Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Spanischer Erbfolgekrieg'
Spanien schien für Philipp V. verloren, als derselbe im Mai 1706 nach dem gescheiterten
Angriff seiner und der franz. Truppen auf Barcelona sich zunächst nach Madrid und dann vor
dem Anmarsche des portug. Heers von dort nach Burgos hatte zurückziehen müssen. Allein
Karl III. versäumte die kostbare Zeit bis zum Herbst und mußte, von dem Heere Berwicks und
den castil. Freischaren bedroht, auf den Vormarsch nach Madrid verzichten, wo Philipp
27. Okt. mit Begeisterung begrüßt wurde. Nach der Niederlage der Verbündeten 25. April 1707
bei Almanza blieb Karls III. Herrschaft auf Catalonien beschränkt. Auch die Belagerung
Toulons durch eine engl. Flotte und die kaiserl.-ital. Landtruppen mußte aufgegeben werden.
Aber umsonst suchte Ludwig die Verstimmung der Engländer über solche Mißerfolge und die
Eifersucht Hollands auf das durch die Union Schottlands und Englands geschaffene
Großbritannien zur Anknüpfung von Friedensunterhandlungen zu verwerten. Marlborough wußte
seine Regierung neuerdings zur Fortsetzung des Krieges zu bewegen, der sich ihnen auch
alsbald durch die Wegnahme Menorcas und einen vorteilhaften Handelsvertrag mit Karl III.
lohnte. Der Plan Ludwigs, den Prätendenten Jakob Eduard mit einem Heer nach Schottland zu
schicken, scheiterte an der Wachsamkeit der engl. Flotte, und 11. Juli 1708 trugen Eugen
und Marlborough bei Oudenaarde einen Sieg über die Franzosen unter Vendôme davon, in dessen
Folge dieselben auf Flandern und Brabant verzichten mußten. Als aber dem jetzt wiederum
Frieden suchenden franz. König zugemutet wurde, nicht bloß die gesamte span. Monarchie
Karl III. zu überlassen, Elsaß, die Freigrafschaft, die lothr. Bistümer herauszugeben,
sondern auch zur Vertreibung seines Enkels aus Spanien mitzuwirken, beschloß er nochmals
den Krieg fortzusetzen. Zunächst freilich wurde sein Feldherr Villars in der blutigen Schlacht
von Malplaquet 11. Sept. 1709 geschlagen, und Ludwig selbst glaubte seinem Enkel raten zu
sollen, auf Spanien zu verzichten und sich mit Sicilien und Sardinien zu begnügen.
Aber letzterer blieb, auf die Anhänglichkeit der Castilier bauend, standhaft und zog mit
Marschall Vendôme gegen Karl III., der sich schon wieder in Madrid sicher gefühlt hatte,
zu Felde. Bei Brisunga wurde der engl. Befehlshaber Stanhope gefangen, 10. Dez. 1710
Starhemberg bei Villa-Viciosa geschlagen; Karl III. verblieb wieder weiter nichts als
Barcelona.
In London fielen zu gleicher Zeit Marlboroughs Anhänger als Opfer von Hofränken, und die
Tories ließen in Versailles unter der Hand wissen, daß man zum Frieden geneigt sei.
Kaiser Joseph I. starb 17. April 1711, und die Aussicht, die Kronen Spaniens und Österreichs
auf einem Haupte vereinigt zu sehen, war für die andern
Mächte nicht erfreulich.
Die engl. Politik war nur noch darauf bedacht, in Spanien die neuen Erwerbungen, Gibraltar
und Port-Mahon festzuhalten. Marlborough, des Unterschleifs überwiesen, wurde im Oberbefehl
durch den Jakobiten Herzog von Ormonde ersetzt, der den Krieg nur noch zum Schein fortsetzte,
so daß Villars 27. Juli 1712 bei Denain an der Schelde Vorteile über Eugen und die Holländer
erringen konnte. Als nun vollends Philipp V. 5. Nov. 1712 sein Recht auf die Thronfolge in
Frankreich für erloschen erklärte und Ludwig XIV. dieser Entsagung staatsrechtliche Geltung
verlieh, kam es zum Waffenstillstand zwischen England und Frankreich, dem
↔ Holland notgedrungen beitrat. Den langen Friedensunterhandlungen in Utrecht,
denen durch die geheimen Abmachungen zwischen Marlboroughs Gegner, Lord Bolingbroke, und dem
franz. Gesandten Torcy vorgearbeitet war, folgte 13. April 1713 der
Utrechter Friede (s. d.).
Kaiser Karl VI. ermächtigte nach längerm Sträuben, als Landau und Freiburg in die Hände der
Franzosen gefallen waren, und weil Norddeutschland im Kriege mit Schweden war, den Prinzen
Eugen zum Waffenstillstand mit Villars und genehmigte dann den
Frieden von Rastatt (s. d.) vom März 1714, dem das Deutsche Reich zu Baden
(Aargau) 7. Sept. beitrat. In Spanien hatte Barcelona ein Jahr lang dem span.-franz. Heere
unter Marschall Berwick tapfer widerstanden, bis es 11. Sept. 1714 erstürmt wurde. Unter den
Trümmern Barcelonas blieben auch die alten Sonderrechte Cataloniens, Aragoniens und
Valencias begraben.
Litteratur. Mahon,
History of the war of succession in Spain (Lond. 1832);
Kriegs- und Staatsschriften des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden über den S. E.
(2 Bde., Karlsr. 1850); von Noorden, Europ. Geschichte, Tl. 1 (3 Bde., Düsseld. 1870–82);
de Reynald, Louis XIV et Guillaume III (2 Bde.,
Par. 1882); Courcy, La coalition de 1701 contre la France
(2 Bde., ebd. 1886); Parnell,
The war of succession in Spain 1702–11 (Lond. 1888);
Legrelle,
La diplomatie française et la succession d’Espagne
(4 Bde., Par. 1895). – Vgl. ferner die Litteratur unter Eugen, Prinz von Savoyen.
Spanischer Reiter,
Friesischer Reiter, ein 5–6 m langer, starker Balken, der
kreuzweise mit spitzen Pfählen derartig versehen ist, daß man nicht hindurchkriechen kann.
Die S. R. dienten früher zur Sicherung des Fußvolks gegen Angriffe der Reiterei und zu Zwecken
der Lagerbefestigung. Meist stellte man sie her, indem man durch einen langen Baum (Leib)
spitze Pfähle (Federn) oder auch die kurzen Spieße des Fußvolks einander kreuzend steckte
(die Aufstellungsweise s. in nachstehenden Abbildungen).

Textfigur:
Der Leib wurde auf Wagen mitgeführt, auch wohl die ganze Vorrichtung fahrbar eingerichtet.
Jetzt werden sie nur selten, auch wohl ganz aus Winkeleisen gebildet, meist zur Sicherung
von Durchgängen und Furten verwendet.
Als Hilfsmittel beim Longieren (s. d.) ist der S. R. ein gekrümmter Bügel,
der einen eisernen Mast mit Querstangen trägt und auf den Rücken des Pferdes geschnallt wird.
An den Querstangen werden die Aufsatzzügel befestigt, um den Kopf des Pferdes in einem
bestimmten Grad aufzurichten.