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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rochefoucauld; Rochejacquelein; Rochelle; Rochellesalz; Röcheln; Rochen; Rocher de bronze; Roches; Rochĕster

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Rochefoucauld – Rochester (Orte)

Rochefoucauld, La (spr. roschfukoh), Stadt im Arrondissement Angoulême des franz. Depart. Charente, rechts an der Tardoire oder Tardouère, an der Linie Angoulême-Limoges der Orléansbahn, hat (1891) 2323, als Gemeinde 2849 E., ein Collège; Handel mit Fässern, Wein, Garn; ein im 9. Jahrh. gegründetes, prächtiges Schloß der Familie Larochefoucauld (s. d.) aus dem 12. und 16. Jahrh.; seine schönsten Teile (Renaissance) sind von A. Fontant (zur Zeit Franz’ Ⅰ.).

Rochefoucauld, franz. Geschlecht, s. Larochefoucauld.

Rochejacquelein, franz. Geschlecht, s. Larochejacquelein.

Rochelle, La, franz. Arrondissement und Stadt, s. La Rochelle.

Rochellesalz (spr. roschell-), s. Weinsäure.

Röcheln (Stertor), eigentümliches, oft weithin vernehmliches rasselndes Geräusch, das bei Brustkranken dann entsteht, wenn der in den Lungen und Luftröhrenästen angesammelte Schleim nicht durch Husten entfernt wird und so der ein- und austretenden Luft hindernd entgegentritt. Bei Sterbenden, bei denen das R. zu den gewöhnlichen Erscheinungen gehört, wird es durch die eintretende Lungenlähmung bedingt. (S. Lungenödem.)

Rochen (Rajidae), eine Unterordnung der Knorpelfische (s. d.) von eigentümlicher Körperform, aus der Abteilung der Quermäuler oder Plagiostomen, sind ausgezeichnet durch platte, rhombische oder ovale Gestalt, oben befindliche Augen und Stirnlöcher, großes, nebst den Nasenlöchern unten befindliches, quer gestelltes Maul mit verschiedenartigen, häufig, namentlich bei den Weibchen, flachen, pflastersteinartig angeordneten Zähnen, schuppenlose, den Körper meist in weiten Hervorragungen umgebende, selten ganz glatte, sondern mit kleinen rauhen Höckern oder mit Dornen besetzte Haut und die breiten Brustflossen, die den Kopf einfassen und weit an den Seiten des Leibes nach hinten reichen. Letzterer Charakter dient vorzugsweise zum Unterschiede von den Haien, mit denen die R. durch Übergangsformen verbunden sind. Die R. sind Bewohner des Meers und nur ausnahmsweise größerer tropischer Ströme, wo sie sich an dem sandigen oder schlammigen Boden aufhalten, dessen Färbung sie sich, ähnlich wie die Schollen, bis zu gewissem Grade anzupassen vermögen. Die R. sind in tropischen Breiten sehr artenreich, leben von Fischen, Krustern und Weichtieren, schwimmen in schiefer, gegen den Horizont geneigter Stellung durch undulierende Bewegungen der Brustflossen, belauern ihre Beute, ruhig auf dem Boden von Untiefen liegend, und bieten nur ein grobes, bloß von den ärmern Küstenbewohnern genossenes Fleisch.

