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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Germanus; Germany; Germar; Germen; Germer; Germersheim; Germinal; Germinieren; Gernot; Gernrode

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Germanus - Gernrode

deutschen Mennoniten aus Krefeld unter Penns Schutz angelegt wurde, ging 18. April 1688 der erste Protest gegen die Sklaverei aus. Am 4. Okt. 1777 schlug der engl. General Howe bei G. die amerik. Streitkräfte unter Washington.

Germanus (lat.), von denselben Eltern stammend, leiblich (von Geschwistern).

Germany (engl., spr. dschörmeni), Deutschland.

Germar, Ernst Friedrich, Mineralog und Entomolog, geb. 3. Nov. 1786 zu Glauchau, studierte zu Freiberg und Leipzig, habilitierte sich 1810 in Halle, unternahm 1811 eine wissenschaftliche Reise nach Dalmatien und wurde dann Direktor des Mineralogischen Museums in Halle. 1817 wurde er außerord., 1823 ord. Professor der Mineralogie, 1844 Oberbergrat und starb 8. Juli 1853 in Halle. Er schrieb: "Systematis glossatorum prodromus" (Halle u. Lpz. 1810), "Fauna insectorum Europae" (24 Hefte, Halle 1812-48), "Insectorum species novae aut minus cognitae" (Bd. 1: Coleoptera, ebd. 1824), "Grundriß der Krystallkunde" (ebd. 1830), "Lehrbuch der gesamten Mineralogie" (2. Aufl., ebd. 1837; neu bearbeitet von Andrä 1864), "Die Versteinerungen des Steinkohlengebirges von Wettin und Löbejün" (8 Hefte, ebd. 1844-52). Auch gab er das "Magazin der Entomologie" (4 Bde., ebd. 1813-21) und die "Zeitschrift für die Entomologie" (5 Bde., Lpz. 1839-44) heraus.

Germen (lat.), soviel wie Fruchtknoten (s. d.).

Germer, Pflanzenart, s. Veratrum.

Germersheim. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Pfalz, hat 469,83 qkm, (1890) 52459 (26590 männl., 25869 weibl. E., 37 Gemeinden mit 96 Ortschaften, darunter 1 Stadt. - 2) Bezirksstadt im Bezirksamt G. und Festung, 14 km im SW. von Speier, an der Mündung der Queich in den Rhein, der hier einen alten und bequemen Stromübergang darbietet, und an den Linien Schifferstadt-Speier-Lauterburg, G.-Zweibrücken-Saarbrücken (127,8 km) der Pfälz. Eisenbahnen und Bruchsal-G. (25,6 km) der Bad. Staatsbahnen, Sitz des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Landau) und Aichamtes, hat (1890) 6137 E., darunter 2720 Evangelische und 60 Israeliten, in Garnison (2519 Mann) das 2. und 3. Bataillon des 17. Infanterieregiments Orff, das 2. Bataillon des 2. Fußartillerieregiments, die 5. Compagnie des 2. Pionierbataillons und die 3. Compagnie des 2. Trainbataillons, Postexpedition, Telegraph, prot. und kath. Kirche, Lateinschule, ein Bezirksgremium für Handel und Gewerbe, mehrere Kasernen, eine Militärschiffbrücke und eine auf vier Pfeilern ruhende Eisenbahnbrücke; Getreide-, Tabak-, Hanf-, Flachs- und Obstbau, Fischerei, Schiffahrt, Schiffbau und Cigarren-, Essig- und Spritfabrikation, sowie eine Eisenbahnschwellen-Imprägnieranstalt. Auf dem rechten Rheinufer liegt ein Brückenkopf, der durch eine Schiffbrücke mit der Festung in Verbindung steht. Auch die Rheininsel Elisabethwörth oberhalb von G. ist befestigt.

