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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Röhrencassia – Rohrrüßler

Röhrencassia, Pflanzenart, s. Cassia.

Röhrenherzen, s. Lanzettfische.

Röhrenholothurie, s. Holothurien.

Röhrenkessel, ein Dampfkessel (s. d., Bd. 4, S. 725 b.)

Röhrenmäuler (Fistulariidae), eine kleine Fischfamilie aus der Gruppe der Stachelflosser (s. d.), mit langer, enger, schnabelartiger Mundröhre, an deren freiem Ende das kleine Maul steht. Die Bezahnung ist sehr gering entwickelt, oft fehlt sie gänzlich. Der Kopf ist mit der Wirbelsäule gelenkig verbunden, die Hinterflossen sind ohne Stachel. Die R. bewohnen tropische und subtropische Meere und ernähren sich von kleinen Tieren. Eine der bekanntesten Arten ist die Meerschnepfe (Centriscus scolopax L., s. vorstehende Abbildung), ein 10‒15 cm langer, seitlich stark zusammengedrückter Fisch mit langem, starkem, geradem Stachel der Rückenflosse, von rötlicher, unten und an den Seiten goldig glänzender Farbe. Er findet sich im Mittelmeer.

^[Abb.]

Röhrenpilz, s. Boletus.

Röhrenpolypen, s. Schwimmpolypen.

Röhrenpresse, Presse zur Herstellung von Bleiröhren sowie von Drainröhren.

Röhrenquallen, s. Schwimmpolypen.

Röhrenschwamm, s. Boletus.

Röhrenspinnen (Tubitelariae), eine Unterordnung der Spinnen (s. d.), fertigen unter Steinen, unter Baumrinde, in Mauerspalten, zwischen Pflanzen u. s. w. dichte, deckenartige Gewebe, die meist trichterförmig in eine Röhre auslaufen, in der die R. auf ihre Beute lauern. Zu den zahlreichen R. gehören die Winkelspinne, die Hausspinne, die Wasserspinne und die Sackspinnen. (S. die betreffenden Artikel.)

Röhrentang, s. Polysiphonia.

Röhrenwalzverfahren, s. Mannesmannsches Röhrenwalzverfahren.

Röhrenwürmer, s. Borstenwürmer.

Rohrhähnchen, Käfergattung, s. Donacia.

Rohrinstrumente, s. Blasinstrumente.

Rohrkolben, s. Typha.

Rohrkröte, s. Kröten.

Rohrmelasse, s. Melasse.

Rohrpalme, soviel wie Rotang (s. Calamus).

Rohrpost, pneumatische Post (frz. poste tubulaire; engl. pneumatic dispatch), die in mehrern Großstädten getroffene Einrichtung, Briefe und Telegramme in unterirdischen Röhren unter Benutzung des Luftdrucks und des luftverdünnten Raums von einer Station (Rohrpostamt) zur andern zu befördern. Papin, Medhurst, Cazalet und L. Clarke haben zuerst, allerdings ohne Erfolg, versucht, den Gedanken praktisch zu verwerten. Rammel in London (1862) verbesserte die Paketbeförderung durch Luftdruck, und es bildete sich in demselben Jahre in England die Pneumatic Dispatch Company. Zuerst wurde die 600 m lange Linie zwischen der North-Western-Eisenbahn und dem Postamt in Camden-Town in London pneumatisch verbunden. Die Stelle der Luft- und Kompressionspumpe vertrat ein hohles Rad, das 3 m Durchmesser hatte und 2‒300 Umdrehungen in der Minute machte. Die Luft im Tunnel (3 Fuß weit) wurde geleert, der Zug mit kleinen Waggons auf den Schienen in Bewegung gesetzt und dann atmosphärische Luft vor diesen Zug gebracht, so daß die kleinen Waggons durch den Luftdruck nach der andern Station getrieben wurden (pneumatische Eisenbahnen). Doch bewährte sich das System nicht vollständig; man ersetzte Mitte der siebziger Jahre die Einrichtung durch andere Maschinen, die im wesentlichen dem in Paris (seit 1867), Wien (seit 1875) und Berlin (seit 1. Dez. 1876) eingeführten System des Ingenieurs von Felbinger in Wien entsprechen. In Berlin z. B. besteht die Anlage aus vier sich verästelnden Hauptzweigen von Röhren, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgehen, so daß alle Sendungen, die von einem Hauptzweige zum andern geleitet werden sollen, die Centralstation berühren müssen. Die Röhren (1 m tief unter dem Straßenpflaster) haben 65 mm Weite, die Büchsen für Aufnahme der Sendungen sind aus Stahlblech, 15 cm lang und fassen etwa 20 Briefe, Karten oder Telegramme. Die Geschwindigkeit der Züge (10‒12 Büchsen, die letzte ist ein Dichtungskolben) beträgt 1000 m in der Minute. Zur Erzeugung der Luftverdichtung und Luftverdünnung dienen acht Maschinenstationen, deren jede mit zwei Kompressionsmaschinen (s. d.) versehen ist. Die Gesamtanlagekosten betrugen über 3 Mill. M. Die schnellste Aushändigung einer Sendung an den Adressaten kann in 7 Minuten erfolgen. In Deutschland bestehen Rohrposteinrichtungen in Berlin, München, Hamburg, Stuttgart; in England besitzen London, Birmingham, Liverpool, Manchester pneumat. Beförderung, sodann Paris und Wien. In den Vereinigten Staaten wurde der erste Rohrpoststrang in Neuyork (1876) gelegt; seit 1893 hat auch Philadelphia eine etwa 1000 m lange R. Das Porto beträgt z. B. in Berlin für Rohrpostbriefe 30 Pf., für Rohrpostkarten 25 Pf.; in Wien 15 Kr. und 10 Kr. (mit Antwort 20 Kr.), in Paris 50 Cent. und 30 Cent. (mit Antwort 60 Cent.; für einen Brief mit Antwort 1 Frank). – Vgl. Pernolet, L’air comprimé et ses applications (Par. 1876); Bontemps, Les Systèmes télégraphiques (ebd. 1876); Wiebe, Die Rohrpostanlage zu Berlin (Berl. 1877).

Rohrrüßler (Macroscelides) oder Springrüssler, ein aus acht Arten bestehendes, auf Afrika beschränktes Geschlecht der Insektenfresser. Die R. haben eine lange, zu einem Rüssel umgebildete Schnauze und bewegen sich infolge der verlängerten Hinterbeine hüpfend, wobei ihnen der lange Schwanz sehr zu statten kommt. Der gemeine R. (Macro- ^[folgende Seite]