Mit Ausnahme der Gattung R. (Raja) im strengen Sinne, zu welcher der Keulenroche (Raja clavata. L., s. Tafel: Fische Ⅷ, Fig. 4) gehört, deren pergamentartige, flache, viereckige und an den Ecken in Spitzen verlängerte Eier, wie bei den Haifischen, unter dem Namen Seemäuse bekannt sind und nach dem Ausschlüpfen der Jungen häufig an das Land gespült werden, und einigen andern gebären die hierher gehörigen Fische lebendige Junge. Eine andere bis 2,50 m lang werdende Art ist der Glattroche (Raja batis L., Fig. 3), der in der Nordsee häufig ist und dessen Fleisch nicht übel schmeckt. Manche R. erreichen eine erstaunliche Größe und Breite (von 1,5 bis 3 m) und spielen die Rolle gefährlicher und sehr gefräßiger Raubfische. Man unterscheidet die eigentlichen R. mit dünnem Schwanze, der als nicht verächtliche Waffe dient, zumal wenn er einen oder zwei dolchförmige Stacheln trägt und in allen Richtungen umherpeitschend empfindliche und schwer heilende Wunden beizubringen vermag, wie es bei dem Stechrochen (Trygon) und dem Meerdrachen (s. d.) oder Adlerrochen(Myliobatis) der Fall ist; die mit breitem Schwanze und fast runder Körperscheibe versehenen, schon seit alten Zeiten bekannten Zitterrochen (Torpedo, s. Zitterfische und Taf. Ⅶ, Fig. 5, der marmorierte Zitterroche des Mittelmeers, Torpedo marmorata Risso); die gewaltig großen, nur in südl. Meeren vorkommenden Hornrochen oder Meerteufel (Cephaloptera) mit in lange Lappen ausgezogenen Kopfflossen, und die durch ihre schlanke Gestalt den Übergang zu den Haifischen bildenden Hairochen (Rhinobates) und Sägefische (Pristis, zu denen Pristis antiquorum Lath., s. Taf. Ⅶ, Fig. 3, gehört). In die Ostsee dringen nur wenige als Gäste ein, so der Keulen- und Stechroche. ^[Spaltenwechsel]

Rocher de bronze (spr. roscheh dĕ brongß), «eherner Fels», franz. Redensart, die histor. Interesse erlangt hat durch eine Randbemerkung des preuß. Königs Friedrich Wilhelm Ⅰ. vom 25. April 1716, worin er sagt: «Ich … setze die Krone fest wie einen rocher von bronce».

Roches (spr. rosch), Col oder Cul des, ursprünglich ein 920 m ü. d. M., 2 km südwestlich von Locle im schweiz. Kanton Neuenburg gelegener, etwa 30 m tiefer Felstrichter, in welchem der Bied, ein rechter Zufluß des Doubs, vier unterirdische Mühlwerke treibt. Seit dem Bau der Straßen von Locle nach Les Brenets und Morteau 1858‒71 wurde der Name auf den Jurapaß der Roche fendue übertragen, der mit drei größern Tunnels den Felsriegel zwischen Locle und dem Thale des Doubs durchbricht. Etwas südlich der Tunnel der 1884 eröffneten Eisenbahn Locle-Morteau(-Besançon).

Rochĕster (spr. rótsch-), Municipal- und Parlamentsborough, Bischofssitz und Seehafen in der engl. Grafschaft Kent, 45 km im OSO. von London, rechts am Medway, über welchen eine eiserne und eine aus dem 13. Jahrh. stammende Steinbrücke von 11 Bogen zur Vorstadt Strood führt, Station der London-Chatham-Dover-Eisenbahn, bildet thatsächlich mit Chatham (s. d.) eine Stadt und hat (1891) 26309 E. Die von Bischof Gundulph 1077 gegründete, nach einer Feuersbrunst 1130 von Heinrich Ⅱ. wiederhergestellte, mehrfach restaurierte Kathedrale St. Andrew ist nur wegen ihres Alters merkwürdig. (S. Tafel: Englische Kunst Ⅰ, Fig. 7.) Das Schloß auf einer Anhöhe am Fluß wurde im 12. Jahrh. erbaut und besitzt einen gut erhaltenen normann. Bergfried. Zahlreiche Bauten aus dem 14. und 15. Jahrh. sind erhalten. R. hat eine Lateinschule, eine mathem. Freischule und ein 1687 erbautes Stadthaus. Der lebhafte Handel ist, wie auch andere Erwerbszweige, von den Flotten- und Militäretablissements zu Chatham abhängig. Wichtig ist auch die Austernfischerei. R. ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls.

Rochĕster (spr. rótsch-), Orte in den Vereinigten Staaten von Amerika, darunter: 1) Hauptstadt des County Monroe und Einfuhrhafen in Neuyork, an beiden Ufern des Genesee, 11 km von seiner Mündung in den Ontariosee, am Eriekanal, der den Fluß im Aquädukt überschreitet, und an mehrern Bahnen, zählte 1880: 89366 und 1890: 133896 E. Von den öffentlichen Bauten sind hervorzuheben: