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Rolandspforte – Rollenhagen
führen, die allerdings älter sind als die erhaltenen franz. Gedichte. Ihrer Abfassung nach reichen diese Romanzen nicht über das 13. Jahrh. hinauf; sie sind gedruckt bei Wolf und Hofmann, «Primavera de Romances» (Berl. 1856). Zurückgedrängt aber wurden alle mittelalterlichen Bearbeitungen durch den Ruhm, welchen sich die nur zum kleinsten Teil der Überlieferung folgenden, weit öfter rein erfundenen und willkürlich ausgeschmückten ital. Heldengedichte des 15. und 16. Jahrh. erwarben, die von Rolands Kampfes- und Liebesabenteuern in einer dem echten Charakter der Sage keineswegs entsprechenden Weise erzählten, wie «Morgante maggiore» von L. Pulci, «Orlando inamorato» von Bojardo und das berühmteste unter allen, «Orlando furioso» von Ariosto. – Vgl. Schmidt, Über die ital. Heldengedichte aus dem Sagenkreise Karls d. Gr. (Berl. 1820). Von neuern deutschen Dichtern hat Immermann Rolands Tod in seinem Trauerspiel «Das Thal von Ronceval» (Hamm 1822) behandelt.
Rolandspforte, s. Roncesvalles.
Rolandssäulen oder Rulands-, auch Rutlandssäulen, kolossale, aus Holz oder Stein meist roh geformte Bildsäulen, die auf Markt- oder Hauptplätzen vieler Ortschaften Norddeutschlands, besonders Niedersachsens und Brandenburgs standen oder noch stehen (wie in Brandenburg, Bremen, Halle, Nordhausen, Perleberg). Sie stellen in der Regel einen gerüsteten oder manteltragenden, barhäuptigen, ein bloßes Schwert in der Hand haltenden Mann dar, den die Überlieferung als den Roland der Karlssage zu deuten pflegt. Ursprung, Geschichte und Bedeutung dieser Bilder ist noch nicht hinreichend aufgeklärt; nur so viel steht fest, daß sie als Zeichen der Gerichtsstätten dienten. Nachrichten finden sich nur spärlich erst seit dem 14. Jahrh. und fast immer in Verbindung mit den Kämpfen für städtische Vorrechte, unter denen eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit als die höchsten galten. Nicht selten erscheinen in diesen Zeiten die R. als Symbole städtischer Freiheit und Selbständigkeit, werden als solche in die Wechselfälle des Kampfes gezogen und, je nachdem sich diese für die Stadt gestalten, bald umgeworfen, bald neu aufgerichtet. – Vgl. Stappenbeck in den «Märk. Forschungen», Bd. 4 (Berl. 1845); Zöpfl, Altertümer des Deutschen Reichs und Rechts. Bd. 3: Die Rulandssäule (Lpz. 1861); Beringuier, Die Rolande Deutschlands (Berl. 1890).
Rolandswerth, s. Rolandseck und Nonnenwerth.
Rolf, Herzog der Normandie, s. Rollo.
Rollaffen, soviel wie Rollschwanzaffen (s. d.).
Rollassel, s. Asseln.
Rollatlas, Gewebe, s. Atlas.
Rollbewegungen, s. Manègebewegungen.
Rollblei, s. Blech (Bd. 3, S. 103 a).
Rollbombe, zur Zeit der glatten Geschütze eine Bombe kleinen Kalibers, die bei der Grabenverteidigung vermittelst einer Rinne über den Wall in den Graben hineingerollt wurde; sie ist in neuester Zeit vom Oberstlieutenant Schumann wieder in Vorschlag gebracht.
Rollbrücken oder Schiebebrücken, eine Art Beweglicher Brücken (s. d.), bei denen die Fahrbahn, um der Schiffahrt freie Bahn zu geben, auf Rollen, Kugeln oder Rädern zurückgeschoben werden kann. Die R. sind als Flußbrücken in England und Amerika zur Anwendung gekommen, während sie im Festungsbau eine häufigere Verwendung finden. ^[Spaltenwechsel]
Rolle, im allgemeinen eine runde Scheibe, welche um ihren Mittelpunkt beweglich ist. Im Maschinenbau kommt die R. als Friktionsrolle (s. Friktionsrad), als Spannrolle und Leitrolle beim Riementrieb (s. d.) und Seiltrieb (s. d.) und als Element des Flaschenzugs (s. d.) zur Anwendung. – Über R. in der Buchbinderei s. d. (Bd. 3, S. 652 a). – R. im Bergbau, soviel wie Rollschacht (s. d.). – R., Wäscherolle, s. Appretur (Bd. 1, S. 763 b).
