Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

471
Galeerenofen - Galena
Vorder- und Hinterkastell, waren wegen ihrer geringen Höhe über Wasser (wegen der Nuder) wenig seefähig. Die G. enthielten 25-50 Ruderbänke, zwischen denen sich ein Plantengang befand, der die Verbindung zwischen Vorder- und Hinterschiff vermittelte. An jedem Ruder arbeiteten 3-5 Mann gleichzeitig. Die Besatzung einer Galeere belief sich auf etwa 450 Mann, davon etwa 220 Sträflinge, die übrigen Freie. Auf dem Vorderteil der G. hinter einer Querwand standen Geschütze, ein großes und mehrere kleinere (meistens Steingeschütze). Die Takelung bestand aus zwei Masten mit Lateinsegeln (s. d.). Bei der Entwicklung der Schiffahrt auf den Oceanen kamen die G. bald außer Gebrauch, während sie im Mittelmeer bis ins 19. Jahrh. noch verwendet wurden. Zum Rudern verwendeten christl. Staaten meistens bestrafte Verbrecher oder türk. Kriegsgefangene, während bei den Türken Christensklaven diese Dienste leisten mußten. Diese Ruderer, Galeerensklaven genannt, wurden an ihre Bänke mit Ketten geschlossen und ihr Los war sehr grausam. (S. Bagno.) Die Capitana, auf der sich der Galeerengeneral einschiffte, war sehr reich geschmückt und prunkvoll ausgestattet. Die Stellung solcher Generale und der höhern Offiziere war sehr gut dotiert, und da der Dienst wenig Anstrengung verlangte, wurden diese Posten meistens mit Günstlingen der Höfe besetzt. In der Seeschlacht von Tschesme 1770, wo die Russen die türk. Flotte vernichteten, traten die G. zum letztenmal als aktive Kriegsschiffe in einem größern Gefecht auf.
Galeerenofen, ein in verschiedenen Zweigen der chem. Industrie angewendeter Röhren- oder Retortenofen, bei dem eine oder zwei Reihen nebeneinander eingesetzter Röhren oder Retorten durch eine gemeinschaftliche Feuerung erhitzt werden können.
Galeerensklaven, s. Galeerenstrafe.
Galeerenstrafe, die Strafe, welche Verbrecher als Ruderer (Galeerensträflinge, Galeerensklaven) auf den Galeeren (s. d.) abzubüßen hatten - sie war früher eine der härtesten Strafen in Frankreich und einigen andern am Meere gelegenen Staaten; an ihre Stelle trat gegen Ende der Regierungszeit Ludwigs XIV. die Strafe des Bagno (s. d.).
Galēga L., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen, mit nur drei Arten in Südeuropa und Westasien. Es sind ausdauernde Kräuter mit unpaarig gefiederten Blättern und in Trauben gestellten weißen oder roten Blüten. Die gemeinste ist G. officinalis L. (Südeuropa), eine bei uns häufig als Zierde, seltener als Futter- und Arzneipflanze kultivierte, unter dem Namen Geißraute, Ziegenraute, Fleckenklee bekannte Staude mit reichbeblättertem, bis 1 in bohcm Stengel und langgestielten, blattwinkelständigen Trauben schön lilafarbener oder weißer Blüten.
Galeka, Kaffernvolk in Südafrika, s. Kaffern
Galēn, Arzt des Altertums, s. Galenus.
