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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rohan; Roharbeit; Rohatyn; Rohbau

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Rohan (Louis René Edouard, Prinz von) – Rohbau

Marguerite, der Tochter Sullys. Als Generaloberst der Schweizer nahm er 1610 an der Belagerung von Jülich teil; von da ab wurde er in die Wirren unter Ludwigs ⅩⅢ. Regierung hineingezogen. Aufrichtiger Calvinist, wurde R. zugleich durch seine Zugehörigkeit zum Hochadel politisch beeinflußt. Er wirkte unter den Hugenotten für eine selbständige Haltung und sah sich bald an die Spitze der Aktionspartei geschoben, die, von Aristokraten geführt, sich wesentlich auf die niedern Schichten und die Prediger stützte.

Die Konflikte mit Maria von Medici begannen schon 1611; R., erst für Maria, trat dann zu Condé über; dessen Friede mit der Königin führte 1616 auch R. zur Unterwerfung; er suchte nun den Frieden zu erhalten und riet noch in der Bearner Frage (s. Hugenotten, Bd. 9, S. 401 a) 1620 zu gütlicher Ausgleichung. Als jedoch der Krieg beschlossen war, griff er mit seinem Bruder Soubise (s. d.) zu den Waffen, befestigte die Plätze in Guyenne und verteidigte Montauban mit großer Energie. Wiewohl sein Bruder in Poitou unterlag und viele Große abfielen, setzte er doch den Kampf fort und zwang endlich den König zur Bestätigung des Edikts von Nantes im Frieden von 1623. Wegen neuer Konflikte entschied er sich 1625 abermals für den Krieg, den der Vertrag von 1626 beendigte. Aber Richelieus Politik schritt zur Niederwerfung des Hugenottischen Staates im Staate: sein Krieg gegen die Partei trieb R. zu heldenmütiger, aber vergeblicher Verteidigung; La Rochelle zu entsetzen vermochte er nicht; nach dessen Falle trat er in Unterhandlungen selbst mit dem kath. Landesfeinde Spanien, mit England und den prot. Fürsten Deutschlands. Gegen eine starke Übermacht wußte er sich unausgesetzt zu verteidigen. Seine Ausdauer führte endlich zu dem Frieden von Alais vom 27. Juni 1629, in dem er sich zwar unterwarf, aber doch seinen Glaubensbrüdern freie Religionsübung sicherte.

Hierauf zog R. sich nach Venedig zurück, wo er «Mémoires sur les choses advenues en France depuis la mort de Henri le Grand jusqu’à la paix faite au mois de juin 1629» (ohne Druckort, 1646) schrieb. Die Venetianer wählten ihn 1631 zu ihrem General; doch hinderte ihn der Friede an neuen Thaten. Er widmete seine Muße militär. Arbeiten: «Le parfait capitaine» (Par. 1636) und «De la corruption de la milice et des moyens de la remettre dans son ancienne splendeur». Richelieu suchte das Talent R.s auszubeuten, indem er ihm 1635 ein größeres Korps anvertraute. R. marschierte nach dem Elsaß, vertrieb den Herzog von Lothringen und erschien plötzlich in Graubünden. Wiederholt schlug er im Veltlin die Kaiserlichen und Spanier und drang 1636 sogar ins Mailändische ein. Weil jedoch der Hof die Truppen nicht seinem Versprechen gemäß abberief und Frankreich das Veltlin für sich behielt, erhoben sich die Graubündener gegen R. und zwangen ihm März 1637 einen Vertrag und die Räumung ihres Landes ab. Von den Spaniern vergebens umworben, zog sich R. nach Genf zurück, ging dann Jan. 1638 an den Rhein, in das Lager seines Freundes Bernhard von Weimar. Hier empfing er bei Rheinfelden 28. Febr. 1638 eine Wunde, die 13. April seinen Tod nach sich zog. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: «Les intérêts des princes» (Köln 1666), «Traité du gouvernement des treize cantons» (Par. 1644), «Discours politiques» (ebd. 1693), «Mémoires et lettres sur la guerre de la Valteline» (3 Bde., Genf 1785). – Vgl. Schybergson, Le duc de R. et la chute du parti protestant en France (Par. 1880); Laugel, Henri de R. (ebd. 1889). ^[Spaltenwechsel]

