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Hofmann (Eduard, Ritter von) – Hofmann (Heinrich)
haben die weiteste Verbreitung gefunden. Das unter dem Namen Fuchsin bekannte Anilinrot wurde zuerst von H. beobachtet, dessen Arbeiten über die Zusammensetzung und den chem. Charakter dieser Verbindung für die Erkenntnis der Natur der Teerfarbstoffe grundlegend gewesen sind und daher auch zur Entwicklung der für Deutschland so wichtig gewordenen Industrie der künstlichen Farbstoffe hervorragend beigetragen haben. Ein von ihm entdeckter violetter Farbstoff ist unter dem Namen «Hofmanns Violett» (s. Dahlia) im Handel. Von seinen litterar. Arbeiten sind außer der oben genannten «Einleitung» zu erwähnen sein gemeinschaftlich mit Bence Jones herausgegebener «Jahresbericht der Chemie» in engl. Sprache (4 Bde., Lond. 1850‒53), das «Handbook of organic analysis» (ebd. 1853), «The lifework of Liebig in experimental and philosophic chemistry» (ebd. 1876), «Die Frage der Teilung der philos. Fakultät» (2. Aufl., Berl. 1881), worin H. der klassischen Vorbildung für das Studium auch der Naturwissenschaften das Wort redet, und «Chem. Erinnerungen aus der Berliner Vergangenheit» (2. Aufl., ebd. 1882). Nach dem Tode Liebigs trat er in die Redaktion der «Annalen der Chemie» ein. In dem Werk «Zur Erinnerung an vorangegangene Freunde» (3 Bde., Braunschw. 1889) hat H. Lebensskizzen einer größern Anzahl ihm befreundeter Forscher (Graham, Magnus, Liebig, Wöhler, Kirchhoff, Buff, Sella, Dumas, Wurtz u. a.) veröffentlicht.
Hofmann, Eduard, Ritter von, Mediziner, geb. 27. Jan. 1837 zu Prag, studierte dort, wurde 1861 promoviert und habilitierte sich 1865 als Docent für gerichtliche Medizin; 1869 wurde er Professor der Staatsarzneikunde in Innsbruck und 1875 Professor der gerichtlichen Medizin in Wien; seit 1888 ist er Präsident des obersten Sanitätsrates. H. führte in die gerichtliche Medizin die Hilfsmittel der modernen Mikroskopie und das Tierexperiment in ausgedehnter Weise ein und förderte wesentlich die Begründung einer wissenschaftlichen forensischen Medizin. Von seinen zahlreichen Arbeiten ist, außer vielen Aufsätzen in Fachzeitschriften, hervorzuheben: «Lehrbuch der gerichtlichen Medizin» (6. Aufl., Wien 1893).
Hofmann, Franz Adolf, Hygieiniker, geb. 14. Juni 1843 zu München, studierte in München und war dann mehrere Jahre Assistent am Physiologischen Institut der dortigen Universität. 1872 außerord. Professor und Vorstand des Laboratoriums für pathol. Chemie an der Universität Leipzig, 1878 ord. Professor der Hygieine und Direktor des Hygieinischen Instituts daselbst. Von seinen Schriften, die größtenteils in Fachzeitschriften, namentlich in der «Zeitschrift für Biologie» und dem «Archiv für Hygieine», dessen Mitherausgeber er ist, sowie in der deutschen «Vierteljahrschrift für öffentliche Gesundheitspflege» publiziert wurden, sind hervorzuheben: «Über den Übergang von freien Säuren durch das alkalische Blut in den Harn» und «Der Übergang von Nahrungsfett in die Zellen des Tierkörpers» (beide in der «Zeitschrift für Biologie», 1871 u. 1872), «Über traumatische Conjunctivitis bei Bergarbeitern», «Grundwasser und Bodenfeuchtigkeit», «Über das Eindringen von Verunreinigungen in Boden und Grundwasser» (im «Archiv für Hygieine», 1883 u. 1884), «Über Ernährung und Nahrungsmittel der Kinder», «Über Desinfektionsmaßregeln», «Über die hygieinischen Anforderungen an Anlage und Benutzung der Friedhöfe», «Moderne Desinfektionstechnik», «Kühlräume für Fleisch und andere Nahrungsmittel» (in der «Vierteljahrschrift für öffentliche Gesundheitspflege», 1879, 1880, 1882, 1887, 1892), «Über das Vorkommen von Arsenik in einer Wasserleitung» (Lpz. 1878), «Die Wasserversorgung der Stadt Leipzig» (Gutachten, ebd. 1877), «Die Bedeutung der Fleischnahrung und Fleischkonserven mit Bezug auf Preisverhältnisse» (ebd. 1880). ^[Spaltenwechsel]
