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Hempel – Henckel von Donnersmarck
Hempel, Gustav, Buchhändler, geb. 9. Jan. 1819 zu Waltershausen bei Gotha, errichtete 1846 in Berlin eine Verlagsbuchhandlung, die populäre Lieferungswerke, wie Försters «Preußens Helden im Krieg und Frieden», Zimmermanns «Wunder der Urwelt», Bernsteins «Naturwissenschaftliche Volksbücher», Littrows «Wunder des Himmels» u. a., pflegte, den größten Erfolg aber durch die «Nationalbibliothek sämtlicher deutscher Klassiker» (1. Sammlung 715 Lfgn.; 2. Sammlung 151 Lfgn.) errang. Es war dies nach dem Erlöschen der Verlagsprivilegien 1867 die erste billige Ausgabe der Meisterwerke der deutschen Litteratur, wobei H. neben Vollständigkeit der Werke eines jeden Autors auf fehlerfreie Wiedergabe der unverfälschten Texte die größte Sorgfalt verwendete. Am meisten Anerkennung fand seine Ausgabe von Goethes Werken (36 Bde.), besorgt von G. von Loeper, Fr. Strehlke und W. Freiherr von Biedermann. H. starb 13. Jan. 1877. Die Firma «Gustav Hempel» ging 1877 über an H. Bernstein (gest. 4. Nov. 1887), Hugo Bernstein und V. Frank; sie wurde 1. Jan. 1887 mit «Dümmlers Verlagsbuchhandlung» (s. d.) in Berlin vereinigt und ist wie diese seit 1888 im alleinigen Besitz von Hugo Bernstein. H. war auch Mitinhaber der Landwirtschaftlichen Verlagsbuchhandlung in Berlin (seit 1881 «Paul Parey», s. d.). – Vgl. Sabell, Gustav H. (Berl. 1877).
Hempr. et Ehrbg., nach naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Friedrich Wilhelm Hemprich und Christian Gottfried Ehrenberg (s. d.).
Hemprich, Friedr. Wilh., Naturforscher, s. Ehrenberg, Christian Gottfried.
Hems, in Syrien, s. Emesa.
Hemskinder, s. Haimonskinder.
Hemsterhuis (spr. -heus), Tiberius, holländ. Philolog, geb. 9. Jan. (nach andern 1. Febr.) 1685 zu Groningen, wurde von seinem Vater, einem Arzte, vorbereitet, sodaß er schon im 14. Jahre die Universität seiner Vaterstadt besuchen konnte, wo er vorzüglich Mathematik studierte. Einige Jahre darauf ging er nach Leiden, um die Handschriften der dortigen Universitätsbibliothek zu ordnen, und erhielt 1704 die Professur der Mathematik und Philosophie zu Amsterdam, 1717 die der griech. Sprache zu Franeker, die er aber erst 1720 antrat. Er wurde 1740 als Lehrer der griech. Sprache und der Geschichte nach Leiden berufen, wo er 7. April 1766 starb. Er ist das vollendete Muster eines echten Humanisten. Nach den Vorarbeiten von J. ^[Joseph Justus] Scaliger und Saumaise gab er zuerst dem Studium der griech. Sprache eine wissenschaftliche Grundlage und wurde so der Stifter einer eigenen Schule, aus der Ruhnken und Valckenaer als seine berühmtesten Schüler hervorgingen. Seine Hauptwerke sind die Ausgabe des «Onomasticon» von Pollux (2 Bde., Amsterd. 1706), die ausgewählten Gespräche des Lucian (ebd. 1708 u. 1732) und der «Plutus» des Aristophanes (Harlingen 1744; vermehrter Abdruck von Schäfer, Lpz. 1811). Aus seinem Nachlaß gab Geel die «Anecdota Hemsterhusiana» (Leid. 1825) heraus. – Ein treffliches Bild seines Lebens und Wirkens giebt Ruhnken in dem «Elogium Hemsterhusii» (Leid. 1768, 1789 u. 1824), das in Deutschland von Lindemann in den «Vitae duumvirorum T. Hemsterhusii et D. Ruhnkenii» (Lpz. 1822) u. a. von neuem herausgegeben wurde.
