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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tintellust - Tione

halten ihrer Bestimmung entsprechend eine größere Menge Farbstoff als die Kanzleitinten und werden wieder in direkt und indirekt kopierfähige T. eingeteilt. Zu erstern gehören Teerfarben-, Blauholz- und Gallustinten, zu letztern die Hektographen- und Autographentinten.

Als Wäschezeichentinte dient eine Lösung von salpetersaurem Silber, mit welcher mittels Gänsekiels auf die mit Gummilösung bestrichene Leinwand geschrieben wird; die beschriebenen Stellen werden, um sie sichtbar zu machen, dem Sonnenlicht ausgesetzt. Häufig ruft man auch die schwarze Farbe der Schrift durch nachträgliche Anwendung einer Lösung von Pyrogallussäure hervor. In neuerer Zeit zeichnet man die Wäsche mit dem gegen chem. Agentien weit widerstandsfähigerm Anilinschwarz, welches als Jetolin und unter andern Namen zum Gebrauch fertig präpariert verkauft wird.

Die sympathetischen oder chemischen T. lassen die Schriftzüge erst beim Erwärmen oder infolge chem. Einwirkung zum Vorschein kommen. Schon Ovid empfiehlt den Römerinnen Milch, ihre Korrespondenz Unberufenen unlesbar zu machen: wenn die Schrift zum Vorschein kommen solle, müsse man Kohlenpulver darauf streuen. Borel schlug 1653 vor, mit Bleizuckerlösung zu schreiben und die Schriftzüge mit Schwefelleberlösung sichtbar zu machen. Der gothaische Leibarzt Jakob Waitz entdeckte die Eigenschaft der Lösung des Chlorkobalts, Schriftzüge zu geben, die nach dem Eintrocknen fast unsichtbar sind, dagegen beim Erwärmen deutlich mit blauer Farbe hervortreten und beim Erkalten wieder verschwinden; diese Eigenschaft wird vielfach zur Herstellung von sympathetischen T. benutzt, ebenso auch in neuerer Zeit zu den Wetter- oder Barometerblumen und Wetterbildern (s. Wetterblumen). Eine mit verdünnter saurer Eisenchloridlösung geschriebene Schrift, die beim Eintrocknen gänzlich verschwindet, wird durch Schwefelcyanwasserstoffsäure mit blutroter Farbe sichtbar, durch Ammoniakdämpfe dagegen wieder unsichtbar. – Der jährliche Verbrauch an T. ist im Inlande auf mehrere Millionen Kilogramm zu schätzen. Fabrikationsorte sind Dresden, Chemnitz, Berlin, Elberfeld, Köln u. a. – Vgl. Wattenbach, Das Schriftwesen des Mittelalters (3. Aufl., Lpz. 1896); Schluttig und Neumann, Die Eisengallustinten (Dresd. 1890); Lehner, Die Tintenfabrikation und die Herstellung der Hektographen und Hektographiertinten (4. Aufl., Wien 1890).

Tintellust, die bedeutendste Stadt in der Gebirgslandschaft Air (s. d.), hat etwa 60000 E. und ist der Wohnsitz der Vornehmsten des Landes.

Tintenbaum, s. Semecarpus.

Tintenbeerstrauch, s. Ligustrum.

Tintenbeutel, s. Sepia.

Tintenfisch, s. Sepia und Tafel: Kopffüßer, Fig. 5 u. 6, und Tafel: Eier Ⅰ, Fig. 6.

Tintenschnecken, s. Kopffüßer.

Tintenschwamm, s. Coprinus.

Tintillo (spr. -tilljo), Weinsorte, s. Sherry.

Tintinnabŭlum (lat.), Glöckchen, Schelle.

Tintinpoh, Handelsplatz, s. Kintampo.

Tintir, s. Babylonien.

Tinto, gefärbter span. Wein, s. Spanische Weine.

