großmeisters der Universität Paris wieder her. 1824 wurde ihm das neuerrichtete Ministerium des Kultus übertragen; in dieser Stellung begünstigte er die Jesuiten und die Kongregationen. Nachdem er 1828 zugleich mit Villèle das