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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rochĕster; Roche-sur-Yon; Rochētum; Rochholz; Rochieren; Rochlitz

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Rochester (John Wilmot) – Rochlitz (Marktflecken)

Stadthaus, Gerichtshaus, Free Academy, Power’s Building mit Gemäldegalerie und Turm, die University of R. (200 Studenten), ein Baptistenseminar mit deutschem Departement, das Athenäum mit einer Bibliothek; Riesengebäude, wie Wilder Building, der Verein christl. junger Männer und die presbyterianischen Kirchen. Sehr zahlreich sind Wohlthätigkeitsanstalten. Der Genesee bildet auf seinem Wege durch die Stadt drei Fälle von 29,8 und 25 m, welche Wasserkraft für die Industrie liefern. Unterhalb des letztern ist der Fluß für Seeschiffe fahrbar. Die Umgegend ist sehr fruchtbar und die Kunstgärtnereien liefern jährlich für mehr als 1 Mill. Doll. Blumen, Bäume, Gemüse. Wichtige Industriezweige sind Schuhfabrikation, Gießerei und Maschinenbau, Brauerei, Tabakmanufaktur, Mühlenbetriebe; Herstellung von Möbeln, Anzügen, Parfüme und Backpulver. – 2) Hauptort des County Olmsted im südöstl. Teil von Minnesota, auf beiden Seiten des Zumbro-River, an zwei Linien der Chicago-Northwesternbahn, mit Getreidehandel, Elevatoren, Mühlen und 5321 E. – 3) Stadt im County Strafford in New-Hampshire, Kreuzungspunkt mehrerer Bahnen in der Nähe von Dover, mit Flanellfabriken und, einschließlich Gonic, North- und East-Rochester, 7396 E.

Rochĕster (spr. rótsch-), John Wilmot, Graf von, engl. Satiriker, geb. 10. April 1647, erhielt seine Bildung am Wadham College. Magister artium geworden, durchreiste er Italien und Frankreich und zeichnete sich in den Feldzügen von 1665 und 1666 zur See aus. Er war einer der zügellosesten Wüstlinge am Hofe Karls Ⅱ. Kurz vor dem Tode (26. Juli 1680) ließ er sich vom Bischof Burnet von Salisbury bekehren, der selbst eine Schrift über diese Bekehrung herausgab. Seine Gedichte (Lond. 1680; am vollständigsten 1756) sind leicht hingeworfen und, außer den Satiren, meist wertlos. Einen merkwürdigen Gegensatz gegen Leben und Gedichte bilden die Briefe, die ihn als zärtlichen Gatten und Vater zeigen. – Vgl. Burnet, Life and death of John Earl of R. (Lond. 1681).

Rochĕster (spr. rótsch-), Lawrence Hyde, Graf von, engl. Staatsmann, war der jüngere Sohn des ersten Grafen von Clarendon, stand bei Karl Ⅱ. in hoher Gunst und wurde 1681 zum Viscount Hyde von Kenilworth und zum Grafen von R. erhoben. 1685 bei Jakobs Ⅱ. Regierungsantritt wurde er Lordschatzmeister, aber weil er sich den kath. Bestrebungen Jakobs nicht anschloß, mußte er 1687 mit seinem Bruder Clarendon weichen; auch er trat mit Wilhelm von Oranien in Verbindung und wurde nach dessen Thronbesteigung 1692 Mitglied des Geheimen Rates. In den ersten Jahren von Annas Regierung gehörte er zu den führenden Tories. Er starb 1711. – Sein Sohn, Henry Hyde, zweiter Graf von R., erbte 1723 nach dem Tode seines Vetters, des dritten Grafen von Clarendon, dessen Würde, starb aber 10. Dez. 1753 mit Hinterlassung nur einer Tochter.

Roche-sur-Yon, franz. Arrondissement und Stadt, s. La-Roche-sur-Yon.

Rochētum (neulat.; ital. rocchetto; frz. rochet, vom deutschen Rock), das von feiner weißer Leinwand gefertigte, mit Spitzen besetzte Chorhemd, welches Bischöfe, Äbte und Chorherren der kath. Kirche als Amtskleidung tragen.