Tinto oder Rio Tinto («gefärbter Fluß»), der zweitgrößte Küstenfluß der span. Provinz Huelva in Andalusien, östlich vom Odiel, entspringt 60 km im NW. von Sevilla, in südl. Ausläufern der Sierra de Aracena, 250 m ü. d. M., geht nach S. an Minas de Rio Tinto (s. d.) vorüber durch öde, schieferhaltige Hügellandschaft, bildet die Westgrenze der andalus. Tiefebene, berührt Moguer, Palos und das Kloster La Rabida, vereinigt sich mit dem schiffbaren Odiel und mündet so in den Golf von Cadiz. Sein Wasser ist unterhalb der Kupferminen von schwefelsaurem Eisenoxyd rot gefärbt, wie Burgunder, wirtschaftlich unbrauchbar und tödlich für jedes lebende Wesen. Die 83 km lange Rio-Tinto-Eisenbahn führt die Erze von Minas zum Hafen von Huelva.

Tinto di Rota, Weinsorte, s. Sherry.

Tintoretto, eigentlich Giacomo Robusti, ital. Maler, geb. 16. Sept. 1518 zu Venedig als Sohn eines Färbers, daher sein Beiname. Er war anfangs Schüler Tizians, verließ ihn aber nach einiger Zeit, um seinen eigenen Weg zu gehen. Er starb 31. Mai 1594. In der Zeichnung mit Michelangelo, in der Farbengebung mit Tizian, jedoch in übertriebenem Sinne wetteifernd, leitete er die venet. Bravourmalerei, das Prunken mit massenhafter Komposition, schwierigen Perspektiven, mit theatralisch gespreizten Figuren u. dgl. ein. Bewundernswert ist indessen seine gewaltige, keine Schwierigkeiten kennende Phantasie. Er malte viel für seine Vaterstadt, unter anderm für Sta. Madonna dell’ Orto ein Jüngstes Gericht, die Anbetung des Goldenen Kalbes und Wunder der heil. Agnes, für San Rocco Darstellungen aus dem Leben des heil. Rochus, für Sta. Maria della Salute Die Hochzeit zu Kana; ferner Wand- und Deckengemälde im Dogenpalast, unter anderm: Die Abgesandten des Papstes und des Dogen Ziani richten zu Pavia vergeblich die Bitte um Einstellung der Feindseligkeiten an Kaiser Friedrich Ⅰ., Wiedereroberung von Zara durch die Venetianer 1346 und in der Sala del Maggior Consiglio das berühmte Paradies (1590), eine kolossale, 9 m hohe, 23 m lange Glorie von mehrern Hundert Figuren. 1560 übernahm er die bis an sein Lebensende ihn beschäftigende Ausmalung der Scuola di San Rocco; in diesen Kompositionen ist besonders das Kreuzigungsbild vom J. 1565 vortrefflich. Von sonstigen Tafelbildern sind hervorzuheben: Der heil. Markus befreit einen verurteilten Sklaven (Venedig, Akademie), Opferung Isaaks (Florenz, Uffizien), Vulkan mit Venus und Amor (ebd., Palast Pitti); Taufe Christi, Besuch der Königin von Saba bei Salomo, Esther vor Ahasverus (Pradomuseum zu Madrid); Ehebrecherin vor Christus, Heilige Familie, Apollo und die Musen (Dresdener Galerie); Findung des Moses, Susanna im Bade (Hofmuseum zu Wien; von letzterm Wiederholungen im Louvre und im Madrider Museum). Als Porträtmaler wurde T. vielleicht mehr als jeder andere Künstler seiner Zeit in Anspruch genommen; eine große Anzahl von Bildnissen ist in Wien und Madrid.

Sein Sohn Domenico Robusti, ebenfalls T. genannt, geb. um 1562, gest. 1637, lernte bei seinem Vater und ahmte ihn nach. Zu seinen besten Werken gehören: Seeschlacht zwischen den Venetianern und Kaiser Otto Ⅱ. (Venedig, Dogenpalast), Bildnis des Dogen Gir. Priuli (Hofmuseum in Wien). – Vgl. Janitschek in Dohmes «Kunst und Künstler», Bd. 3 (Lpz. 1879).

Tioge, Fluß in Afrika, s. Kubango.

Tiōne. 1) Bezirkshauptmannschaft in Tirol, hat 1226,77 qkm und (1890) 35373 (15801 männl., 19572 weibl.) ital. E. in 64 Gemeinden mit 115 Ort,