Sein Sohn, Franz H., Kunstkenner und philos. Schriftsteller, geb. 1722 in Groningen, bekleidete, nachdem er längere Zeit in Leiden und im Haag gelebt hatte, die Stelle eines ersten Commis bei der Staatskanzlei der Vereinigten Niederlande und starb 1790 im Haag. Er widmete sich besonders dem Studium der alten Philosophie, namentlich der Sokratischen, suchte auch den durch Locke verbreiteten Sensualismus weiter auszubilden und auf populäre Weise darzustellen. Zu seinen ästhetischen und archäol. Schriften gehören die «Lettres sur la sculpture» (Haag 1769) und die «Lettre sur une pierre antique» (ebd. 1762). Der Religionsphilosophie sind der Dialog «Aristée, ou de la divinité» (1779) und die «Lettre de Dioclès à Diotime sur l’athéisme» (1785) gewidmet. Außerdem schrieb er «Sur le désir», «Sur l’homme et ses rapports», «Simon, ou des facultés de l’âme», die Dialoge «Alexis, ou de l’âge d’or» (1787) und «Sophyle, ou de la philosophie» (1778). Seine «Œuvres philosophiques» gab Jansen 1792 heraus; schon vorher waren die wichtigern deutsch, als «Vermischte philos. Schriften des Franz H.» (3 Tle., Lpz. 1783‒92), erschienen. Die neueste Ausgabe besorgte Meyboom (3 Bde., Leeuwarden 1846‒50). – Vgl. Grucker, François ^[Fehlt: «] H., sa vie et ses œuvres» (Par. 1866).
Henāres (spr. en-), Fluß in den span. Provinzen Guadalajara und Madrid, entspringt in der Sierra Ministra, fließt nach SW. und mündet nach einem Laufe von 150 km bei Mejorada del Campo in den Jarama. Er speist den Henareskanal und bewässert so 12000 ha im Thale von Guadalajara und Alcala.
Hencke, Karl Ludw., Astronom, geb. 8. April 1793 zu Driesen in der Altmark, machte als freiwilliger Jäger die Freiheitskriege mit und wurde bei Lützen verwundet. Später war er an verschiedenen Orten als Postbeamter, zuletzt als Postmeister zu Friedeberg in der Neumark thätig. Nachdem er seinen Abschied genommen, widmete er sich in Driesen der Astronomie, wurde der Entdecker zweier kleiner Planeten, der Asträa (1845) und Hebe (1847), und lieferte eine der Berliner akademischen Sternkarten. H. starb 21. Sept. 1866 zu Marienwerder.
Henckel von Donnersmarck, ein in Schlesien ansässiges Geschlecht, das seinen Ursprung von Peter von Thurzo auf Donnersmarck oder Csötörtökhely im Zipser Komitat herleiten will, der um 1378 zuerst den Namen Hen-Kell geführt und beibehalten haben soll. – Lazarus H. (geb. 1551, gest. 1624), kaiserl. Hofdiener, Handelsmann und Hoflieferant, später Direktor der Bergwerke in allen kaiserl. Erblanden, erlangte 1615 den Reichsfreiherrenstand und brachte sein Haus zu großem Ansehen; unter anderm erwarb er 1623 die schles. Herrschaften Beuthen und Oderberg. – Von seinen Söhnen wurde Lazarus Ⅱ. H. (geb. 1573) 18. Dez. 1636 auch in den böhm. Freiherrenstand, dann von Kaiser Ferdinand Ⅲ. 29. Juli 1651 in den Reichsgrafenstand erhoben. Er hinterließ bei seinem 1664 erfolgten Tode drei Söhne, von denen der älteste, Graf Elias H. (geb. 1603, gest. 1667), Stifter der 1803 erloschenen Oderberger Linie wurde, der zweite, Graf Gabriel H. (geb. 1609), ohne männliche Nachkommen 1666 starb, der dritte, Graf Georg Friedrich H. (geb. 26. Aug. 1611, gest. 8. Sept. 1671), der Erbe des zweiten Anteils der Herrschaft Beuthen, Tarnowitz-Neudeck, als Stifter der Beuthenschen Hauptlinie Stammvater der noch jetzt blühenden Linien des Geschlechts wurde. – Von seinen beiden Söhnen stiftete der ältere, Graf Leo Ferdinand H. (geb. 1640, gest. 24. Febr. 1699), die kath. Linie zu