Rohan, Rohan-Guémené (spr. roáng ge-), Louis René Edouard, Prinz von, Kardinal, geb. 25. Sept. 1734, wurde schon zeitig Koadjutor seines Oheims, des Bischofs von Straßburg, und ging 1772 als Gesandter nach Wien, erregte aber durch seine Ausschweifungen und Rücksichtslosigkeiten das Mißfallen der Kaiserin; 1774 auf deren Veranlassung zurückberufen, ward er 1777 Großalmosenier, 1778 Kardinal, 1779 Bischof von Straßburg und 1782 trat er in Zabern, wo er seinen glanzvollen Hof hielt, mit der Gräfin Lamothe in Verbindung. Die Halsbandgeschichte (s. d.), in die diese Abenteurerin ihn 1785 verwickelte, wurde verhängnisvoll für ihn. Er wurde verhaftet, allerdings freigesprochen, verlor aber seine Würde als Almosenier und wurde in sein Bistum verwiesen. Der Klerus des Amtes Hagenau schickte ihn 1789 in die Generalstände. Nur ungern entschloß er sich zur Leistung des konstitutionellen Eides und kehrte noch vor Schluß der Sitzung in das Elsaß zurück. Hierauf erklärte er, daß es gegen sein Gewissen sei, die Civilkonstitution des Klerus in seinem Sprengel einzuführen. 1791 erhob man gegen ihn die Anklage, daß er die konterrevolutionären Anschläge unterstütze. Er zog sich deshalb in die in Deutschland gelegenen Teile seines Bistums zurück und legte 1801 seine Würde nieder. R. starb 16. Febr. 1803 zu Ettenheim.

Roharbeit, eine hüttenmännische Arbeit, die bezweckt, den Silbergehalt armer Silbererze, die wenig oder gar kein Kupfer oder Blei enthalten, zu konzentrieren. Zu diesem Zweck werden dieselben, wenn sie an und für sich nicht schon Schwefelkies führen, unter Zuschlag von solchem über Schachtöfen verschmolzen, wobei als Produkte arme absetzbare Schlacken und ein silberreicherer Rohstein entstehen, der später mit Bleierzen oder Bleizuschlägen verschmolzen und entsilbert wird.

Rohatyn. 1) Bezirkshauptmannschaft in Galizien, hat 1156,01 qkm und (1890) 95975 (47126 männl., 48849 weibl.) meist ruthen. E. in 100 Gemeinden mit 201 Ortschaften und 93 Gutsgebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke Bursztyn und R. – 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (583,66 qkm, 46550 E.), am Gnila-Lipabache, der zum Dnjestr geht, hat (1890) 5616, als Gemeinde 7188 meist israel. poln. E., in Garnison 1 Eskadron des 9. Dragonerregiments «Freiherr von Piret», Schloß und Gut des Fürsten Lubomirski; Ackerbau, Handel und in der Nähe Gipswerke.

Rohbau, richtiger Reinbau (reine Arbeit), diejenige Bauweise, bei welcher namentlich am Äußern der Gebäude das verwendete, meist edle Material unverputzt gelassen wird und daher in seiner natürlichen Beschaffenheit und Farbe zur Geltung kommt. Vorbedingung für den R. ist das Vorhandensein guter Baumaterialien. In vielen Ländern, in welchen Hausteine schwer zu erlangen sind, hat man dem Ziegel solche Verbesserungen gegeben, daß mit ihm ein künstlerischer R. (Ziegel- oder Backsteinrohbau) zu erzielen ist. Die Hauptländer des Ziegelrohbaues sind Oberitalien, namentlich die Po-Ebene, Niederdeutschland, vorzüglich Holland, ferner England. – Vgl. Adler, Mittelalterliche Backsteinbauwerke des preuß. Staates (Berl. 1862‒69); Essenwein, Der norddeutsche