Ursprünglich war G. ein röm. Kastell und Standquartier, Vicus Julii genannt. Dann soll es als Burg von Kaiser Konrad II. erbaut worden sein, wird aber urkundlich erst 1175 erwähnt; es verdankt größern Aufschwung dem König Rudolf I., welcher 1276 neben der Burg eine Stadt anlegte, diese durch Urkunde zu Worms vom 18. Aug. 1276 mit den Rechten der Freien Reichsstadt Speyer belehnte und wahrscheinlich dort 1291 starb. Kaiser Ludwig der Bayer verpfändete 1330 die Stadt an Rudolf II. und Ruprecht I. von der Pfalz; 1622 wurde sie von Leopold von Österreich erobert und war wechselnd im Besitze der Kaiserlichen, Schweden und Franzosen und kam 1648 wieder an Kurpfalz. 1674 wurde G. von Turenne eingenommen und die Festung zerstört. Das von den Franzosen wider Recht angesprochene Amt G. wurde von den pfälz. Ministern 1682 gegen eine Geldentschädigung an Frankreich abgetreten. Nach dem Tode des Kurfürsten Karl (1685) nahmen die Franzosen 1688 G. als Allodialerbe der Herzogin von Orléans in Besitz, mußten es aber im Ryswijker Frieden von 1697 der Pfalz zurückgeben, allein 1715 wurde Stadt und Amt G. von Frankreich als Zubehör des Elsasses beansprucht, in Besitz genommen und abermals befestigt. Auch im Österreichischen Erbfolgekrieg spielte G. 1744 durch die sog. bis an die Lautermündung aufgeführten "Linien von G. und Lauterburg" eine Rolle. Im Revolutionskrieg erfochten die Österreicher 19. und 22. Juli 1793 unter Wurmser einen Sieg über die Franzosen unter Beauharnais, dann kam G. unter franz. Herrschaft. Nach dem zweiten Pariser Frieden wurde 1816 die wieder bayrisch gewordene Stadt zur deutschen Bundesfestung bestimmt und blieb dies bis 1866. Bayern erhielt zum Bau 15 Mill. Gulden von den franz. Kontributionsgeldern. Die Arbeit selbst aber begann 18. Okt. 1834 und wurde nach der Neupreußischen Befestigungsmanier (s. d.) ausgeführt. Beim Ausbruch des Krieges 1870 war G. der Ausgangspunkt für die Operationen der deutschen Dritten Armee unter dem Kronprinzen von Preußen.

Germinal (frz., spr. schärrminall, "Keimmonat"), im Kalender (s. d.) der ersten franz. Republik der erste Frühlingsmonat, der in den J. I-VII vom 21. März bis 19. April, in den J. VIII-XIII vom 22. März bis 20. April des Gregorianischen Kalenders dauerte.

Germinieren (lat.), keimen, sprossen.

Gernot, im Nibelungenliede der mittlere der drei burgund. Könige, der Brüder Kriemhilds, ist an die Stelle des histor. Gundomar getreten. An Siegfrieds Ermordung ist er unbeteiligt; auf der Fahrt in Etzels Land empfängt er in Bechlaren von Rüdiger ein Schwert als Gastgeschenk, mit dem er im letzten Kampfe Rüdiger erschlägt, wie er auch durch Rüdiger fällt.

Gernrode, im Mittelalter Geronisroth, später Gerenrot, Stadt im Kreis Ballenstedt des Herzogtums Anhalt, 6 km im W. von Ballenstedt und unweit von Suderode, am Fuße des Unterharzes, in 224 m Höhe, unmittelbar unter dem wegen seiner herrlichen Aussicht vielbesuchten Stubenberg, an den Nebenlinien Frose-Quedlinburg der Preuß. Staatsbahnen und G.-Hasselfelde (40,6 km) der G.-Harzgeroder Eisenbahn, hat (1890) 2670 (1215 männl., 1455 weibl.) meist evang. E., Post, Telegraph, eine romanische, ehemalige Stiftskirche (10. Jahrh., 1859 restauriert), flach gedeckte dreischiffige Basilika mit Querschiff, zwei Chören, deren westlicher im 12. Jahrh. umgebaut ist und zwei runden Türmen, eins der merkwürdigsten Denkmäler mittelalterlicher Baukunst; Kur- und Kaltwasserheilanstalt; ferner Fabrikation von Zündhölzern, Gewehren und Fruchtsäften; Ziegelei, Steinbrüche, Gips- und Kalkbrennereien und bedeutenden Obstbau. G. wird als Kurort und Sommerfrische viel besucht (1892: 2530 Kurgäste). Das ehemalige Frauenstift G. wurde 960 von Gero (s. d.), Markgrafen der Ostmark, gegründet und