256
Hofmann (Joh. Christian Konrad von) – Hofmann (Leop. Friedr., Freiherr von)
durch eine «Ungar. Suite» bekannt. Dieser folgten: «Frithjofsinfonie», die Chorwerke «Die schöne Melusine» und «Aschenbrödel», viele Werke für Klavier, Gesang u. s. w. Großen Beifall fanden seine Opern «Armin» (1876), «Ännchen von Tharau» (1878) und «Donna Diana» (1886). Von neuern Orchesterwerken sind zu nennen: «Im Schloßhof» und «Irrlichter und Kobolde», ferner «Editha», «Prometheus» und «Waldfräulein» für Soli, Chor und Orchester, «Sinnen und Minnen» und «Lenz und Liebe», beide für vier Singstimmen mit Piano, außerdem «Haralds Brautfahrt» und «Johanna von Orleans» für Soli, Männerchor und Orchester.
Hofmann, Joh. Christian Konrad von, luth. Theolog und Historiker, geb. 21. Dez. 1810 zu Nürnberg, studierte in Erlangen und Berlin Geschichte und Theologie, ward 1833 Lehrer am Gymnasium zu Erlangen, wo er 1835 Repetent bei der theol. Fakultät, 1838 Privatdocent, 1841 außerord. Professor wurde; 1842 folgte er einem Rufe als ord. Professor nach Rostock, kehrte jedoch 1845 nach Erlangen zurück, wurde 1857 geadelt und starb 20. Dez. 1877. H. war das Haupt der sog. Erlanger Schule, welche die heilsgeschichtliche Theologie Bengels weiter bildete und in ihren Resultaten wesentlich mit der luth. Kirchenlehre übereinstimmte. Seinen polit. Einfluß als Mitglied der bayr. Zweiten Kammer hat H. nachdrücklich für die Einheit Deutschlands geltend gemacht und war deshalb trotz seines kirchlichen Konservativismus polit. Mitglied der Fortschrittspartei. Von seinen histor. Schriften sind zu nennen: «Geschichte des Aufruhrs in den Cevennen» (Nördl. 1837) und das «Lehrbuch der Weltgeschichte» (2 Tle., ebd. 1839; 2. Aufl. 1843). Seine theol. Hauptwerke sind: «Weissagung und Erfüllung» (2 Bde., Nördl. 1841‒44), «Der Schriftbeweis» (2 Bde., ebd. 1852‒56; 2. Aufl., 3 Bde., 1857‒60), «Die Heilige Schrift Neuen Testaments, zusammenhängend untersucht» (Tl. 1‒8, zum Teil in 2. Aufl., ebd. 1862‒78; Tl. 9‒11, bearb. von Volck, 1881‒86). Seit 1846 war H. Mitherausgeber der «Zeitschrift für Protestantismus und Kirche». Aus seinem Nachlaß wurden noch veröffentlicht: «Theol. Ethik» (Nördl. 1878), «Encyklopädie der Theologie» (hg. von Bestmann, ebd. 1879), «Biblische Hermeneutik» (hg. von Volck, ebd. 1880). – Vgl. Grau, Aug. Friedr. Chr. Vilmar. Joh. Chr. Konrad von H. Erinnerungen (Gütersloh 1879).