Rolle, in der Schauspielkunst der Anteil eines Schauspielers an einem Stücke, insbesondere auch das Heft, das aus dem ganzen Stücke auszieht, was der einzelne Künstler vorzutragen hat. Dieser Auszug führt auch die sog. Stichworte an.
Rolle, im Seewesen, s. Schiffsrollen.
Rolle (spr. roll). 1) Bezirk im schweiz. Kanton Waadt, hat 43,3 qkm und (1888) 6149 E., darunter 483 Katholiken, in 13 Gemeinden. – 2) Hauptstadt des Bezirks R., 11 km nordöstlich von Nyon, auf dem rechten Ufer des Genfer Sees, in 380 m Höhe, an der Linie Lausanne-Genf der Jura-Simplonbahn, hat (1888) 1855 E., darunter 277 Katholiken, altes Schloß, jetzt Schul- und Stadthaus; Weinbau (Lacôte) und Produktenhandel. R. ist Geburtsort des russ. Generals Frédéric César Laharpe, dem ein Obelisk (13 m) mit Brustbild auf einer Insel im See errichtet ist. 3 km nordöstlich von R. das Signal de Bougy (712 m) mit prächtiger Aussicht über Lacôte (s. d.), den Genfer See und die Gebirge Savoyens.
Rolle, Joh. Heinr., Kirchenkomponist, geb. 23. Dez. 1718 zu Quedlinburg, gest. 29. Dez. 1785 als städtischer Musikdirektor in Magdeburg, gewann besondere Bedeutung für die Geschichte des Oratoriums durch eine Reihe von Kompositionen, die sich den Reformen Glucks anzuschließen suchten und zwischen Händel und Haydn die bedeutendsten deutschen Erscheinungen auf diesem Gebiete bildeten. R.s gelungenstes Werk ist der «Lazarus», aus dem noch heute die Chorarie «Wiedersehn, sei uns gesegnet, entzückungsvolles Wiedersehn» gesungen wird.
Rollen, seemännischer Ausdruck, s. Schlingern.
Rollenbuch, im Seewesen, s. Schiffsrollen.
Rollenführung, s. Geradführung.
Rollenhagen, Georg, didaktischer Dichter, geb. 22. April 1542 zu Bernau bei Berlin, studierte seit 1560 Theologie in Wittenberg, wurde 1563 Rektor zu Halberstadt, 1567 Magister in Wittenberg, in demselben Jahre Prorektor, 1575 Rektor der Domschule zu Magdeburg, die unter ihm ihre höchste Blüte (1600 Schüler) erlebte. Er starb, gefeiert als Pädagog wie als Prediger, 20. Mai 1609. R. hat das Verdienst, durch Unterricht in der deutschen Sprache den Sieg der hochdeutschen Schriftsprache in Magdeburg gefördert zu haben. Auch seine drei Dramen («Abraham», «Tobias», «Lazarus») sind aus Schulbedürfnis auf der Grundlage älterer Stücke erwachsen. Sein Hauptwerk «Froschmeuseler» wurde schon in Wittenberg 1571 begonnen auf Anregung einer Vorlesung des Professors Ortel von Winsheim über Homers «Batrachomyomachia» und allmählich durch didaktische Einschachtelungen so angeschwellt, daß die Erzählung vom Krieg der Frösche und Mäuse ganz zur Einkleidung ward für den polit. Lehrgehalt; hielt R. doch auch den «Reinke Vos» für eine Allegorie auf Kaiser- und Papsttum. Die Dichtung, in der Luther als Frosch Elbmarx, der Papst als Schildkröte Beißkopf auftritt, erschien zuerst Magdeburg 1595 (unter dem Pseudonym Marcus Hüpfinsholz von Meusebach) und hatte gerade als