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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Woltmmanscher Flügel - Wolzogen (Ernst, Freiherr von)

britanniens" (Bd. 1, Berl. 1799), sein bestes Werk: "Geschichte des Westfälischen Friedens" (2 Bde., Lpz. 1809), "Geschichte der Reformation" (3 Bde., Altona 1800-2), "Geschichte Frankreichs" (Berl. 1797), "Geschichte Böhmens" (2 Bde., Prag 1815), Meine histor. Schriften" (2 Bde., Jena 1797). Eine Ausgabe seiner "Sämtlichen Werke" veranstaltete seine Witwe (14 Bde., Berl. 1818-27). "Die Memoiren des Freiherrn von S-a" (3 Bde., Prag 1815), die er anonym herausgab, verraten in vieler Hinsicht seine schlecht verhüllte Eigenliebe.

Seine Gattin Karoline von W., geb. 6. März 1782, Tochter des preuß. Geheimrats und Arztes Stosch, 1799-1804 mit dem Kriegsrat Karl Müchler, dann seit 1805 mit W. verheiratet, nahm vielfachen Anteil an seinen Arbeiten. Sie siedelte nach W.s Tode nach Berlin über und starb daselbst 13. Nov. 1847. Unter ihren Schriften sind hervorzuheben: "Volkssagen der Böhmen" (2 Bde., Prag 1815) und "Neue Volkssagen" (Halberst. 1821), der Roman "Marie und Walpurgis" (2 Bde., Prag 1817), "Die Bildhauer" (2 Bde., Berl. 1829), "Der Ultra und der Liberale, und die weiße Frau" (Hamb. 1832), "Menschen und Gegenden" (2 Bde., Bresl. 1835). Ihres Gatten und ihre Erzählungen und Gedichte erschienen als "Schriften" (5 Bde., Berl. 1806-7).

Woltmannscher Flügel, ein zur Bestimmung der Geschwindigkeit fließenden Wassers dienendes Instrument. Wie die Achse der Windmühle durch den Druck des Windes, so wird die Achse des kleinen, meist aus Messing gefertigten, mit windschiefen Flügeln versehenen Rades je nach dem Drucke des Wassers schneller oder langsamer gedreht. Aus der Zahl der in einer gewissen Zeiteinheit erfolgten Umdrehungen, welche durch einen Zählapparat gemessen werden, macht man einen Rückschluß auf die Geschwindigkeit des Wassers. Der Apparat wird an einer lotrechten Stange unter Wasser gehalten und stellt sich durch eine kleine Blechplatte so, daß die Achse sich der Strömung entgegenstellt.

Woltmershausen, Ort bei Bremen (s. d.).

Wolverene, s. Vielfraß.

Wolverhampton (spr. wullwĕrhämmt'n), Municipal-, Parlaments- (drei Abgeordnete) und Countyborough, der volk- und gewerbreichste Ort in dem südl. Industriegebiet der engl. Grafschaft Stafford (s. d. nebst Karte) und mit ihrer Umgebung ein Hauptsitz der engl. Eisenfabrikation, liegt im Nordwesten von Birmingham an drei Bahnlinien, inmitten von Kanälen, Steinkohlengruben und Eisenhütten (Black County), hat (1891) 82 620, als Parlamentsborough 174 365 E. 1896 wurden 86 530 E. berechnet. Von den Kirchen zeichnet sich die got. Kollegiatkirche zu St. Peter wegen ihrer steinernen Kanzel aus dem 15. Jahrh., ihrer Orgel, ihrer Grabdenkmäler, ihres Taufbeckens und Glockenspiels aus. Andere Bauten sind die große Town-Hall im Renaissancestil, Freibibliothek, Gemäldegalerie, Gebäude für landwirtschaftliche Ausstellungen, Waisenhaus, Denkmäler für den Freihändler Villiers und Prinz Albert. Hergestellt werden Schlösser, Schrauben, Gewehre, verzinnte Teller und lackierte Waren, auch Messerschmiedewaren, Messingwaren, Papiermaché, Chemikalien, Seilerwaren, Leder und Ziegel.

Wolyn, der russ. Name von Volhynien (s. d.).

Wolynskij Nowograd, s. Nowograd Wolynskij.

Wölzer Alpen, s. Ostalpen.

