Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

767

Windmonat - Windmotoren

Windfahne stets senkrecht zur Windrichtung eingestellt wird. Die Zusammendrückung, welche eine mit der Platte verbundene Feder erleidet, wird durch ein über Rollen geleitetes Gewicht im Gebäude sichtbar. Dann kamen Platten zur Verwendung, die um eine horizontale Achse drehbar sind und um so stärker aus ihrer vertikalen Lage abgelenkt werden, je stärker der Wind ist (Fig. 4). Eine Vereinigung dieser Platte mit einer Windfahne bildet die verbreitete Wildsche Windfahne. Neuerdings hat man die Platte durch eine leichte Kugel (Fig. 5) ersetzt, die an der Spitze eines Stabes sitzt, der am untern Ende ein Gewicht trägt. Handelt es sich nur darum, die mittlere Strömungsgeschwindigkeit für einen längern Zeitraum zu kennen, so verwendet man sog. Anemometer. Das empfindlichste derselben ist ein aus Glimmer oder aus Aluminium hergestelltes Windmühlenrädchen, das mit einer von der Windgeschwindigkeit abhängigen Geschwindigkeit rotiert, so daß aus der Anzahl der während des betreffenden Zeitraums gemachten Touren, die durch ein Zählwerk registriert werden, die Durchschnittsgeschwindigkeit des Windes sich berechnen läßt. Am gebräuchlichsten ist Robinsons Schalenkreuz (s. d.). Der von A. von Öttingen erfundene Windkomponentenintegrator zerlegt ununterbrochen die Windströmungen, die eine Windfahne und ein Robinsonsches Schalenkreuz nach Richtung und Stärke aufzeichnen, in Komponenten und addiert nach Art eines Planimeters die gleichgerichteten Komponenten, so daß man für jeden Zeitraum genaue Werte der mittlern Richtung und Stärke des Windes ableiten kann. Anemographen oder Windautographen sind Verbindungen von Windfahne und Windstärkemesser, die eine selbstthätige Aufzeichnung der jeweiligen Windrichtung und Windstärke bewirken. Solche selbstthätige Registrierapparate sind in großer Zahl konstruiert worden.

^[Fig. 2]

^[Fig. 3]

^[Fig. 4]

^[Fig. 5]

Windmonat, der November (s. d.).

Windmotoren, Windräder, Kraftmaschinen zur Ausnutzung der Windkraft. Anfangs wurden die Windräder, die als eine deutsche Erfindung gelten, nur zum Betrieb von Mahlmühlen verwendet, weshalb der Name Windmühle (s. d.) auf sämtliche W. übertragen wurde.

Die älteste, jetzt nocb gebräuchliche Form der W. ist die der Bockmühlen oder deutschen Windmühlen (s. Tafel: Windmotoren, Fig. 1). Die vier Flügel der Windmühle bestehen aus den Windruten oder Armen, den senkrecht zu diesen stehenden Windsprossen (hölzernen Querstäben, die durch die Ruten hindurchgesteckt sind) und der über den Sprossen liegenden Bedeckung (Leinwand oder dünne Bretter). Bei alten Bockmühlen sind die Flügel meist eben, doch macht man sie jetzt auch vielfach hohl oder windschief, weil man dadurch eine bessere Ausnutzung des Windstroms erzielt. Die Windruten sind durch den Achsenkopf gesteckt, und die in seiner Verlängerung auf zwei Balken des Hauses d ruhende Flügelwelle g trägt ein hölzernes Stirnrad b, welches meist mit Triebstockverzahnung versehen ist und in das auf senkrechter Achse sitzende Laternengetriebe c eingreift, dadurch den Mahlgang und das übrige Gangwerk der Mühle in Betrieb setzend. Das ganze Haus ruht bei e auf dem starken hölzernen Bock und ist um denselben nach der Windrichtung drehbar. Auf der entgegengesetzten Seite des Flügelrades führt eine Treppe nach dem Innern der Mühle; unter dem Podest dieser Treppe steht ein schräg nach unten zu gehender Balken hervor, der Sterz oder Stert f, durch den die Mühle gedreht wird.

Die zweite Art der ältern Windräder zeigen die Turm- oder holländischen Windmühlen, bei welchen entweder der obere, den Hauptbetrieb einschließende Teil für sich drehbar auf einem Gerüst über der Mühle steht, wie in Fig. 4 der Tafel, oder die auf dem turmartigen Hause befindliche Haube, welche die Flügelwelle mit dem Antriebskammrad umschließt, allein drehbar ist. Bei derartigen Windmühlen findet man vier, fünf und mehr Flügel, die bei größerer Anzahl am Umfang mit Versteifungsstangen verbunden sind; die Flügel sind fast immer mit windschiefen Flächen ausgeführt. Die Drehung der Turmköpfe erfolgt bei manchen derartigen Mühlen selbstthätig durch ein kleines Hilfswindrad, welches, in der Achsenrichtung der Flügelwelle angeordnet, das Bestreben hat, sich stets so zu stellen, daß seine Achse senkrecht zur Windrichtung liegt, also das Hauptflügelrad mit seiner Fläche gegen den Wind gewendet ist. Die Flügelräder a (Fig. 4) stecken in der Regel in eisernen Achsenkreuzen, während die Flügelachse b mit dem Kaminrad c gegen die horizontale Richtung geneigt ist, um dadurch die Flügel besonders vorteilhaft gegen den Wind zu stellen. Die Königswelle d wird durch das Kammrad e mittels eines zweiten Zahnrades angetrieben und überträgt die Kraft nach dem Mühlenbaum.

Die neuern Windräder, nach ihrem Ursprung amerikanische genannt, besitzen nicht einzelne Flügel, sondern einen aus vielen gleichen einzelnen Schaufeln gebildeten Ring; außerdem tragen sie fast allgemein Steuerscheiben zur selbstthätigen Einstel-^[folgende Seite]