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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wolzogen (Hans, Freiherr von) - Wongrowitz

über "George Eliot" (Lpz. 1885), eine Flugschrift "Linksumkehrt, schwenkt, Trab!" (1. bis 8. Aufl., ebd. 1894), übersetzte mehreres aus dem Englischen und bearbeitete die 4. Auflage der Doréschen Prachtausgabe des "Don Quijote" (Berl. 1883-85) und die "Lebensbeschreibung des Ritters Hans von Schweinichen" (Lpz. 1884).

Wolzogen, Hans, Freiherr von, Schriftsteller, Sohn des folgenden, geb. 13. Nov. 1848 zu Potsdam, widmete sich philos. und linguistischen Studien und verfaßte "Der Nibelungenmythos in Sage und Litteratur" (Berl. 1870), "Poet. Lautsymbolik" (Lpz. 1870) und erläuternde Schriften zu Richard Wagners (s. d.) Werken. Seit 1878 lebt W. in Bayreuth als Leiter der "Bayreuther Blätter", der Hauptzeltschrift für die Wagnersache. Spätere Schriften W.s sind: "Die Verrottung und Errettung der deutschen Sprache" (Lpz. 1880), "Unsere Zeit und unsere Kunst" (ebd. 1880), "Die Religion des Mitleidens" (Bayreuth 1883), "Die Idealisierung des Theaters" (Münch. 1887), "Kleine Schriften" (Bd. 1: "Über Sprache und Schrift", Lpz. 1886; Bd. 2: "Wagneriana", ebd. 1890), "Großmeister deutscher Musik", Bd. 1 (Hannov. 1897). Ins Neuhochdeutsche übersetzte W. für Reclams "Universalbibliothek": Hartmanns Gedicht "Der arme Heinrich" (1872), "Beovulf" (1873), "Die Edda" (1877) und "Äschylos' Tragödien" (7 Hefte). W. ist auch Verfechter der (christlich-socialen) antisemit. sowie der Antivivisektionsbewegung.

Wolzogen, Karl Aug. Alfr., Freiherr von, Schriftsteller, geb. 27. Mai 1823 zu Frankfurt a. M., der älteste Sohn des Generals Ludwig von W., studierte seit 1841 zu Berlin und Heidelberg die Rechte, fand als Regierungsassessor im Ministerium des Innern Verwendung, bis er Ende 1854 an die Regierung nach Breslau versetzt wurde, wo er 1803 zum Regierungsrat aufrückte. Seit Sept. 1807 wirkte er als Hoftheaterintendant zu Schwerin und ward 1868 großherzogl. Kammerherr. Er starb 13. Jan. 1883 zu San Remo. W. veröffentlichte: "Fr. von Schillers Beziehungen zu Eltern, Geschwistern und der Familie von W." (anonym, Stuttg. 1859), "Aus Schinkels Nachlaß" (4 Bde., Berl. 1802-04), "Preußens Staatsverwaltung mit Rücksicht auf seine Verfassung" (ebd. 1854), "Geschichte des Reichsfreiherrlich von Wolzogenschen Geschlechts" (2 Bde., Lpz. 1859) u. s. w. Auch schrieb er die Lustspiele "Nur kein Ridicul" (Berl. 1804) und "Die glückliche Braut" (ebd. 1870), das Schauspiel "Sakuntala" (Schwer. 1869), mehrere Schriften zur Reform des Textes und der Inscenierung von Mozarts "Don Giovanni", und bearbeitete eine Reihe von dramat. Werken für die Bühne.

