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Raumer (Georg Wilh. von) – Raumer (Rudolf von)
zu Berlin seine Stelle als Mitglied und Sekretär derselben nieder. 1848 zum Mitglied der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt gewählt, gehörte R. dem rechten Centrum an. In der Folge war er dann Mitglied der preuß. Ersten Kammer in Berlin. Obschon ihm 1853 die Emeritierung als Professor an der Universität bewilligt wurde, stellte er doch seine Vorlesungen nicht ganz ein. Er starb 14. Juni 1873. R. veröffentlichte: «Sechs Dialoge über Krieg und Handel» (anonym; Hamb. 1806), «Das brit. Besteuerungssystem» (Berl. 1810), «ⅭⅭⅠ emendationes in Lohmeieri et Gebhardi tabulas genealogicas dynastiarum arabicarum et turcicarum» (Heidelb. 1811), «Handbuch merkwürdiger Stellen aus den lat. Geschichtschreibern des Mittelalters» (Bresl. 1813), «Herbstreise nach Venedig» (2 Bde., Berl. 1816), «Vorlesungen über die alte Geschichte» (2 Bde., Lpz. 1821; 3. Aufl. 1861) und sein bedeutendstes Werk, die «Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit» (6 Bde., ebd. 1823‒25; 5. Aufl. 1878). Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehört die Untersuchung «Über die geschichtliche Entwicklung der Begriffe von Recht, Staat und Politik» (Lpz. 1826; 3. Aufl. 1861). Dann erschienen «Briefe aus Paris und Frankreich 1830» (2 Bde., Lpz. 1831), «Briefe aus Paris zur Erläuterung der Geschichte des 16. und 17. Jahrh.» (2 Bde., ebd. 1831), «Geschichte Europas seit dem Ende des 15. Jahrh.» (Bd. 1‒8, ebd. 1832‒50), «England» (2 Bde., ebd. 1836; 2. Aufl., 3 Bde., 1842), «Beiträge zur neuern Geschichte aus dem Britischen Museum und Reichsarchiv» (5 Bde., ebd. 1836‒39), «Italien. Beiträge zur Kenntnis dieses Landes» (2 Bde., ebd. 1840), «Die Vereinigten Staaten von Nordamerika» (2 Bde., ebd. 1845), «Briefe aus Frankfurt und Paris» (2 Tle., ebd. 1849), «Vermischte Schriften» (3 Bde., ebd. 1852‒54), «Histor.-polit. Briefe über die geselligen Verhältnisse der Menschen» (ebd. 1860), «Lebenserinnerungen und Briefwechsel» (2 Bde., ebd. 1861) und ein «Handbuch zur Geschichte der Litteratur» (4 Bde., ebd. 1864‒66). R. begründete auch 1830 mit der Verlagshandlung F. A. Brockhaus in Leipzig das «Histor. Taschenbuch» (Folge 1‒4, 1830‒67; Folge 5, 1871‒80, hg. von Riehl; Folge 6, 1882‒92, hg. von Maurenbrecher).
Raumer, Georg Wilh. von, Geschichtsforscher, geb. 19. Sept. 1800 zu Berlin, Sohn von Karl Georg von R. (geb. 16. Nov. 1753 zu Dessau, gest. 2. Juli 1833 als Wirkl. Geheimrat, Direktor im Ministerium des königl. Hauses und der Archive, Präsident des Obercensurkollegiums und vortragender Rat im preuß. Staatsministerium), studierte in Berlin, Heidelberg und Göttingen die Rechte, wurde 1827 Assessor bei dem Kammergericht zu Berlin, 1829 Hilfsarbeiter im Finanzministerium, 1833 vortragender Rat bei dem preuß. Hausministerium und der Archivverwaltung, 1843 Direktor der Staatsarchive und 1844 Mitglied des Staatsrats. Die Direktion der Archive legte er 1852 nieder. Aus unbekannten Gründen erschoß er sich 11. März 1856. R. veröffentlichte die anonyme Schrift «Über die älteste Geschichte und Verfassung der Kurmark Brandenburg» (Zerbst 1830) und den «Codex diplomaticus Brandenburgensis continuatus» (2 Bde., Berl. 1831‒33), die «Regestae historiae Brandenburgensis» (Bd. 1, ebd. 1836), dazu «Histor. Charten und Stammtafeln» (Heft 1, ebd. 1837) und «Die Neumark Brandenburg im J 1337» (ebd. 1837). ^[Spaltenwechsel]
