Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Säge.

gesetzt. Dann hat das Blatt (Fig. 9) einen rautenförmigen Einschnitt abc mit keilförmigem Rand, in welchem der als kleine Platte gebildete Zahn z durch einen Stift s festgehalten wird, während das Loch u zum Ausschieben des Zahns behufs Anschleifens dient. Damit die S. sich nicht festklemmt, muß der Sägeschnitt etwas breiter ausfallen als die Dicke des Blattes. Das erreicht man dadurch, daß man (Fig. 10) das Blatt r an der Zahnlinie dicker macht als am Rücken, oder indem man die Zähne abwechselnd nach rechts und links (Fig. 10, d und a) aus der Blattebene herausbiegt, und endlich, indem man durch Stauchen die Zähne an der Schneide verbreitert. Die erste und dritte Methode benutzt man bei Metall- und Holzsägen, die zweite ausschließlich bei letztern. Dies Schränken oder Aussetzen wird mittels eines Werkzeugs (Schränkeisen) ausgeführt, welches in der einfachsten u. gewöhnlichsten Form (Fig. 11) aus einer dickern Stahlplatte a mit dem Griff b besteht, die bei e, e, e verschiedene Einschnitte hat. Mit einem passenden Einschnitt wird der Zahn gefaßt und nach außen gebogen, während ein verstellbarer Anschlag ss_{1} das Maß des Ausbiegens (Schrank) bestimmt, indem derselbe mit der Nase s_{1} gegen das Blatt stößt.

Das Sägeblatt ist im allgemeinen zu dünn und biegsam, um ohne weiteres gebraucht werden zu können, und muß daher in der Regel künstlich gespannt werden. Ungespannte Sägen kommen nur unter Holzsägen vor, und zwar sind folgende die wichtigsten: 1) Schrotsäge (Brettsäge, Dielensäge, Fig. 12, das Blatt B), etwa 1,6 m lang, oben 16, unten 10 cm breit, auf 25 mm ein Zahn, zum Zerschneiden von Balken in der Länge, für zwei Arbeiter, welche die S. an Quergriffen fassen, und wovon der eine auf einem Sägegerüst steht. 2) Bauchsäge (Quersäge), horizontal von zwei Mann geführt, zum Querabsägen, mit Griffen in Ösen. Länge etwa 1,5 m; gewöhnlich M-Zähne mit 12-20 mm Zwischenraum. Die Sägerandlinie ist wegen der wiegenden Bewegung und Ausgleichung der Abnutzung gekrümmt. Die Quersäge dient zum Fällen der Bäume, daher auch Waldsäge oder Bauernsäge genannt. 3) Fuchsschwanz, ohne und mit Rücken (Rückensäge). 4) Stichsäge (Spitzsäge, Lochsäge), zum Ausschneiden von Löchern, daher besonders schmal, aber an der Zahnreihe dick und ohne Schränkung. Zu den Spannsägen gehören zunächst 1) die Metallsägen, weil das Blatt in dem sogen. Gestell von der Form ^ aus Schmiedeeisen gebogen, durch Schrauben festgehalten und angezogen wird (Sägebogen, Bogensäge). Kleine Bogensägen heißen Laubsägen, weil sie hauptsächlich dazu gebraucht werden, Laubarbeiten (Schweifungen) auszuschneiden; damit diese S. auch kleinen Krümmungen folgen können, muß das Blatt sehr schmal (0,6-2,0 mm breit) sein. Die größten Metallsägeblätter besitzen 350 mm Länge und 20 mm Breite. 2) Die Klobsäge (Furniersäge), zum Zerschneiden (Trennen) großer Stücke in der Längenrichtung, ist 1,3-1,5 m lang, 10 cm breit, sehr dünn, mit ungleichseitig dreieckigen oder Wolfszähnen, von denen 80-160 auf 1 m Länge stehen, hat einen vierseitigen hölzernen Rahmen zum Gestell, wird senkrecht geführt und schneidet beim Niedergehen. 3) Die Örtersäge, zum Zuschneiden der Arbeitsbestandteile, hat ein 78-85 cm langes, 48-55 mm breites, sehr dünnes Blatt, das Zähne auf 1 cm Länge enthält. Das Gestell besteht aus einem Stock von der Länge des Blattes, ist mit diesem parallel und trägt an seinem Ende zwei kürzere verschiebbare Querhölzer, die an der einen Seite durch eine mehrfache Schnur, an der andern durch das Sägeblatt miteinander verbunden sind. Durch einen Knebel wird die Schnur zusammengedreht und das Blatt gespannt. Das Blatt wird an beiden Enden mittels zweier Angeln an zwei Knöpfen befestigt, welche sich in den Armen drehen lassen, um das Sägeblatt zu richten. Zu den Örtersägen gehört die Handsäge mit nur 22 cm langem und die Schweifsäge mit nur 3-4 mm breitem Blatt zum Schneiden in Krümmungen. Für besondere Arbeiten dienen noch: die Gratsäge, mit 17 cm langem Blatt und drei Zähnen auf 1 cm Länge, welche schneiden, wenn man die S. gegen sich hinzieht, dient dazu, um Einschnitte (Grate) an breiten Flächen zu machen; die Zapfensäge, kleine S., an einem Holzstück so befestigt, daß sie mit der Fläche aufliegt, um kleine Vorsprünge, Zapfen, in der Ebene der Arbeitsfläche abzuschneiden; Einstreichsäge, zum Einschneiden der Schlitze in Metallschraubenköpfen; Drahtsägen, aus drei seilartig zusammengedrehten dünnen Drähten bestehend, wendet man zum Schneiden des Gipses oder ähnlicher Mineralien an. Von großer Wichtigkeit ist das Schärfen der S., weil davon die Wirkung abhängt. Es geschieht mittels Feilen (Sägefeilen), welche die Form der Zahnlücken besitzen, oder durch schnell rotierende Schmirgelscheiben. Um eine gehörige Schneide zu erhalten, ist die S. schräg gegen xx nach den Linien ab und cd (Fig. 13) zu führen; dadurch gewinnt eine geschränkte S. das in ad ad gezeichnete Ansehen. Eine wesentliche Erleichterung beim Schärfen gewähren die sogen. hinterlochten Sägen (Fig. 14), bei welchen unmittelbar hinter den Zahnlücken Löcher im

^[Abb.: Fig. 9. Sägeblatt mit auswechselbaren Zähnen. Fig. 10. Sägeblatt und geschränkte Zähne. Fig. 11. Schränkeisen. Fig. 12. Schrotsäge. Fig. 13. Schärfen der Sägen. Fig. 14. Hinterlochte Säge.]