Wolzogen, Karoline von, geborene von Lengefeld, Dichterin, Schwester von Schillers Gattin, geb. 3. Febr. 1763 in Rudolstadt, genoß eine treffliche Erziehung, verheiratete sich 1784 mit dem rudolstädtischen Geheimrat von Beulwitz und nach Trennung dieser Ehe im Sept. 1794 mit ihrem Oheim, dem nachmaligen Weimar. Oberhofmeister Wilhelm Freiherrn von W. (geb. 1762, gest. 1809). Ihre spätern Lebensjahre brachte sie in Jena zu, wo sie 11. Jan. 1847 starb. Für ihre geistige Richtung entscheidend war die nahe Freundschaft, die sie Herbst 1787 im Hause der Mutter mit ihrem spätern Schwager Schiller schloß. Als Dichterin trat sie, nach einigen kleinen Versuchen, zuerst ohne Nennung ihres Namens mit dem Roman "Agnes von Lilien" (2 Bde., Berl. 1798; neu hg. von Boxberger und Salomon, Stuttg. 1884) auf, den manche für ein Werk Goethes hielten. Außer "Erzählungen" (2 Bde., Stuttg. 1826-27) verfaßte sie erst nach langem Zwischenraume wieder ein größeres Werk: "Cordelia" (2 Bde., Lpz. 1840). Von weit größerer Bedeutsamkeit ist "Schillers Leben, verfaßt aus den Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner" (2 Bde., Stuttg. 1830; 5. Aufl. 1876). Durchweg auf eigene Anschauung gestützt, hat sie hier ein Bild Schillers gezeichnet, das sich durch Treue und liebevolle Wärme der Darstellung auszeichnet. Ihr "Litterar. Nachlaß" erschien in 2 Bänden (Lpz. 1848-49; 2. Aufl.1867).

Wolzogen, Ludw., Freiherr von, preuß. General der Infanterie, geb.4. Febr. 1774 zu Meiningen, trat 1792 als Lieutenant in die württemb. Gardelegion, ging 1794 in preuß. Dienste, wurde 1802 Erzieher des Prinzen Eugen von Württemberg und trat 1804 wieder in württemb. Dienste zurück. 1807 nahm er den Abschied und wurde in Rußland Major im Generalquartiermeisterstabe. Durch militär. Denkschriften machte er sich dem Kaiser bemerklich, der ihn 1810 zu seinem Flügeladjutanten und 1811 zum Oberstlieutenant ernannte. Im Feldzuge von 1812 war er als Oberst dem Generalstabe des Generals Barclay de Tolly, später Kutusows beigegeben, 1813 war er im Stäbe des Kaisers und wurde dann, nachdem er zum Generalmajor befördert war, zum Generalstabschef des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar ernannt. Er machte unter diesem den Feldzug von 1814 in den Niederlanden mit und begleitete ihn später zum Kongreß nach Wien; 1815 trat er als Generalmajor wieder in die preuß. Armee. Der König ernannte ihn 1818 zum Bevollmächtigten bei der Militärkommission des Deutschen Bundes, in welcher Stellung er, seit 1820 Generallieutenant, blieb, bis er 1836 als General der Infanterie in den Ruhestand versetzt wurde. Er starb 4. Juni 1845 zu Berlin. Die aus seinem Nachlaß von seinem Sohne veröffentlichten "Memoiren" (Lpz. 1851) bieten interessante Aufschlüsse.

Wombat (Phascolomys), eine in Neusüdwales und Tasmanien einheimische Beuteltiergattung von plumpem Körperbau und schweinsähnlichem Ausehen, die sich durch ihre Bezahnung auszeichnet, die der der Nager ähnelt. Die drei Arten sind mehr nächtliche Tiere, leben in Erdhöhlen, nähren sich von Pflanzen und lassen sich leicht erhalten, so daß man sie oft in zoolog. Gärten sieht. Preis etwa 300 M. das Stück. In neuester Zeit hat man in Tasmanien fossile Überreste einer riesigen Art gefunden. Die häufigste Art (Phascolomys fossor Sewastianof, s. Tafel: Beuteltiere II, Fig. 1) wird 90 cm lang, ist graubraun und bewohnt Tasmanien und einige benachbarte Inselchen der Baßstraße.

Wombwell (spr. wummbĕl), Stadt in der engl. Grafschaft Yorkshire im West-Riding, im Südosten von Barnsley, hat (1891) 10 942 E.; Steinkohlengruben und Eisenindustrie.

Wongrowitz. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Bromberg, hat 1037,06 qkm und (1895) 43 970 (21 189 männl., 22 781 weibl.) E., 4 Städte, 130 Landgemeinden und 84 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis W., an der links zur Warthe gehenden Welna, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Gnesen), hat (1895) 5260 meist poln. E., darunter 1062 Evangelische und 543 Israeliten, Postamt erster Klasse, zwei kath. Kirchen, darunter die 1747 nach dem Brande