Hofmann, Friedr., Schriftsteller, geb. 18. April 1813 in Coburg, studierte in Jena und siedelte 1841 nach Hildburghausen über, wo er 14 Jahre an der Redaktion von Meyers «Konversations-Lexikon» beteiligt war und später dessen «Universum» fortsetzte. Seit 1858 redigierte er in Leipzig «Paynes Panorama des Wissens und der Gewerbe», 1864‒66 F. Stolles «Illustrierten Dorfbarbier». Seit 1878 war er Mitredacteur, seit 1883 verantwortlicher Redacteur der «Gartenlaube», zu deren ständigen Mitarbeitern er seit 1861 gehörte; 1886 trat er in den Ruhestand und starb 14. Aug. 1888 zu Ilmenau, wo ihm 1891 ein Denkmal errichtet wurde. H. schrieb u. a.: «Die Schlacht bei Focksan» (Schauspiel, Jena 1838), «Die Feste Coburg» (Dichtungen, Hildburgh. 1854), «Kinderfeste» (4 Hefte; mit Musik von J. ^[Julius] Otto, Schleusingen 1853‒75), «Koborgher Quáckbrünnlá» (500 mundartliche Schnaderhüpfel u. dgl., Hildburgh. 1857), «Deutschlands Erniedrigung und Erhebung. Ein Stück Geschichte in Wort und Lied» (Coburg 1862), «Die Harfe im Sturm. Erinnerungen an unsere große Zeit» (Lpz. 1871), «Drei Kämpfer. Festspiel» (ebd. 1873), «Der Kinder Wundergarten. Märchen» (ebd. 1874 u. ö.), «Die Eselsjagd. Ein fröhliches Heldengedicht» (2. Aufl., ebd. 1874), «Dichterweihe. Dramolett» (ebd. 1875), «Geisterspuk auf der Feste Coburg. Fröhliches Heldengedicht» (ebd. 1877), «Der Rattenfänger von Hameln. Operntext nach Jul. Wolffs Aventiure» (komponiert von V. E. Neßler, 1879), «Der wilde Jäger. Operntext nach J. Wolff» (komponiert von Neßler, 1882), «Nach fünfundfünfzig Jahren. Ausgewählte Gedichte» (Lpz. 1886).
Hofmann, Heinrich, Maler, Bruder Karls von H., geb. 19. März 1824 in Darmstadt, besuchte 1842‒44 die Akademie zu Düsseldorf als Schüler von Th. Hildebrandt und Schadow, dann die in Antwerpen, lebte einige Zeit in München, Dresden und Rom. Nach dreijährigem Aufenthalt in Darmstadt (1859‒62) ging er nach Dresden, wo er 1870 Professor an der Akademie wurde. Zum Teil entnahm H. seine Stoffe aus Poesie und Mythologie, wie Othello und Desdemona, Shylok und Jessica, Nymphe und Schwan, die Apotheose der Helden des Altertums (Vestibül des Dresdener Hoftheaters). Von seinen biblischen Gemälden sind hervorzuheben: Gefangennehmung Christi (1856; Galerie in Darmstadt), Die Ehebrecherin vor Christus (1869; Dresdener Galerie), Predigt Christi am See Genezareth (1876; Berliner Nationalgalerie), Der zwölfjährige Jesus im Tempel (1882; Dresdener Galerie), Christus und der reiche Jüngling (1889), Christus in Gethsemane (1890). Ferner schuf er in der Albrechtsburg zu Meißen das große Wandgemälde: Verlobung des Herzogs Albrecht des Beherzten mit der Prinzessin Sidonie von Böhmen.
Hofmann, Heinrich, Komponist, geb. 13. Jan. 1842 zu Berlin, besuchte das Kullaksche Konservatorium daselbst und lebt in seiner Vaterstadt als Mitglied der Akademie der Künste mit dem Professortitel. Als Komponist wurde H. zuerst 1873