Hofmann, Karl von, Staatsmann, Bruder des Malers Heinr. H., geb. 4. Nov. 1827 zu Darmstadt, studierte in Gießen und Heidelberg die Rechte und trat 1857 in dem Ministerium des Auswärtigen in den hess. Staatsdienst. Er begleitete 1864 als Sekretär den sächs. Minister von Beust zu den Londoner Konferenzen, im Aug. 1866 den hess. Minister von Dalwigk zu den Friedensunterhandlungen nach Berlin. Dort blieb er als hess. Gesandter und nahm an der Ausarbeitung der Verfassung des Norddeutschen Bundes und an deren Beratung im Norddeutschen Reichstage teil. Zusammen mit Dalwigk führte er 1870 in Versailles die auf Hessens Anschluß an das Deutsche Reich bezüglichen Verhandlungen. Nach Berlin zurückgekehrt, blieb H. dort als hess. Gesandter und stimmführender Bevollmächtigter Hessens im Bundesrate. Am 13. Sept. 1872 trat er als Präsident an die Spitze des hess. Staatsministeriums und führte nun eine vollständige Reform der Verwaltung, die gesetzliche Regelung der Verhältnisse zwischen Staat und Kirche, eine neue Verfassung der evang. Landeskirche und ein neues Wahl-, Pensions- und Schulgesetz durch. 1876 wurde H. zum Präsidenten des Reichskanzleramtes und zugleich zum preuß. Staatsminister ohne Portefeuille ernannt; 1879 übernahm er auch das Ministerium für Handel und Gewerbe, wurde 1880 zum Staatssekretär in der Regierung von Elsaß-Lothringen ernannt und 29. April 1882 vom Kaiser in den Adelstand erhoben. Seine Wirksamkeit in Elsaß-Lothringen trat besonders in den Verhandlungen des Landesausschusses hervor, wo er die Regierung gegenüber den franz. und klerikalen Tendenzen zu vertreten hatte. Nach dem Tode des Statthalters von Manteuffel (17. Juni 1885) führte er interimistisch die Statthaltereigeschäfte bis zur Übernahme des Statthalterpostens durch den Fürsten zu Hohenlohe (15. Okt. 1885). Als trotz seiner Bemühungen, die Elsaß-Lothringer für die Militärvorlage zu gewinnen, bei den Wahlen vom 21. Febr. 1887 lauter Protestler gewählt wurden, nahm H. 9. März seine Entlassung und wurde in den Ruhestand versetzt. Als Vorstandsmitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft beteiligte er sich an der kolonialen Bewegung; 1891 wurde er in den Kolonialrat berufen.
Hofmann, Konrad, Germanist und Romanist, geb. 14. Nov. 1819 auf Schloß Banz bei Bamberg, studierte seit 1837 in München und Erlangen Medizin, seit 1840 in München, Leipzig und Berlin Philologie, wurde nach längern Studienreisen 1852 Beamter an der Staatsbibliothek in München, 1853 außerord., 1856 ord. Professor der german. und roman. Philologie an der Universität in München. Er starb 1. Okt. 1890 in Waging bei Traunstein. Dem german. Gebiet gehört unter anderm an die von ihm in Gemeinschaft mit Vollmer besorgte Ausgabe des «Hildebrandsliedes» (Lpz. 1850), des Gedichtes «Adam und Eva» von Lutwin (mit W. Meyer in der «Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart», Tüb. 1881), seine Festrede «Über die Gründung der Wissenschaft altdeutscher Sprache und Litteratur» (Münch. 1857), seine Denkrede «Joh. Andr. Schmeller» (ebd. 1885), der Aufsatz «Zur Textkritik der Nibelungen» (ebd. 1872) und andere meist in den Sitzungsberichten und Abhandlungen der Münchener Akademie niedergelegte, vorwiegend textkritische Arbeiten. An den «Quellen und Erörterungen zur bayr. Geschichte» beteiligte er sich durch seine Ausgabe der «Quellen zur Geschichte Friedrichs des Siegreichen» (2 Bde., Münch. 1862‒63). Von roman. Dichtwerken gab er heraus: «Amis et Amiles» und «Jourdain de Blaivies» (Erlangen 1852), «Girartz de Rossilho» (in Mahns «Werken der Troubadours», Berl. 1855), den «Münchener Brut», mit K. Vollmöller (Halle 1877), «Joufrois» (ebd. 1880) sowie die span. «Primavera y Flor de Romances» (mit Ferd. Wolf, 2 Bde, Berl. 1856) u. a.; eine Ausgabe der «Chansons de Roland» ist gedruckt, aber nie veröffentlicht worden.
Hofmann, Leop. Friedr., Freiherr von, österr. Staatsmann, geb. 4. Mai 1822 zu Wien, studierte daselbst die Rechte, trat 1842 in den Justizdienst bei den niederösterr. Landrechten ein und wurde 1845 Konzeptsbeamter in der k. k. Haus-, Hof- und Staatskanzlei. 1847 ging H. als Gesandtschaftsattaché nach der Schweiz, wurde 1848 an das damals nach Olmütz verlegte Hoflager berufen und war bei den Dresdener Konferenzen 1850 Mitglied der kaiserl. Kommission. Hierauf wurde H. dem deutschen Bureau des Ministeriums des Äußern bleibend attachiert