Rochholz, Ernst Ludwig, Sagenforscher, geb. 3. März 1809 zu Ansbach, studierte in München Jurisprudenz, mußte, in eine polit. Untersuchung verwickelt, in die Schweiz flüchten, wo er zuerst zu Hofwyl, dann am Gymnasium zu Biel als Lehrer fungierte und seit 1836 an der Kantonsschule zu Aarau die Professur für deutsche Sprache und Litteratur bekleidete. 1866 quiesciert, lebte R. seitdem als Konservator der röm. Altertumssammlung zu Aarau, wo er 31. Okt. 1892 starb. Von seinen zahlreichen Arbeiten sind zu nennen: «Eidgenössische Liederchronik» (Bern 1835; 2. Ausg. 1842), «Schweizersagen aus dem Aargau» (2 Bde., Aarau 1856), «Alamann. Kinderlied und Kinderspiel» (Lpz. 1857), «Naturmythen; neue Schweizersagen» (ebd. 1862), «Deutscher Glaube und Brauch im Spiegel der heidn. Vorzeit» (2 Bde., Berl. 1867), «Deutsche Volks- und Heldenbücher» (Lpz. 1875), «Die Schweizerlegende vom Bruder Klaus von Flüe» (Aarau 1875), «Aargauer Weistümer» (ebd. 1876), «Tell und Geßler in Sage und Geschichte» (Heilbr. 1877). Seit 1860 gab R. die Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau, «Argovia», heraus. – Vgl. Hunziker, Ernst Ludwig R. (Aarau 1893). ^[Spaltenwechsel]

Rochieren, s. Schachspiel.

Rochlitz. 1) Amtshauptmannschaft in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, hat 516,76 qkm und (1890) 102473 (49565 männl., 52908 weibl.) E., 6 Städte und 138 Landgemeinden. – 2) Hauptstadt der Amtshauptmannschaft R., an der Zwickauer Mulde, über die hier eine steinerne Brücke und eine eiserne Eisenbahnbrücke führt, an der Linie Glauchau-Großbothen und der Nebenlinie Penig-Waldheim der Sächs. Staatsbahnen, Sitz der Amtshauptmannschaft und eines Amtsgerichts (Landgericht Chemnitz), hat (1890) 6186 E., darunter 110 Katholiken, in Garnison die 1., 2. und 5. Eskadron des Ulanenregiments Nr. 18, Postamt erster Klasse, Telegraph, drei Kirchen, darunter Kunigundenkirche, 1016 erbaut, 1416 in got. Stil neu aufgeführt, 1864 und 1884 erneuert, got. Petrikirche, 1894 erneuert, ein Schloß mit zwei hohen, viereckigen Türmen (bereits 1109 erbaut und die Rochlitzer Jupen benannt), früher Staatsgefängnis, eine Realschule, Lehrerseminar (seit 1. April 1895), Handelsschule, landwirtschaftliche Schule, Stadtkrankenhaus, Wasserleitung, Kanalisation, Gasanstalt; Kammgarnweberei, Handelsmühle, Fabrikation von Lederwaren, Wagen und Cigarren. In früherer Zeit blühte in R. die Leinenindustrie, im «Silberthal» wurde Bergbau auf Silber getrieben. – Im J. 1143 verlieh König Konrad Ⅲ. die Grafschaft R. dem Markgrafen Konrad von Meißen, und bei der Teilung der Lande (1156) gelangte sie an dessen dritten Sohn, den Grafen Dedo von der Lausitz. Nach dem Aussterben dieses Geschlechts fiel die Grafschaft an das Reich. Anfang des 13. Jahrh. wurde sie an Dietrich den Bedrängten von Meißen verliehen. Seit dem 14. Jahrh. war die Stadt R. wiederholt Leibgedinge und Sitz verwitweter Markgräfinnen und Kurfürstinnen. – Vgl. Bode, Chronik der Stadt R. (Rochlitz 1867).

Im Süden der Stadt, am linken Ufer der Mulde, erhebt sich der Rochlitzer Berg oder Rochlitzer Wald (340 m), dessen Gipfel seit 1860 das turmartige Friedrich-August-Denkmal mit Fernsicht ziert. Auf dem Berge sind schon seit Jahrhunderten großartige Porphyrtuff-Brüche im Betrieb.

Rochlitz, czech. Roketnice, Marktflecken in der österr. Bezirkshauptmannschaft Starkenbach in Böhmen, Sitz eines Bezirksgerichts (210,88 qkm, 10939