Wolzogen, adliges Geschlecht, das aus Oberösterreich stammt, sich dann aber nach Niederösterreich und Ungarn verbreitete. Schon um 1500 blühte es in zwei Linien, die beide 1628 wegen ihres prot. Bekenntnisses aus Österreich verbannt wurden. Die ältere oder Missingdorfer Linie verbreitete sich nach Schlesien, der Rheinpfalz, Oldenburg, Polen, Schweden, Frankreich und Holland, erlosch aber um 1700. Ihr gehörten Matthias von W. (geb. 1588, gest. 1665) an, der 1657 Geheimratspräsident (Premierminister) des Grafen Anton Günther von Oldenburg wurde und Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft war, und Ludwig von W., geb. 1635, gest. 1690, der als Professor der Kirchengeschichte zu Utrecht zu den Arminianern zählte und von Leibniz in dessen "Theodicee" der erste Rationalist genannt wurde. Der jüngern oder Neuhauser Linie, die 1607 den Freiherrenstand erlangte, gehörte an: der durch viele theol. Schriften (im 6. Bande der "Bibliotheca Fratrum Polonorum") bekannte Socinianer Johann Ludwig Freiherr von W. (1600-61) und der kaiserl. Reichshofrat Hans Christoph Freiherr von W., geb. 1666, gest. 1734 als Premierminister des Herzogs zu Sachsen-Weißenfels sowie der Herzöge Bernhard I. und Ernst Ludwig I. zu Sachsen-Meiningen. Durch Erwerbung der Rittergüter Mühlfeld und Bauerbach wurden um jene Zeit die Freiherren von W. Mitglieder der frank. Reichsritterschaft des Kantons Rhön und Werra. Die Söhne Hans Christophs gründeten 1734 zwei Linien, von denen die ältere oder Mühlfelder zu Anfang des 19. Jahrh. erlosch, während die jüngere oder Bauerbacher noch fortblüht. Der letztern gehörten die Brüder Wilhelm Freiherr von W. und Ludwig Freiherr von Wolzogen (s. d.) an. - Vgl. A. von Wolzogen, Geschichte des reichsfreiherrl. von Wolzogenschen Geschlechts (2 Bde., Lpz. 1859).

Wolzogen, Ernst, Freiherr von, Schriftsteller, Sohn von Karl Aug. Alfr., Freiherrn von W., geb. 23. April 1855 in Breslau, studierte in Straßburg und Leipzig Philosophie, neuere Philologie und Kunstgeschichte, lebte 1880-82 in Weimar, dann in Berlin und wohnt jetzt in München. W. ist ein durchaus selbständiger Anhänger der modernen naturalistischen Bewegung, von deren pessimistischen und erotischen Verkehrtheiten ihn sein überall durchdringender Humor fern gehalten hat; ein scharfer Beobachter der Wirklichkeit und gewandter Schilderer, weiß er Charaktere lebensvoll zu gestalten und ist ein tragikomischer Dichter im besten Sinne des Wortes. Er schrieb: "Um 13 Uhr in der Christnacht", eine Weihnachtsgeschichte (Lpz. 1880 u. ö.), "Immaculata", Erzählung (ebd. 1881), "Heiteres und Weiteres", Novellen (darin "Die Gloriahose", Stuttg. 1886-, 2. Aufl. 1896), "Basilla", Roman (ebd. 1887), die Romanreihe "Blau Blut" (Bd. 1: "Die Kinder der Excellenz", auch dramatisiert; Bd. 2 bis 3: "Die tolle Comteß"; Bd. 4 bis 5: "Der Thronfolger", ebd. 1888-91 u. ö.), "Die kühle Blonde", Roman (2 Bde., ebd. 1890), die Skizzen- und Novellensammlung "Erlebtes, Erlauschtes und Erlogenes" (Berl. 1892 u. ö.), "Die Entgleisten", Roman (ebd. 1894 u. ö.), "Das gute Krokodil und andere Geschichten aus Italien" (ebd. 1893), "Fahnenflucht", Novelle (ebd. 1894 u. ö.), "Ecce ego!", Roman (ebd. 1895), "Die Erbschleicherinnen", Roman (Stuttg.1895), "Geschichte von lieben süßen Mädeln", Novellen (Berl. 1897) und mehrere dramat. Werke, darunter: "Das Lumpengesindel" (ebd. 1892), "Daniela Weert" (ebd. 1894) und "Unjamwewe" (ebd. 1897). Außerdem veröffentlichte W. eine Schrift