Raumer, Karl Georg von, Geolog, Geograph und Pädagog, Bruder von Friedrich von R., geb. 9. April 1783 zu Wörlitz, studierte zu Göttingen und Halle, dann auf der Bergakademie zu Freiberg und untersuchte hierauf als Geognost einen Teil Deutschlands und Frankreichs, besonders die Gegend von Paris. Nachdem er sich im Pestalozzischen Institut zu Yverdon aufgehalten, ward er 1811 Bergrat beim Oberbergamt in Breslau und zugleich Professor der Mineralogie an der dortigen Universität. 1813 und 1814 beteiligte er sich als Freiwilliger am Befreiungskriege. 1819 wurde er an die Universität Halle und das dortige Oberbergamt versetzt, nahm aber 1823 seinen Abschied und schloß sich an das Dittmarsche Erziehungsinstitut in Nürnberg an. 1827 übernahm er zu Erlangen die Professur der allgemeinen Naturgeschichte und Mineralogie. Er starb daselbst 2. Juni 1865. Unter R.s Schriften sind zu nennen: «Der Granit des Riesengebirges» (Berl. 1813), «Das Gebirge Niederschlesiens» (ebd. 1819), «Vermischte Schriften» (2 Bde., ebd. 1819‒22), «Kreuzzüge» (Bd. 1 u. 2, Stuttg. 1840‒64), «Lehrbuch der allgemeinen Geographie» (3. Aufl., Lpz. 1848), «Beschreibung der Erdoberfläche» (6. Aufl., ebd. 1865), «Palästina» (4. Aufl., ebd. 1860), «Geschichte der Pädagogik» (5. Aufl., 4 Bde., Gütersloh 1874‒80), «Erinnerungen aus den J. 1813 und 1814» (Stuttg. 1850). Seine Selbstbiographie erschien nach seinem Tode (Stuttg. 1866).
Raumer, Karl Otto von, preuß. Staatsmann, Sohn des Generalmajors Karl Friedrich Heinrich von R. (gest. 2. Juli 1831), geb. 7. Sept. 1805 zu Stargard in Pommern, studierte zu Göttingen und Berlin die Rechte, wurde 1834 Regierungsrat in Posen, später in Frankfurt a. O.; 1840 als Hilfsarbeiter in das Finanzministerium berufen, wurde er noch im Herbst desselben Jahres zum Geh. Finanzrat, 1841 zum vortragenden Rat im Ministerium des Innern befördert, kam 1843 als Regierungsvicepräsident nach Königsberg, 1845 als Regierungspräsident nach Köln und 1848 nach Frankfurt a. O. Am 19. Dez. 1850 übernahm er im Ministerium Manteuffel das Portefeuille der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, das er bis 1858 im Sinne der kirchlichen und polit. Reaktion verwaltete. Unter anderm erließ er 1854 die viel Widerspruch findenden «Regulative» für die evang. Schullehrerseminarien und den Volksunterricht. R. starb 6. Aug. 1859 zu Berlin.
Raumer, Rudolf von, Sprachforscher, Sohn des Geologen Karl Georg von R., geb. 14. April 1815 zu Breslau, widmete sich zu Erlangen, Göttingen und München philol. Studien, wurde 1840 Privatdocent in Erlangen, 1846 außerord., 1852 ord. Professor für deutsche Sprache und Litteratur und starb 30. Aug. 1876 in Erlangen. Seine Schrift «Die Aspiration und die Lautverschiebung» (Lpz. 1837) gehörte zu den ersten, die nachdrücklich betonten, daß die Lautgesetze von gesprochenen Lauten, nicht von geschriebenen Buchstaben gelten. R. behandelte «Die Einwirkung des Christentums auf die althochdeutsche Sprache» (Stuttg. 1845) an der Hand der Glossen und legte in dem Buche «Vom deutschen Geiste» (2. Aufl., Erlangen 1859) dar, daß der deutsche Geist aus german. Anlage und der Einwirkung des Christentums zusammenwuchs. Seine «Geschichte der german. Philologie» (Münch. 1870) ist trocken, aber durch unparteiische Sachlichkeit ausgezeichnet. Seine kleinern Arbeiten sammelte er in den «Deutschen Ver- ^[folgende Seite]