Gālen, Christoph Bernh. von, Fürstbischof von Münster, geb. 15. Okt. 1600 zu Haus Vispink in Westfalen als Sprosse eines alten westfäl. Geschlechts, erhielt bereits in seinem siebenten Jahre ein Kanonikat bei der Domkirche zu Münster. Nachdem er im dortigen Jesuitenkollegium und auf den Universitäten zu Köln, Mainz, Löwen und Bordeaux studiert, war er teils bei Gesandtschaften, teils bei der innern Verwaltung beschäftigt. 14. Nov. 1650 zum Fürstbischof von Münster gewählt, ergriff er mit Energie die Negierung und suchte sein Land von den hess. und schwed. Truppen zu befreien. Kaum war dies gelungen, so wurde er durch Streitigkeiten mit der Stadt Münster beunruhigt. Nach mannigfaltigen 1655-61 geführten Kämpfen und dreimaliger Belagerung Münsters kam 25. März 1661 der Vertrag wegen Übergabe der Stadt zu stände. 1662 wurde er zum Administrator des Stifts Corvei erwählt. Auf dem Reichstage zu Regensburg 1664 wurde G. nebst dem Markgrafen Friedrich von Baden zum Direktor des Kriegswesens der rhein. Allianz ernannt und nahm teil an dem Feldzug gegen die Türken. Nach seiner Rückkehr schloß er mit England 1665 einen Vertrag gegen die Niederlande, von denen er sich beleidigt glaubte, und griff sie zu Lande an, während England sie zur See bekriegte. Infolge des durch Ludwig XIV.18. April 1666' vermittelten Friedens zu Cleve räumten die Generalstaaten alle im Gebiete des Bischofs noch besetzten One mit Ausnahme der Herrschaft Borkelo. Nachdem er als Fürst von Corvei einen Streit mit dem Hause Braunschweig in betreff der Stadt Hörter 1671 glücklich beendet hatte, trat er 1672 dem franz. Bündnisse gegen die Niederlande bei. Er hatte bereits die Festungen Grall, Bredervord, Deventer, Koevorden genommen, als er sich durch die Überrumpelung von Koevorden (20. Dez. 1672) und durch das Bündnis zwischen dem Kaiser und dem Großen Kurfürsten zur Rückkehr nach Westfalen genötigt sah, wo er sogleich die Offensive ergriff. Vereint mit dem franz. Feldherrn Turenne gelang es ihn:, einen großen Teil der westfäl. Besitzungen des Kurfürsten von Brandenburg in seine Gewalt zu bringen. Doch erlitt er vor Koevorden bedeutende Verluste und schloß 21. April 1674 zu Köln mit den Verbündeten einen Friedensvertrag ab, worin er alle in den Niederlanden eroberten Orte herauszugeben versprach. Hierauf trat er 1675 dem Bunde des Kaisers gegen Frankreich bei und schloß im August desselben Jahres mit Dänemark und Brandenburg ein Bündnis gegen Schweden, wobei ihm der Angriff auf die Schweden gehörigen Herzogtümer Bremen und Verden zufiel. Nachdem im Aug. 1676 Stade, die Hauptstadt des Herzogtums Bremen, gefallen war, schlossen der Bischof und die Herzöge von Braunschweig einen Teilungsvertrag über die eroberten Herzogtümer, zufolge dessen ersterer das ganze Herzogtum Verden und Teile des Herzogtums Bremen erhielt. 1677 stellte G. den Spaniern an der Maas 9000 Mann Hilfstruppen gegen Frankreich und den Dänen 5000 Mann gegen Schweden, die auf Rügen, vor Malmö und bei Landskrona kämpften; 1678 rückte er in Ostfriesland ein und räumte das Land erst nach Empfang einer namhaften Geldentschädigung. Während der Friedensunterhandlungen zu Nimwegen, an denen er teilnahm, erkrankte er zu Ahaus und starb dort 19. Sept. 1678. - Vgl. Ehrhard, Geschichte Münsters (Münst. 1837); Tücking, Geschichte des Stifts Münster unter G. (ebd. 1865); Corstiens, Bernard van G., Vorst-Bisschop van Munster (Rotterd. 1872); Hüsing, Fürstbischof Christoph Bernhard Freiherr von G. (Münst. u. Paderb. 1887).
Gālen, Philipp, s. Lange, Ernst Philipp Karl.
Gälen, s. Gälisch.
Galena (spr. gällihnĕ), Hauptstadt des County Io Davicß im nordwestl. Winkel des nordamerik. Staates Illinois, auf beiden Seiten des für Dam-^[folgende Seite]